Discounter: Lidl baut den Vorstand um
Düsseldorf. Mit einem halben Jahr Verspätung hat Lidl-Chef Kenneth McGrath einen Umbau des Vorstands durchgezogen. Ab dem 1. Juli gibt es ein neues Vorstandsressort, geänderte Zuständigkeiten – und auch einige neue Köpfe in der Führung von Deutschlands größtem Discounter.
„Wir definieren ganz klare Verantwortlichkeiten und schärfen unsere Strukturen, Prozesse und Zusammenarbeitsmodelle so, dass wir unsere strategischen Ziele erreichen“, begründet McGrath den Umbau. Der Ire war vor knapp drei Jahren vom US-Discounter Save A Lot zu Lidl gewechselt, um dem Händler neue Impulse zu geben.
Neu im Lidl-Vorstand ist der ehemalige BMW-Manager Jens Thiemer. Er übernimmt das neu geschaffene Ressort „Kunde“. Dort sind jetzt alle Bereiche aus dem Marketing und dem Vertrieb gebündelt, die an der Schnittstelle zum Kunden liegen. „Nah am Kunden zu sein ist Teil unserer Strategie“, erklärt Thiemer.
Ursprünglich war angekündigt worden, dass Thiemer das neue Vorstandsressort Kunde schon zum 1. Januar übernimmt. Dies hatte der Lidl-Aufsichtsrat im vergangenen November gebilligt. Das Handelsblatt hatte über diese Personalie bereits im Oktober vorab berichtet.
Thiemer hatte zuvor die Bereiche Kunde, Marke und Digital bei BMW geleitet. Er soll Lidl um Stärken gerade in der Markenführung bereichern, die dem Discounter bisher fehlen.
„Mit ihm ergänzen wir unser Vorstandsteam um ein Profil, das ideal zum Fortschreiben unserer Erfolgsgeschichte passt“, hatte Lidl-Chef McGrath die Personalie kommentiert.
Lidl-Einkauf wird künftig auf die Kernfunktionen konzentriert
Doch da die Neuschaffung dieses Ressorts einen größeren Umbau der Strukturen auch in anderen Abteilungen nach sich zog, dauerte es schließlich länger als geplant. So musste Vorstand Christoph Pohl, der weiterhin den Einkauf leitet, Bereiche wie das Marketing und die Marktforschung an Thiemer abgeben.
Insgesamt wird der Einkauf auf seine Kernfunktionen konzentriert. Das wurde intern nicht nur positiv aufgenommen und hat zum Abgang einiger Manager geführt.
Die Verantwortung für die Länder wird künftig in einem statt vorher in zwei Vorstandsressorts zusammengefasst. Die Leitung dieses wichtigen Bereichs liegt ab dem 1. Juli bei Vorstandsmitglied Georg Kröll. „Ziel ist es, einfache und schnelle Entscheidungen herbeizuführen sowie schlanke Prozesse zu schaffen, um damit unsere Agilität in allen Ländern zu steigern“, so Kröll.
Maksymilian Braniecki, der bisher im Vorstand einen Teil der Länder verantwortete, übernimmt ab September die Leitung des Personalressorts. Diese Funktion wird angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels eine steigende Bedeutung bekommen.
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Aufgewertet wird auch das Ressort Logistik, das der frühere Lidl-Deutschlandchef Matthias Oppitz leitet. Dort sollen das Online- und das Filialgeschäft entlang der gesamten Lieferkette enger verzahnt werden. Das Logistikressort ist auch für die Immobilienangelegenheiten zuständig und soll eine zukunftsfähige Immobilienstruktur entwickeln.
Lidl macht mehr Umsatz durch die Inflation bei Lebensmitteln
Lidl hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Umsatz um 9,4 Prozent auf 125,5 Milliarden Euro gesteigert. Dies war jedoch größtenteils auf die gestiegenen Preise im Lebensmitteleinzelhandel zurückzuführen.
Gleichzeitig hat das Unternehmen im harten Wettbewerb auf Marge verzichtet, um nicht durch noch stärkere Preiserhöhungen Kunden zu verlieren. So schrieb Lidl in einer Mitteilung zu den Jahreszahlen, dass gestiegene Ausgaben für Produkte, Rohstoffe, Energie, Transport und Zinsen durch effizientes Kostenmanagement nur „teilweise abgefedert“ worden seien. Genaue Angaben zu den Gewinnen macht das Unternehmen nicht.
Der Vorstandsumbau soll nun zu einer weiteren Steigerung der Effizienz führen. „Wir wollen noch proaktiver Trends erkennen, noch schneller und aktiver Entscheidungen treffen und innovativ denken“, sagte Lidl-Chef McGrath und betonte: „Die Grundlage dafür ist, dass wir uns immer wieder selbst auf den Prüfstand stellen und uns stets weiterentwickeln.“
Erstpublikation: 25.06.2024, 14:14 Uhr.