E-Commerce: Abschied auf Raten – Softbank senkt seinen Anteil an Chinas Alibaba drastisch
Das Unternehmen habe das Schlimmste hinter sich und sei auf dem Wege zur Rentabilität, hieß es am Donnerstag bei Softbank.
Foto: ReutersTokio, Peking. Die historisch enge Verbindung zwischen dem chinesischen Internetgiganten Alibaba und Japans größtem Investmentkonzern Softbank neigt sich endgültig dem Ende zu. Laut einer Analyse der „Financial Times“ (FT) hat Softbank seinen Anteil am E-Commerce-Giganten über Terminverkäufe auf 3,8 Prozent reduziert. Vor einem halben Jahr besaßen die Japaner noch 14 Prozent.
Insgesamt soll Softbank in diesem Jahr Aktien im Wert von 7,2 Milliarden Dollar verkauft haben, analysiert die FT nach Durchsicht von Unterlagen, die der Konzern bei der US-Börsenaufsicht eingereicht hatte. Mit den Einnahmen will sich der japanische Konzern gegen mögliche Buchverluste auf seine großen Beteiligungen an jungen Technologieunternehmen absichern.
Zwar kann Softbank die Aktien theoretisch zu einem späteren Zeitpunkt zurückkaufen. Dennoch rutschte der Aktienkurs von Alibaba im nachbörslichen Handel zeitweise um drei Prozent ab. Immerhin war das japanische Unternehmen der nach Alibaba-Gründer Jack Ma größte Investor – seit Softbank-Gründer Masayoshi Son im Jahr 2000 20 Millionen Dollar als Starthilfe in den heutigen Weltkonzern investiert hatte.
Chinas größter Tech-Konzern hatte Ende März angekündigt, sein Geschäft in sechs unabhängig voneinander geführte Unternehmensteile aufzuspalten. Separate Börsengänge der Einheiten seien möglich, hieß es. Der Schritt diene dazu, die Geschäftsbereiche in die Lage zu versetzen, „agiler zu werden“, erklärte Alibaba-Chef Daniel Zhang. Die Aktien hatten daraufhin stark zugelegt.
Zudem mehrten sich zuletzt die Hinweise auf ein Ende der Regulierungswelle im chinesischen Tech-Sektor. In einer sogenannten „Berichtigungskampagne“ hatten die chinesischen Behörden die Marktmacht von Konglomeraten wie Alibaba und Tencent stark beschnitten. Der Börsenwert der Konzerne reduzierte sich daraufhin drastisch.
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Tech-Investoren bleiben skeptisch
Doch trotz der jüngsten Signale aus Peking, wonach die härtesten Einschnitte vorüber sind, bleiben Investoren wie Softbank offenbar skeptisch. Grund dafür ist nicht nur die Sorge vor weiteren regulatorischen Eingriffen in China. Auch im Westen hat die Zinswende vieler Zentralbanken den Start-up-Boom abgewürgt, den Softbank mit großen Investitionen mit angeheizt hatte.
Softbank leidet unter beiden Trends, da das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur in den USA, sondern auch in China massiv investierte. Lange Zeit machte Alibaba den Großteil des Werts von Softbank aus. Das änderte sich, nachdem Son seit 2017 riesige Investitionsvehikel aufgelegt hatte, allen voran die Softbank Vision Funds 1 und 2.
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Über diese Fonds investierte die japanische Investorenlegende weit über 100 Milliarden Dollar in Mega-Start-ups der Internetwirtschaft. Solange die Kurse stiegen, sah er wie der große Gewinner aus. Doch der Börsencrash nach Ausbruch der Coronapandemie brach seine Gewinnserie und bescherte Softbank erstmals Buchverluste.
Softbank verkaufte daraufhin erstmals defensiv riesige Aktienpakete, um Geld für Aktienrückkäufe und Schuldentilgung freizusetzen. Schon damals griff der Konzern auf seine Alibaba-Beteiligung zurück. Der aktuelle Zinsschock beendete jedoch Softbanks Erholung. Ende 2022 beliefen sich die Buchverluste auf die beiden großen Fonds auf 6,6 Milliarden Dollar.
CEO Son reagierte 2022 und schaltete erneut auf Verteidigung um. Dieses Mal ging er sogar so weit, dass er sich vorerst aus der Leitung des Investmentgeschäfts zurückzog. Stattdessen will er die Krise der Technologieaktien abwarten und später wieder investieren.
Softbank trennt sich auch von anderen Werten
Zu seiner defensiven Strategie gehören neben der Senkung der Alibaba-Anteile auch weitere Verkäufe. So veräußerte Son diese Woche den in Korea ansässigen Risikokapitalfonds Softbank Ventures Asia an die Venture-Capital-Firma The Edgeof in Singapur. Der Fonds ist im März von Sons Bruder Taizo und dem ehemaligen Softbank-Manager Atsushi Taira gegründet worden.
Der rasche Abbau der Beteiligung an Alibaba zeichnete sich bereits Mitte 2020 ab, als Alibaba-Gründer und Sons Freund Jack Ma aus dem Softbank-Vorstand ausschied. Im Herbst desselben Jahres verließ der chinesische Milliardär auch den Verwaltungsrat von Alibaba und fiel nach Kritik an der chinesischen Finanzpolitik bei der Führung in Peking in Ungnade.
Der Gründer des Onlinehändlers Alibaba war auch im Vorstand bei Softbank.
Foto: ReutersDie Behörden bliesen den geplanten Börsengang von Alibabas Finanztochter Ant ab, Ma verschwand für drei Monate spurlos aus der Öffentlichkeit. Dies war der Auftakt zu einer Regulierungskampagne in der Tech-Branche – offiziell mit dem Ziel, Kunden zu schützen und den Wettbewerb zu wahren. Doch wollte die herrschende Kommunistischen Partei auch die Kontrolle über den Sektor verstärken und ihn auf Linie bringen.
Jack Ma hat inzwischen seinen Anteil an Alibaba drastisch reduziert. Ende März war er nach einem längeren Auslandsaufenthalt überraschend nach China zurückgekehrt. Ihn kam die Regulierungswelle teuer zu stehen. Er büßte seine Spitzenposition als reichster Chinese ein.