Flugtaxi: Lilium soll doch Geld aus Bayern bekommen
Frankfurt. Das Land Bayern will dem Luftfahrtpionier Lilium nun wohl doch finanziell helfen. Nach Angaben der bayerischen Staatskanzlei hat das Kabinett beschlossen, für einen Kredit in Höhe von 50 Millionen Euro die Haftung zu übernehmen. Bedingung sei aber, dass der Bund in gleicher Höhe unterstütze. Bei Lilium wollte sich niemand zu dem Vorgang äußern.
Um die Staatshilfe war monatelang gerungen worden. Neben Lilium hatte auch der deutsche Wettbewerber Volocopter aus Bruchsal bei Karlsruhe sowohl in Baden-Württemberg als auch in Bayern um finanzielle Hilfe gebeten. Damit war das Unternehmen aber gescheitert.
Auch bei Lilium zog sich die Entscheidung viel länger hin als vom Management erwartet und erhofft. Es hatte deshalb zuletzt den Druck erhöht und nach Alternativen gesucht. Nach Informationen des Handelsblatts wurden Berater engagiert, die die Möglichkeit eines Verkaufs und Umzugs ins Ausland prüfen sollen.
Hype um Flugtaxis hat deutlich nachgelassen
Zudem war der frühere Airbus-Chef Tom Enders in seiner Funktion als Aufsichtsratschef von Lilium in China und den USA, um Kontakt zu möglichen Investoren aufzunehmen. Potenzielle Investoren soll es in China, den USA und im Nahen Osten geben.
Lilium und Volocopter arbeiten wie weltweit mehrere Hundert Firmen seit Jahren an einem elektrisch betriebenen Flugvehikel. Üblicherweise werden diese Senkrechtstarter als Flugtaxis beschrieben. Im Fall von Lilium handelt es sich aber eher um ein Flugzeug.
Beide Unternehmen brauchen Geld für die Zulassung und die Serienfertigung ihrer Fluggeräte. Da der Hype um die Flugtaxis deutlich nachgelassen hat, sind die Risikokapitalgeber vorsichtiger geworden. Lilium ist zwar an der Börse notiert, aber der Kurs ist so niedrig, dass eine Kapitalerhöhung kaum infrage kommt. Um an frische Mittel zu kommen, ist deshalb die Unterstützung des Staates wichtig. Das könnte auch möglichen Investoren wieder das Vertrauen geben zu investieren.
Die Staatskanzlei bezeichnet die nun in Aussicht gestellten Hilfen als „industriepolitische Richtungsentscheidung des Ministerpräsidenten und des gesamten Kabinetts“. Die Aussage dürfte unter anderem auf Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger abzielen. Er soll sich lange gegen ein Engagement bei Lilium gesträubt haben, hat sich nun aber offensichtlich der Meinung von Ministerpräsident Markus Söder angeschlossen.
Ob die Hilfen reichen, um einen Verkauf oder Teilverkauf an einen Investor aus dem Ausland zu verhindern, ist offen. Lilium hat einen großen Kapitalbedarf. Nach den Angaben im jüngsten Investorenbrief verbrennt das Unternehmen pro Monat rund 33 Millionen Dollar – wahrscheinlich eher mehr. Denn das Personal von mehr als 1000 Beschäftigten wird aufgestockt und Material für die Flugzeuge muss gekauft werden.
Zwar bestellte die arabische Fluggesellschaft Saudia kürzlich 50 Lilium-Jets und unterzeichnete eine Option für den Kauf von weiteren 50 Flugzeugen. Das dürfte dem Start-up eine signifikante Anzahlung eingebracht haben. Aber bis zur Zulassung und Serienfertigung braucht das Jungunternehmen noch viel Geld. Lilium rechnet bisher mit einer Markteinführung im Jahr 2026.