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FlugzeugbauerLetzte A380 von Airbus an Emirates ausgeliefert

Die A380 ist der größte Passagierjet der Welt. Gut 14 Jahre nach dem ersten kommerziellen Flug fragen Airlines das doppelstöckige Flugzeug nicht mehr nach. 16.12.2021 - 15:49 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Emirates hat Airbus insgesamt 123 Exemplare des doppelstöckigen Flugzeugs abgenommen, fast die Hälfte aller 251 jemals verkauften A380.

Foto: dpa

Hamburg, Dubai. Emirates hat am Donnerstag in Hamburg den letzten noch ausstehenden Airbus A380 übernommen. Das teilte die arabische Fluggesellschaft am Nachmittag mit. Insgesamt hat Airbus seit dem A380-Programmstart vor 21 Jahren 251 Maschinen dieses Typs gefertigt und an 14 Airlines ausgeliefert. Emirates ist mit 123 gekauften Maschinen mit großem Abstand der wichtigste A380-Kunde.

Anders als der kommerzielle Start des Riesenfliegers erfolgte die Auslieferung ohne großes Spektakel: Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie waren Gäste von der Übergabe auf dem Werksgelände im Stadtteil Finkenwerder ausgeschlossen.

Emirates-Chef Tim Clark sprach laut Mitteilung von einem „ganz besonderen Flugzeug“, das die Möglichkeit eröffnet habe, die Nachfrage an Flughäfen mit begrenzten Slots effizient zu bedienen. „Die A380 wird auch in den kommenden Jahren das Flaggschiff von Emirates bleiben und eine wichtige Säule unserer Flugpläne darstellen.“ Nachdem Emirates bereits fünf Maschinen ausgemustert hatte, umfasst die Flotte der Airline aktuell 118 A380.

Airbus-Chef Guillaume Faury dankte Emirates für das „unerschütterliche Vertrauen“ in das Flugzeug. „Die A380 hat mit den neuen Maßstäben, die sie in Sachen Flug- und Reiseerlebnis gesetzt hat, das Leben so vieler Passagiere berührt. Ich bin zuversichtlich, dass dies auch in den kommenden Jahrzehnten bei Emirates der Fall sein wird.“

Mit dem gigantischen Flugzeug, das in Größe und Kapazität den legendären Boeing-Jumbo 747 in den Schatten stellt, wollte der europäische Flugzeugbauer einst die Luftfahrt revolutionieren. Die Idee der Entwickler war, auf Rennstrecken zwischen großen Luftverkehrsknoten möglichst viele Passagiere mit möglichst wenigen Flugzeugen transportieren zu können.

Nach 251 gefertigten Maschinen diesen Typs hat am Donnerstag der letzte A380 das Airbus-Werksgelände in Hamburg verlassen. Wegen vieler Stornierungen hatte der Flugzeugbauer bereits 2019 das Aus für das Riesenflugzeug bekanntgegeben.

„Die zunehmende Verdichtung des Luftraumes und der Platzmangel an den Flughäfen verlangen geradezu nach größeren Flugzeugen“, formulierte Konstrukteur Jürgen Thomas, der als „Vater der A380“ gilt. Große Chancen rechnete man sich vor allem in Asien aus. Der langjährige Airbus-Verkaufschef John Leahy vertrat diese Argumentation auch noch, als er schon jahrelang keine neuen A380-Bestellungen mehr hereingeholt hatte.

Mittlerweile haben sich Kundenwünsche geändert – Airlines bevorzugen eher kleinere zweistrahlige Maschinen für möglichst viele Direktflüge auch zwischen kleineren Flughäfen in aller Welt. Denn Riesenflieger wie Boeings 747 oder eben die A380 verbrauchen mit ihren vier Triebwerken viel Treibstoff - das ist nicht wirtschaftlich, besonders wenn die Jets nicht voll besetzt sind. Hinzu kommen höhere Wartungskosten. Auch Boeing hat das Ende der 747-Ära deswegen schon verkündet.

Zwar hat Airbus Mitte des vorigen Jahrzehnts immerhin in der laufenden Produktion die Gewinnschwelle erreicht - unter dem Strich aber wohl keinen Euro mit dem Flugzeug verdient, rechnet man milliardenschwere Entwicklungskosten hinzu. Nach etlichen Abbestellungen musste der frühere Airbus-Chef Tom Enders 2019 die Reißleine ziehen und verkündete vorzeitig das Aus für das A380-Programm.

„Damals gab es völlig überzogene Marktprognosen“

In die Entwicklung des Flugzeugs flossen öffentliche Gelder - vor allem aus Frankreich, Deutschland und Spanien. Airbus versprach nun, dass das Projekt A380 nicht beendet sei - schließlich wolle man die vorhandene Flotte weiterhin unterstützen. Beispielsweise arbeitet der Hersteller nach eigener Aussage weiter daran, die Wettbewerbsfähigkeit der Flugzeuge zu verbessern, etwa bei den Wartungskosten, wie Vorstandsmitglied Philippe Mhun sagt.

Der doppelstöckige Passagierjet hatte Airbus schon länger große Sorgen bereitet. Kaum noch eine Fluglinie hatte das Modell geordert. Wie viele A380 man verkaufen wollte, wurde zwar nie offiziell beziffert. „Damals gab es völlig überzogene Marktprognosen“, sagt aber der Luftverkehrsexperte Andreas Spaeth. Er geht davon aus, dass Airbus erst „jenseits der 500“ Geld mit der A380 verdient hätte. Mit der letzten Emirates-A380 waren es am Ende nur 251 ausgelieferte Maschinen.

Er übertrumpft in Größe und Kapazität den legendären Boeing-Jumbo 747: Der weltgrößte Passagierjet A380 von Airbus.

Foto: Reuters

Airbus mag den Ausflug in die Welt der Riesenflieger gleichwohl nicht als teure Fehlentscheidung werten. Mhun, Programm-Chef des Konzerns, nannte das Flugzeug auf dpa-Nachfrage einen „Grundstein“ bei der Entwicklung des multinationalen Unternehmens von einem Joint Venture mehrerer Gesellschaften „zu einem wirklich integrierten Unternehmen“ - in technischer, industrieller und kultureller Hinsicht.

Zudem seien viele der A380-Innovationen später dem zweistrahligen Modell A350 zugute gekommen, sagt Mhun: „Ohne die 380 wäre Airbus heute nicht Airbus, ohne die 380 wäre die 350 heute nicht die 350, und das ist etwas, das wirklich wichtig ist.“

Emirates war der wichtigste Kunde für den A380

Zudem war der Riesenflieger immer auch ein Prestigeprojekt im Kampf gegen den großen US-Rivalen Boeing, der den Himmel der vierstrahligen Großraumflieger damals mit dem Jumbo allein besetzt hatte. „Der Airbus A3XX wird nie fliegen. Für dieses Flugzeug gibt es keinen Markt, das bringen die Europäer nicht fertig“, prophezeite Boeing einst.

Vor diesem Hintergrund sagt Airbus-Vorstandsmitglied Mhun heute: „Ich denke, das war es wert. Bedenken Sie, dass wir ein Herausforderer von Boeing waren. Es war die richtige Entscheidung.“

Die Lufthansa, mit 14 Exemplaren auch einer der größeren unter den insgesamt nur 14 A380-Kunden, hat das Kapitel offiziell geschlossen. Das sei kein Thema mehr, so Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Die Maschinen stehen eingemottet im spanischen Teruel, sechs davon hat Airbus bereits zu einem ungenannten Preis zurückgenommen.

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„Das ist ganz normal und passiert bei jedem Programm“, sagt Airbus-Manager Mhun. Er hofft, dass sich für die Gebrauchtflieger Käufer finden, sobald sich die Luftfahrtbranche von der beispiellosen Coronakrise mit Einbrüchen vor allem auf den langen Strecken erholt.

dpa
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