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FlugzeugbauerWarum Airbus keine Staatshilfe fordern will

Airbus-Chef Guillaume Faury ist partout gegen staatliche Hilfen – auch aus politischen Gründen. Kurzarbeit aber muss er in Anspruch nehmen.Thomas Hanke 14.04.2020 - 04:00 Uhr

Im Gegensatz zu anderen Fluggesellschaften soll Airbus trotz Coronakrise nicht um staatliche Beteiligung bitten.

Foto: Handelsblatt

Paris. Viele seiner Kunden und Zulieferer werden ohne weiter gehende Hilfen bis hin zu staatlichen Beteiligungen möglicherweise nicht überleben. Doch für sich selbst schließt der europäische Konzern eine Kapitalspritze des Staates aus. „Man soll nie ‚nie‘ sagen, aber ich kann feststellen, dass wir derzeit keine Kapitalhilfe des Staates brauchen und dass wir versuchen, uns selber zu helfen“, sagt Airbus-CEO Guillaume Faury im Interview.

Auch in puncto Liquidität sei Airbus auf der sicheren Seite, dank guter Kassenlage bei Beginn der Krise und auch, weil im Februar eine zusätzliche Kreditlinie aufgenommen wurde. „Wir bitten nicht um einen Bail-out, irgendeine Form von Kapitalzuschuss oder eine höhere Staatsbeteiligung“, lässt Faury keinen Zweifel an der Haltung seines Unternehmens.

Französische Minister sagten, Airbus benötige Milliarden Euro an Staatshilfen. Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire hat angekündigt, dass „strategisch bedeutsame Unternehmen geschützt“ oder sogar nationalisiert würden. Weit vornan stehen die Autoindustrie und die Fluggesellschaft Air France-KLM, mit der Paris und Den Haag über staatlichen Beistand verhandeln.

Airbus könnte folgen. Doch davon will Faury nichts wissen, und das aus gutem Grund: Als Faurys Vorgänger Tom Enders 2012 eine Fusion mit BAE Systems anstrebte, machte ihm die Bundesregierung einen Strich durch die Rechnung. Damals hatten der deutsche und der französische Staat noch starken Einfluss auf die Führung des Unternehmens.

Regierung nicht brüskieren

Enders zog die Konsequenzen und warb für eine neue Governance. Die Beteiligungen und das Gewicht der Staaten in den Entscheidungsgremien wurden zurückgedrängt, Airbus wurde so zu einem „normalen“ Unternehmen mit unabhängigem Board.

Faury will daran festhalten. „Wir haben eine unabhängige Governance und denken, sie funktioniert“, betont er. Was er nicht sagt, aber vermutlich denkt: Eine höhere Staatsbeteiligung könnte Zweifel daran wecken, dass die Führung des Unternehmens noch frei von staatlichem Einfluss agieren kann. „Ja, die Governance ist unabhängig, das ist gut, und wir wollen sie bewahren“, stellt der Franzose klar. Spätestens jetzt müsste jeder, der Faury als Sprachrohr des französischen Staates sah, sein Urteil wohl revidieren.

Doch der CEO, der nach der nächsten Hauptversammlung mit dem Deutschen René Obermann als Vorsitzendem des Boards zusammenarbeiten wird, hat auch kein Interesse daran, die Regierungen zu brüskieren. Auf die kommt in der Wirtschaftskrise sehr viel an. Außerdem sind sie bei Satelliten, dem Eurofighter, dem neuen europäischen Kampfflugzeugsystem FCAS und sonstigem militärischem Gerät ein wichtiger Kunde.

Deshalb sagt der CEO diplomatisch: „Die Regierungen und wir sind aufeinander angewiesen, wir helfen einander.“ Airbus kaufe und transportiere Atemschutzmasken aus China nach Europa, stelle Geräte für die künstliche Beatmung her. „Wir versuchen, zur Lösung beizutragen.“

Hilfen für Zulieferer und Airlines in Form von Kapitalzuschüssen und auch zusätzliche und großzügigere Garantien für Exportkredite, das alles hält Airbus für notwendig. Doch das Unternehmen möchte nicht vom Staat umarmt werden und hat dafür auch eine ganz altruistische Begründung: Die öffentlichen Finanzen würden derzeit so stark belastet, da solle jedes Unternehmen, das dazu in der Lage sei, Zurückhaltung üben. Wie Airbus.

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