Hudson's-Bay-Chef Richard Baker: „Es gibt Chancen überall in Europa“
Richard Baker, Chairman der Hudson's Bay Company, setzt auf Expansion.
Foto: dpaDüsseldorf. Wenn in der Vergangenheit von Kaufhäusern die Rede war, standen meist Schließungen, Entlassungen und dramatische Umsatzrückgänge im Mittelpunkt. Geld verdienen mit Kaufhäusern? Das schien unmöglich. Es wunderte also viele, als der kanadische Handelskonzern Hudson`s Bay Company (HBC) im vergangenen Jahr die angeschlagene Warenhauskette Galeria Kaufhof für 2,8 Milliarden Euro übernahm. Dessen Chairman, Richard Baker, will den Negativmeldungen ein Ende setzen – und setzt auf Modernisierung und Expansion.
Herr Baker, Sie übernehmen Standorte von der insolventen Kaufhauskette V&D. Was macht Sie optimistisch, dass Sie mehr Erfolg haben?
Nach unseren Erfahrungen weltweit ist das Kaufhaus ein sehr starkes Modell für die Zukunft, wenn man es in einem Omnichannel-Konzept mit dem E-Commerce verknüpft. Ein schlecht geführtes Kaufhaus mit den falschen Marken ist natürlich nicht erfolgreich, das kann nicht funktionieren. Wir haben viel Erfahrung damit neue Warenhäuser zu eröffnen, genauso wie bestehende wieder zum Erfolg zu führen.
Was machen Sie anders?
V&D hatte zu 80 Prozent Eigenmarken, wir werden ein Haus der globalen Marken sein. In jedem entwickelten Land der Welt gibt es mindestens eine Premium-Kaufhauskette. In den Niederlanden gibt es nach dem Ende von V&D keine nationale Kaufhauskette im gehobenen Segment mehr. Wir werden diese Lücke füllen.
Eigentlich war erwartet worden, dass sie mit der bereits in Belgien eingeführten Marke Galeria Inno in den Niederlanden starten. Nun verwenden Sie die kanadische Marke Hudson’s Bay. Warum?
Wir lieben es, die Menschen ab und zu etwas zu überraschen. Nein, im Ernst: Wir haben viel Marktforschung gemacht und sehr viele Kunden befragt. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Niederlande und Kanada eine sehr spezielle Verbindung haben. Außerdem wollen die Niederländer ihre eigene Kaufhausmarke haben, nicht die gleiche wie in den Nachbarländern. Die Chance, eine Marke mit langer Geschichte zu nutzen und neu zu interpretieren schien uns sehr attraktiv.
Welches Potenzial sehen Sie in den Niederlanden?
Wir starten mit 20 Standorten und werden dann sehen, welche Möglichkeiten für eine weitere Expansion sich bieten.
Welche Städte stehen im Fokus?
Unser erstes Haus wird ein Flagship-Store in Amsterdam sein und wir werden dann alle wichtigen Märkte in den Niederlanden besetzen. Die genauen Standorte werden wir Mitte Juni bekanntgeben.
Sie haben auch in Deutschland noch viel vor. Haben Sie nicht Sorge, dass Sie sich in Europa verzetteln?
Nein, als Unternehmen mit einem Umsatz von 15 Milliarden Dollar müssen wir in der Lage sein, solche Chancen zu nutzen und dynamisch zu wachsen. Wir sind überzeugt, dass unser Team in Köln die Fähigkeit dazu hat. Wir sind darauf vorbereitet, diese Herausforderung in den Niederlanden zu meistern ohne unseren Ausbau in Deutschland zu gefährden.
Wäre die Expansion in die Niederlande ohne die Übernahme von Galeria Kaufhof möglich gewesen?
Mit der Übernahme von Galeria im Jahr 2015 und unserer europäischen Zentrale in Köln haben wir die Basis für unser künftiges organisches Wachstum in Europa geschaffen. Die Expansion in die Niederlande ist der logische nächste Schritt, um unsere Präsenz in den Benelux-Ländern zu komplettieren, nachdem wir in Belgien bereits vertreten sind.
Gibt es Synergien mit Kaufhof?
Wir betreiben das Geschäft in den Niederlanden aus der Zentrale in Köln, das bringt sehr hohe Effizienz bei der Nutzung von IT-Plattformen und beim Einkauf, aber auch beim Management.
Sehen Sie auch weitere Expansionsmöglichkeiten in Deutschland?
Ja, es gibt immer neue Chancen für uns, die gibt es überall in Europa. Wir eröffnen ja in Luxemburg 2018 ein neues Haus und werden weiter neue Möglichkeiten prüfen.
Herr Baker, vielen Dank für das Interview.