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Infarm Start-up Infarm sammelt 143 Millionen Euro Investorengeld ein

Das Berliner Start-up bekommt frisches Geld aus Liechtenstein. Insgesamt haben die Gründer schon eine viertel Milliarde eingesammelt – mit Kräutern.
17.09.2020 - 06:11 Uhr Kommentieren
Das Start-up verspricht frische Kräuter aus kontrollierter Umgebung. Quelle: Gilles ROLLE/REA/laif
Blick in einen Infarm-Gewächskasten

Das Start-up verspricht frische Kräuter aus kontrollierter Umgebung.

(Foto: Gilles ROLLE/REA/laif)

Hamburg Digital gesteuerte Kräutergärten sind offenbar ein aussichtsreiches Geschäftsmodell: Das Berliner Start-up Infarm bekommt gut ein Jahr nach seiner ersten großen Finanzierungsrunde erneut viel Geld. 143 Millionen Euro stecken Investoren als Eigenkapital und Kredite in das Unternehmen. Damit haben die drei Gründer bereits über eine viertel Milliarde Euro eingesammelt.

Infarm hat Gewächshäuser entwickelt, in denen Kräuter und Salat kontrolliert in Hydrokultur bei künstlichem Licht wachsen. Kleine Anlagen stellt Infarm direkt in Supermärkten auf, größere produzieren das Gemüse zentral für mehrere Abnehmer.

Infarm bringt Supermarktbetreibern damit mehr Erlebnis für ihre Kunden und das Versprechen auf aromatischere Kräuter. Das Unternehmen selbst betont in seiner Außendarstellung besonders den geringeren Verbrauch an Landfläche und Dünger.

Nach ersten Schritten bei Metro und Edeka hat Infarm in den vergangenen Monaten große neue Kunden wie Aldi und Kaufland hinzugewonnen. Zudem gelingt die Internationalisierung: Infarm zieht Kräuter etwa bei Marks & Spencer in London, Albert Heijn in Amsterdam und Kroger in Seattle.

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    Das dürfte die neuen Investoren davon überzeugt haben, dass das Geschäftsmodell tragfähig ist. Infarm verkauft nicht die Gewächshäuser, sondern berechnet Supermärkten und Gastronomen Kosten je produzierter Pflanze. Für die Händler erfordert die Kooperation daher keine große Investition.

    Infarm hingegen benötigt einiges Geld für den Aufbau seines angestrebten globalen Farmnetzes. Schon 2018, also vor der großen Expansion, lag der Jahresfehlbetrag laut Bundesanzeiger bei 11,7 Millionen Euro. Jüngere Zahlen sind noch nicht veröffentlicht. Unklar ist auch die genaue Bewertung von Infarm durch die aktuelle Finanzierungsrunde.

    Nachhaltig mit Grenzen

    Hinter Infarm stehen drei Israelis, die ihr Unternehmen 2013 in Berlin gegründet haben: Osnat Michaeli und die Brüder Erez und Guy Galonska. Sie wollen mit dem frischen Geld den Vertrieb weiter ausbauen.

    Zudem versprechen sie, eine neue Generation ihrer Gewächshäuser zu entwickeln. „Die Farm der nächsten Generation soll so viel an Ertrag bringen wie ein Hektar landwirtschaftliche Fläche und die Vielfalt der derzeit durch vertikale Landwirtschaft verfügbaren Produkte erweitern“, teilt Infarm mit. Bislang wachsen in den Geräten Pflanzen, deren Blätter essbar sind – also etwa Basilikum, Koriander und Minze. Anspruchsvollere Gemüse wie Tomaten, Zwiebeln und Kartoffeln, die den Großteil des Markts ausmachen, sind noch nicht dabei.

    „Die Integration von fortschrittlicher Technik, Software und Farming-Technologie ermöglicht es, dass diese Farmen Arbeitskraft, Land, Wasser, Energie und Transportkilometer sparen und so gleichzeitig zu einem nachhaltigeren Lebensmittelsystem beitragen“, verspricht Infarm. Allerdings halten Experten ein Problem solcher Anlagen generell für noch nicht gelöst: die künstliche Beleuchtung braucht viel Energie. Daher ist die Technik meist teurer als die konventionelle Landwirtschaft.

    Infarm hält dagegen, die Energie stamme zu 90 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Im kommenden Jahr sei eine emissionsfreie Produktion möglich. Schon heute komme die Technik ohne chemische Pestizide aus, brauche aber Dünger. Inzwischen ernte Infarm monatlich eine halbe Million Pflanzen in zehn Ländern.

    Vielfältige Investoren

    Für die rasche Expansion hat Infarm inzwischen eine ganze Reihe von Investoren an Bord. Angeführt wird die aktuelle Runde von LGT Lightstone. Das ist ein Investmentarm für nachhaltige Investitionen der LGT-Bank des Fürstenhauses von Liechtenstein. Mit dabei ist auch Hanaco, ein Investor, der israelischstämmige Gründer weltweit unterstützt.

    Zudem geben das schwedische Medienhaus Bonnier, Haniel aus Deutschland und Latitute aus London Geld. Auch bestehende Investoren um den Londoner Risikokapitalgeber Atomico schießen nach. Die aktuelle Finanzierungsrunde kann sich laut Angaben von Infarm noch leicht vergrößern. Zielmarke seien knapp 170 Millionen Euro (200 Millionen Dollar).

    „Mit einer Kundennachfrage im Wert von über einer Milliarde US-Dollar und Partnerschaften mit 17 der 50 führenden Lebensmittelhändler der Welt wird Infarm den Markt mit einem einzigartigen Geschäftsmodell revolutionieren“, erklärte LGT-Partner Dharmash Mistry laut der Mitteilung.

    Im Bereich Vertical Farming ist eine ganze Reihe von Forschungsinstituten und Unternehmen aktiv. Einige forschen etwa daran, wie solche Anlagen Lebensmittelproduktion auch in ungünstigen Klimazonen ermöglichen können.

    Zudem können solche Anlagen in Deutschland auch dann regionalen Salat erzeugen, wenn es auf dem Feld zu kalt ist. Im Winter wird Deutschland regelmäßig zum Salatimporteur. Die Produktionsmengen von Infarm können jedoch kaum mit großen Produktionen mithalten: 2019 wurden in Deutschland gut 682.000 Tonnen Blatt- und Stängelgemüse geerntet.

    Daher konzentriert sich Infarm zunächst auf den global gesehen eher kleinen Markt mit qualitätsbewussten und zahlungsbereiten Verbrauchern. Einer der bedeutendsten Konkurrenten ist dabei Plenty aus den USA. Das Unternehmen aus San Francisco hat laut „Crunchbase“ bereits 401 Millionen Dollar von Investoren bekommen – darunter Amazon-Gründer Jeff Bezos.

    Plenty erzeugt sein Gemüse in einer zentralen Anlage und beliefert damit mehrere Hundert Läden in Kalifornien. In der zentralen Farm wächst nach Unternehmensangaben eine Million Pflanzen zeitgleich, jede Minute würden 200 geerntet. Zum Vergleich: Auf einem Hektar Land wachsen etwa 50.000 große Salatköpfe.

    Mehr: Wenn das Gemüse direkt im Supermarkt wächst

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