Kaiser's, Eduscho, Hertie: Diese Handelsmarken sind verschwunden
Kaiser´s ist die lachende Kaffeekanne. Sie begleitet das Unternehmen seit über 100 Jahren. Die Idee, eine Kaffeekanne als Firmensymbol einzusetzen, stammt von Josef Kaiser, der das Unternehmen ab 1880 zum größten deutschen Filialisten für Kaffee ausbaute. Der Berliner Künstler Paul Böhm entwickelte das Logo, das 1904 beim Deutschen Patentamt in München als Schutzmarke eingetragen wird. 1914 schuf der berühmte Gestalter Peter Behrens die heutige Form der Kanne. Wenn die Kaiser´s-Märkte bald sukzessive verkauft werden, wird wohl auch die lachende Kaffeekanne verschwinden.
1973 eröffnete der erste „Minimal“-Markt. Die Kette war vor allem in den frühen Jahren bekannt für seine großen Ladenlokale. Schon 1974 übernahm Rewe 50 Prozent der Marke, 1989 den Rest. Minimal blieb noch bis 2006 als eigenständige Supermarktkette. Dann wurden alle Läden in Rewe-Märkte umgewandelt.
Angestachelt vom Erfolg der Aldi-Märkte gründete die Tengelmann-Gruppe 1972 ihre eigene Discount-Kette: Plus – ein Kürzel für „Prima leben und sparen“. Das Konzept entsprach grundsätzlich dem eines Discounters, doch unterschied sich Plus in einigen Punkten von den „Harddiscountern“ wie Aldi und Lidl: Die Produktpalette war größer und es gab einen höheren Anteil an Markenartikeln. Geworben wurde mit den kleinen Preisen. 2008 übernahm Edeka die mehr als 2.300 Plus-Märkte. Bis Mitte 2010 wurden sie sukzessive in Netto Marken-Discount umbenannt.
1970 in Düren gegründet wuchs die Supermarktkette Extra schnell heran und expandierte in viele deutsche Regionen – vor allem in NRW, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Berlin. 1996 wurde das Unternehmen Teil des Metro-Konzerns und 2004 mit deren Lebensmittelsparte Real zusammengeführt. Die Marken traten allerdings weiterhin getrennt auf. 2008 übernahm der Kölner Handelskonzern Rewe die Extra-Verbrauchermärkte mit den 9.700 Mitarbeitern. Seitdem heißt Extra Rewe.
„Hoch die Tasse, hoch die Tasse – hm, Eduscho – Spitzenklasse!“ In den 1970er-Jahren gehörte Eduscho zu den größten Kaffeeröstereien Deutschlands. Den Grundstein legte Eduard Schopf 1924 mit einem Postversand für frischen Röstkaffee. In den 1950er-Jahren baute Eduscho ein großes Filialnetz auf und war mit Depots in Bäckereien und Lebensmittelgeschäften vertreten. Später begann der Verkauf von Non-Food-Artikeln, mit denen das Unternehmen schon bald mehr verdiente als mit Kaffee. 1997 übernahm der größte Konkurrent Tchibo das Bremer Unternehmen. Die Marke verschwand ab 2000 – zumindest in Deutschland.
Kaum ist sie da, ist sie auch schon wieder weg: Die Marke Hertie. Der Name der einstigen Warenhauskette geht zurück auf den jüdischen Investor Hermann Tietz. Bis in die 1980er-Jahre hinein gehörte Hertie zu den größten deutschen Handelskonzernen. 1993 wurde das Unternehmen von der „Karstadt AG“ übernommen und die Filialen nach und nach in „Karstadt Kompakt“ umbenannt. 2007 dann eine Renaissance: Ein Teil der Märkte firmierte wieder unter dem Namen Hertie. Doch 2009 wurden sie geschlossen und das Hertie-Logo von ehemaligen Berliner Beschäftigten symbolisch in der Spree versenkt. Ein endgültiger Untergang war das allerdings nicht: Heute existiert Hertie als Online-Kaufhaus. Mal sehen, wie lange…
Horten war in den 1950er- und 60er-Jahren der Inbegriff des modernen Warenhauses: Die Filialen besaßen Rolltreppen, Boutiquen und sogar eigene Tankstellen. Ein weiteres Markenzeichen: Die „Hortenkacheln“ – ein vom Architekten Egon Eiermann stilisiertes weißes H aus Aluminium – die zum Teil heute noch die Fassaden schmücken. Ende der 1980er Jahre wechselte Horten mehrmals den Besitzer: Zunächst hielt die WestLB den größten Aktienanteil, 1994 übernahm Kaufhof das Unternehmen komplett. Der Name Horten verschwand – zumindest fast: Das „Carsch-Haus“ in Düsseldorf trägt auch heute noch das Horten-Logo – in Stein gemeißelt.
Als der Kampf auf Lebensmittelmarkt immer härter wurde, wagte der Lebensmittelfilialist Kaiser`s 1969 den Sprung zu den Drogerieartikeln: mit Kaiser`s Drugstore (KD). Anders als die klassischen Drogerien, einer Mischung aus Apotheke und Kleinpreisgeschäft, etablierte Kaiser´s anspruchsvolle Parfümerie- und Kosmetikläden, in denen auch Baby-Artikel, Tierpflegeprodukte oder Schmuck verkauft wurden. Bis 1980 entstehen über 160 Drugstore-Filialen. Mit der Übernahmen von Kaiser´s, erwarb Tengelmann 1971 auch alle KD-Märkte. 2003 kaufte Rossmann einige KD-Filialen und übernahm für alle übrigen Einkauf, Konzeption und Werbung. Drei Jahre später übernahm Rossmann auch diese Läden und firmierte sie um.
„Vor You. Vor Ort“– mit dieser großangelegten und höchst umstrittenen Werbekampagne versuchte sich Schlecker 2011, vor dem Aus zu retten. Wirkungslos: Schlechte Arbeitsbedingungen und ein zu großes Filialnetz mit unrentablen Geschäften führten zu Millionenverlusten. 2012 meldete die einst größte Drogeriemarktkette Insolvenz an. Die Suche nach einem Investor für die rund 2.800 Filialen blieb erfolglos – zu unkalkulierbar die Folgekosten. Schlecker wurde zerschlagen. Viele der 27.000 vorwiegend weiblichen Mitarbeiter – bekannt als Schlecker-Frauen – verloren ihren Job. In die einstigen Schlecker-Läden zogen Rossmann, Möbelläden oder Supermärkte, einige Filialen stehen bis heute leer.
Erst war es „Der Seifen-Platz“ oder auch „Seifen-Puls“. 1973 bekamen die Drogerie Märkte schließlich den noch heute bekannten Namen „Ihr Platz“. Am Beginn der Firmengeschichte standen die 1895 gegründete Osnabrücker Seifenfabrik Frömbling sowie Seifen- und Haushaltswarengeschäfte unter dem Namen „Seifen-Spezialgeschäfte Wilhelm Puls KG“. Das Unternehmen wuchs kontinuierlich, größter Wachstumsschritt war im Jahr 2000 die Übernahme der Drospa-Märkte, die zuvor zur Douglas-Holding gehörten. 2005 rutschte „Ihr Platz“ in die Insolvenz und wurde 2007 von Schlecker übernommen. Nach dessen Zerschlagung wurden 2012 auch die „Ihr Platz“-Märkte verkauft. Rossmann übernahm 104 der rund 500 Filialen und damit mehr als 2.000 Beschäftigte.
Die Baumarktkette wurde 1978 gegründet und wuchs schnell zu einem der größten Anbieter in Europa. Der Slogan „20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung“ machte das Unternehmen bekannt. Doch das Ramschkonzept führte in die Pleite. Im Sommer 2013 kam es zur Insolvenz, im November mussten die Märkte für immer ihre Pforten schließen.