Karstadt-Vermieter mit Vorstrafe: Der angekratzte Goldjunge
Er ist noch sehr jung: Als Signa-Gründer und Mehrheitsaktionär hat sich der Schulabbrecher René Benko in kürzester Zeit Respekt in der Immobilien- und Investment-Branche erarbeitet.
Foto: dpaDie weiße Weste des österreichischen Immobilientycoons René Benko hat nun Flecken. Der Besitzer mehrerer Karstadt-Immobilien wird künftig als Vorbestrafter durchs Leben gehen müssen. Die Urteilsverkündung im Korruptionsverfahren beim Obersten Gerichtshof in Wien wollte sich der 37-Jährige nicht persönlich ansehen. Benko war bereits vor einem Jahr zu einer Bewährungsstrafe von zwölf Monaten verurteilt worden. Dieses Urteil hat Österreichs höchstes Gericht am Montag bestätigt.
Bei seiner Immobiliengruppe Signa sieht man das Urteil gelassen. Die Geschäfte laufen nach Unternehmensangaben gut. Keiner der prominenten Investoren wie Unternehmensberater Roland Berger oder Strabag-Gründer Hans-Peter Haselsteiner sei abgesprungen. „Es hat weiterhin keine Auswirkungen auf das Geschäft“, sagte ein Sprecher am Dienstag zum Urteil. Korruption – welche Korruption? „Das Delikt, das zur Verurteilung führte, ist in Deutschland und in Italien kein Straftatbestand“, so der Benko-Sprecher.
Das Wiener Gericht sah es in zweiter Instanz als erwiesen an, dass Benko über seinen Steuerberater Michael Passer ein Steuerverfahren gegen Signa in Italien positiv beeinflussen wollte. Dazu sollte der damalige kroatische Regierungschef Ivo Sanader seine guten Kontakte unter anderem zum italienischen Premier Silvio Berlusconi nutzen. Sanader wurde für seine Intervention von Benko und Passer ein Erfolgshonorar von 150.000 Euro in Aussicht gestellt.
Der Oberste Gerichtshof in Wien sah in dem Verhalten eine „versuchte verbotene Intervention“. Die Staatsanwaltschaft sah den Richterspruch ausgesprochen kritisch. Sanader sitzt derzeit außerhalb der kroatischen Hauptstadt Zagreb eine mehrjährige Gefängnisstrafe ab. In Kroatien gilt es als Persona non grata.
Seine Großprojekte treibt der Tiroler Benko zielstrebig voran. Für den Bau eines Kaufhauses in der verschlafenen norditalienischen Provinzstadt Bozen, geplant vom britischen Stararchitekten David Chipperfield, wurde nun der Bauantrag eingereicht. Wie schön Benkos Projekte sein können, bewies er zuletzt in Wien. Das Goldene Quartier mit seinen Luxusläden und Büro ist das neueste Schmuckstück der österreichischen Hauptstadt, das nicht nur die stets kritischen Wiener begeistert, sondern auch polyglotte Powershopper.
Auch in Deutschland ist Benko, trotz seiner Jugend in der Heimat bereits eine Unternehmerlegende, aktiv. Ende vergangenen Jahres erwarb der Tiroler Selfmademan die „Alte Akademie“ im Zentrum München. Derzeit verhandelt Benko mit der Stadt München über einen Umbau zu einer Luxusmeile nach dem Vorbild des Goldenen Quartiers in Wien.
Benko ist längst finanziell unabhängig. Sein geschätztes Privatvermögen liegt bei 850 Millionen Euro. Laut dem Wiener Wirtschaftsmagazin „Trend“ rangiert er auf Platz 37 der reichsten Österreicher. Mit seinem Privatjet sowie der Vorliebe für schnelle Autos und Helikopter beeindruckt er Kunden und Partner. Mit 17 Jahren brach er die Schule ab. In seiner Heimatstadt begann er, staubige Dachböden auszubauen und zu verkaufen. Einer, der sich aus einem bescheidenen Beamtenelternhaus nach oben arbeitet und ein Vermögen anhäuft, genießt auch bei Milliardären großen Respekt. Sein im Jahr 2000 gegründetes Unternehmen Signa verwaltet mittlerweile einen Immobilienbesitz im Wert von über 6,5 Milliarden Euro – darunter auch die Immobilien von Karstadt in Deutschland.
Er hat ein Faible für Luxus – mit dem Karstadt-Haus Oberpollinger hat René Benko eine der Topadressen der Münchener Innenstadt ergattert.
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Im Sommer 2013 hat Benko die operative Führung in dem Unternehmen abgegeben und wechselte als Vorsitzender in den Beirat. Dennoch gilt er weiter als der starke Mann bei Signa. Benko ist exzellent vernetzt. Selbst der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier lässt sich mit dem Tiroler anlässlich eines Dinners in Düsseldorf gerne ablichten. Zu seinen engsten Berater zählt der frühere österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, wie Steinmeier ist er ein Sozialdemokrat.
Lange Zeit war Benko ein Unbekannter in Deutschland. Das änderte sich schlagartig im November 2011. Damals wurde bekannt, dass es der Innsbrucker auf die Kaufhof-Warenhäuser abgesehen hatte. Es folgte ein Bietergefecht mit Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen – doch keiner von beiden kam zum Zug. Die Kaufhof-Mutter Metro legte den Verkauf kurzerhand auf Eis. Es wurde still um Benko hierzulande.
Doch der hartnäckige Unternehmer gab nicht auf und orientierte sich neu. Schon 2011 hatte seine Signa-Holding die Immobilie des Oberpollinger in München gekauft, eines der drei Premiumhäuser von Karstadt. Das KaDeWe in Berlin und weitere 16 Karstadt-Häuser folgten Ende 2012. So wurde Benko zum Großvermieter von Karstadt.
Im September 2013 übernahm Signa dann von Berggruen 75 Prozent am operativen Geschäft der drei Premium- sowie der 28 Sporthäuser und damit die wertvollen Teile von Karstadt mit Zukunft. Als Gegenleistung flossen 300 Millionen Euro in die 83 übrigen Warenhäuser, die noch immer im vollen Besitz von Berggruen sind.
Doch damit nicht genug: Benkos Signa soll auch bei den Warenhäusern jederzeit einsteigen können – über eine Call-Option von 75 Prozent. Signa wollte das am Dienstag weder dementieren noch bestätigen. Ob Benko den Einstieg in absehbarer Zeit will, ist indes strittig. Zwar heißt es in seinem Umfeld, Benko habe noch immer die Vision von der Deutschen Warenhaus AG, also dem Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt. Aber nicht um jeden Preis. Berggruen sei als Retter bei Karstadt angetreten und könne das Unternehmen nicht einfach abstoßen, hieß es zuletzt wiederholt aus Signa-Kreisen.
Benko liebt es in Sachen Luxus Maßstäbe zu setzen. Eine Immobilie, die der begeisterte Skiläufer auch privat nutzt, ist der Luxus-Komplex Chalet N im sportlichen Nobelskiort Lech am Arlberg. Im Ortsteil Oberlech hat sich der gebürtige Innsbrucker einen Traum verwirklicht.
Ein riesiger Pool und Duschen, die eines Thermalbades würdig sind, ein erlesener Weinkeller, der keine Wünsche offenlässt, und ein Medienraum, der für ein kleines Kino reicht - das hölzerne Doppelhaus mit acht opulenten Suiten setzt Maßstäbe im Luxustourismus. Für 275.000 Euro pro Woche kann der betuchte Gast hier absteigen. Nirgendwo sonst in den Alpen kann ein Tourist in so kurzer Zeit so viel Geld loswerden - dank Benko.