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KeringAktienkurs der Gucci-Mutter bricht nach Umsatzwarnung ein

Gucci, Yves Saint Laurent und Balenciaga: Die Marken des Luxuskonzerns verkaufen sich in Asien schlechter. Der Einbruch der Kering-Aktie belastet auch LVMH und Hermès.Michael Scheppe, Gregor Waschinski 20.03.2024 - 16:46 Uhr aktualisiert
Passant mit Gucci-Tüte: Kering erwartet wegen schleppender Geschäfte bei seiner Top-Marke einen Umsatzeinbruch. Foto: Bloomberg

Düsseldorf, Paris. Der Aktienkurs des französischen Luxusherstellers Kering ist am Mittwoch so stark gefallen wie seit 1992 nicht mehr. Hintergrund ist eine Umsatzwarnung vom Dienstagabend.

Die Anteilsscheine von Kering verloren innerhalb weniger Stunden bis zu 15 Prozent an Wert. Am Nachmittag stabilisierte sich der Kurs bei knapp 370 Euro. Damit hat das Unternehmen, zu dem Luxusmarken wie Gucci, Yves Saint Laurent und Balenciaga gehören, an nur einem Tag 7,2 Milliarden Euro an Börsenwert eingebüßt.

Die Gucci-Mutter rechnet im ersten Quartal mit zehn Prozent weniger Erlösen – vor allem, weil ihre Kernmarke in der Region Asien-Pazifik  rund 20 Prozent weniger Umsätze erzielen wird. Genaue Zahlen legt der Konzern in einem Monat vor.

Die Nachricht schockiert die Luxusgüterindustrie, die sich zuletzt von der Absatzdelle durch die Coronapandemie erholt zeigte. So verloren die Aktien von Konkurrenten wie LVMH (Louis Vuitton, Dior), Hermès oder Hugo Boss zwischenzeitlich deutlich. Die unerwartete Ankündigung von Kering sei ein „ziemlich beunruhigendes Signal für den Luxusgütersektor“, sagt Citigroup-Analyst Thomas Chauvet.

Asien ist für Luxuskonzerne die wichtigste Wachstumsregion. Schon heute macht das Gebiet rund ein Fünftel des weltweit 1,5 Billionen Euro großen Luxusmarkts aus, wie Zahlen der Beratung Bain zeigen. Bis 2030 sollen chinesische Kunden demnach einen Anteil von 35 bis 40 Prozent am Weltmarkt haben. So groß ist heute die Region Nordamerika – der aktuell wichtigste Markt für Luxusgüter.

Konsumzurückhaltung in Asien

Durch die anhaltende wirtschaftliche Schwäche Chinas und anderer asiatischer Staaten wird das Wachstum gebremst. Angesichts der Immobilienkrise und der unklaren Arbeitsmarktlage scheinen selbst vermögende Menschen in Asien an Luxuswaren zu sparen.

Kering leidet unter der Abkühlung des Marktes besonders, weil der asiatisch-pazifische Raum vergangenes Jahr 35 Prozent des Konzernumsatzes ausmachte – und damit wichtiger war als Westeuropa und Nordamerika. LVMH erwirtschaftete mit seinen Edelmarken 31 Prozent seiner Erträge in Asien-Pazifik, bei Hermès sind es 47 Prozent.

Auch abseits der Luxusindustrie spüren Konsummarken die asiatische Eintrübung. Beim weltgrößten Kosmetikkonzern L’Oréal (Kiehl‘s, Giorgio Armani) gingen die Umsätze allein in Nordasien zurück. Auch die Luxusmarke La Prairie von Beiersdorf büßte wegen der Schwäche in Asien mehr als 15 Prozent an Umsatz ein.

Bei den meisten Luxusmarken ist das Wachstum weiter robust, es hat sich im Vergleich zu den Boomjahren nach der Pandemie allerdings abgeschwächt. So steigerte Hermès seinen Umsatz 2023 um ein Fünftel. Auch LVMH wuchs langsamer als von Experten erwartet. Die Nummer eins der Luxusgüterindustrie konnte ihren Umsatz um neun Prozent auf gut 86 Milliarden Euro steigern. Gerade in Asien kamen direkt nach den Lockdowns in der Pandemie Nachholeffekte ins Spiel: Die Menschen konnten wieder in den Geschäften shoppen.

Hausgemachte Probleme bei Kering

Bei Kering gingen die Erlöse jüngst um vier Prozent auf 19,6 Milliarden Euro zurück. Den Konzern trifft die aktuelle Nachfrageeintrübung besonders, weil hausgemachte Probleme dazukommen. Der Konzern ist von seiner Luxusmarke Gucci besonders abhängig, sie steht für die Hälfte der gesamten Umsätze. Doch diese schwächelte zuletzt und verlor Marktanteile.

Mode von Gucci: Die Konzernmutter erzielt 35 Prozent ihrer Umsätze in Asien. Foto: Bloomberg/Getty Images

Das italienische Label ist mit seinen hochpreisigen Gürteln mit dem doppelten goldenen G oder seinen Princetown-Pantoffeln für extravagante Designs bekannt. Doch offenbar kommt dieser schrille Look nicht mehr so gut an – vor allem nicht bei Käufern in Asien. Konkurrenten wie LVMH sind mit ihren 75 Marken widerstandsfähiger. Und Hèrmes arbeitet lange Auftragsbestände vor allem für Handtaschen ab.

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Kering hatte vor zwei Jahren begonnen, sein angeschlagenes Label zu stärken. Management und Designer wurden ausgetauscht. Der neue Kreativchef Sabato De Sarno, ein eher unbekannter Designer des italienischen Modeunternehmens Valentino, stellte seine neue Gucci-Kollektion im Herbst vor. Im Vergleich zu den farbenfrohen Looks seines Vorgängers sind diese minimalistischer und eleganter. Diese Ästhetik soll bei dem aktuell schlichteren Geschmack vieler Luxuskäufer besser ankommen.

Guccis Erfolg hängt stark von Designern ab

Bislang ist die neue Kollektion nach Angaben von Analysten aber erst bei einem Drittel der Geschäfte angekommen. Die ersten Artikel seien „sehr positiv aufgenommen“ worden, heißt es von Kering. In den kommenden Monaten seien sie in mehr Läden verfügbar. Branchenkenner Luca Solca vom US-Analysehaus Bernstein warnt allerdings: „Es bleibt abzuwarten, ob die Chinesen den ruhigen Luxus von De Sarno mögen werden.“

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Der Erfolg von Gucci hängt stärker als bei anderen Luxusmarken von der Begeisterung für einzelne Designer ab. Das macht den Mutterkonzern Kering insgesamt anfälliger für Geschmacksveränderungen der Verbraucher.

Die hohen Investitionen in neue Modekollektionen werden die Profitabilität im laufenden Jahr drücken, sagte Kering-Chef François-Henri Pinault. Es werde nicht von heute auf morgen gelingen, Kering wieder auf das richtige Gleis zu setzen. Der Konzern wird von der Milliardärsfamilie Pinault kontrolliert.

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