Lebensmittelhandel: Rewe bangt um Ruf der Eigenmarken
Kundin in einem Rewe-Markt (Archiv).
Foto: dpaKöln. Der Rewe-Konzern will künftig in seinen Supermärkten und den Discount-Märkten Penny nur noch deutsches Rindfleisch in Eigenmarken-Produkten verwenden. Damit reagiert das Unternehmen auf den Fund von Pferdefleisch in einigen Fertiggerichten. „Wir tragen eine besondere Verantwortung für unsere Eigenmarken, zu der wir stehen und die wir gegenüber den Verbrauchern mit diesem Schritt nochmals sehr deutlich unterstreichen", sagte REWE Group Einkaufsvorstand Manfred Esser heute in Köln.
Der Kampf um die Reputation der Eigenmarken hat einen Grund: Die unter eigenem Namen vertriebenen Lebensmittel bringen mehr Gewinn im hart umkämpften Einzelhandel. In den vergangenen Jahren haben die Supermarkt-Ketten ihre Eigenmarken vereinheitlicht - und enger mit dem eigenen Namen verbunden. Rewe gilt in der Branche als Vorreiter: Aus anonymen Marken wie „Today“ und „Salto“ wurden Produkte unter dem eigenen Namen, eben „Rewe“. Was die Markenidentität der Kölner Handelsgenossen stärken sollte, wird jetzt zur Gefahr. Der Fleischskandal bedroht nicht das Image einer austauschbaren, gesichtslosen Eigenmarke - sondern die Wahrnehmung der Handelskette als solche.
„Das ist ganz klar ein Risiko der derzeitigen Dachmarken-Strategie“, sagt Marlene Lohmann, Marketing-Expertin beim Handelsinstitut EHI. „Der Skandal ist ein Angriff auf die Marken - und beschädigt sie.“ Auch Jörg Deppe von der Münchener Handelsberatung BBE warnt: „Der Schaden ist deutlich größer und schwieriger zu heilen als bei den früheren austauschbaren und sehr günstigen Eigenmarken.“
Mit dem Bekanntwerden des Pferdefleisch-Skandals waren auch die teils abenteuerlichen Lieferrouten vom Bauernhof bis zum Fertiggericht bekannt geworden. Von Rumänien über Zypern, nach Frankreich, dann Luxemburg und schließlich in deutsche Supermärkte war das Fleisch teilweise unterwegs. Rewe will die damit verbundenen Unsicherheiten nun für die eigenen Marken abschaffen. Die Umstellung beginne mit der Produktion der Produkte, die aus dem Handel genommen worden waren.
Betroffen waren bei etwa „Rewe Chili con Carne“ und „Rewe Spaghetti Bolognese“, die laut Rewe vom Unternehmen SGS Geniesser Service hergestellt wurden, sowie „Mou Lasagne Bolognese“ und „Mou Cannelloni Bolognese“ der Marke Tulip. Bei den Produkten der Eigenmarke und des Markenherstellers konnten die Produzenten Rewe zufolge nicht ausschließen, dass diese Anteile von Pferdefleisch enthalten.
In den vergangenen Jahren haben Supermärkte ihr Eigenmarken-Sortiment deutlich ausgebaut. Nach 14,6 Prozent im Jahr 2007 lag der Anteil zuletzt nach GfK-Zahlen bei den Vollsortimentern bei 19,4 Prozent. Bei den Discountern wie Aldi und Lidl sind es sogar 70 Prozent. Das Wachstum komme nicht mehr aus den Billigmarken, sondern aus neu geschaffenen Premium- und Feinkostmarken wie „Rewe Feine Welt“, sagt GfK-Experte Wolfgang Adlwarth.