Lieferdienst expandiert: Dax-Neuling Delivery Hero kauft in Dubai zu
Der Lieferdienst expandiert im Nahen Osten.
Foto: dpaHamburg. Der frisch in den Leitindex Dax aufgestiegene Lieferdienst Delivery Hero kauft zu. Für 360 Millionen Dollar übernehmen die Berliner den Bring-Service Instashop im Nahen Osten. Der Anbieter liefert Lebensmittel und andere Waren aus Geschäften innerhalb von 45 Minuten nach Bestellung aus – ein Geschäftsfeld, das Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg seit einiger Zeit ausbaut. Mit der Übernahme stärkt er zudem die Position in Nahost, das für den Konzern eine strategisch wichtige Weltregion ist. Mit Talabat gehört der Marktführer in der Region bei Restaurant-Lieferungen zu Delivery Hero.
Übernahmen sind bei Delivery Hero Teil der Strategie. So hatte der Konzern im vergangenen Jahr beispielsweise das Nahost-Geschäft des Konkurrenten Zomato übernommen. In Korea wartet er auf die Zustimmung der Kartellwächter zum Kauf des Konkurrenten Woowa für 3,6 Milliarden Euro. Sehr große Zukäufe lehnte Östberg zuletzt im Handelsblatt-Interview jedoch ab: „Wir investieren lieber in unser eigenes Geschäft.“ So startet Delivery Hero derzeit aus eigener Kraft in Japan.
„Als ein marktführender Spieler im Lebensmittel-Bereich hat Instashop einen Service aufgebaut, den die Kunden lieben. Ihre Expertise ist eine großartige Ergänzung für unsere eigene Expansion bei Quick Commerce“, erklärte Östberg. Als Quick Commerce bezeichnet er das junge Segment der schnellen Lieferung von Supermarkt-Waren. „Zusammen werden wir weiter investieren, um die Zukunft des Liefersegments zu gestalten und Standards bei Geschwindigkeit und Bequemlichkeit zu setzen“, kündigte Östberg an.
Instashop ist im Juni 2015 in Dubai gegründet worden. Laut der Mitteilung von Delivery Hero bestellen Kunden aufs Jahr hochgerechnet nach Zahlen aus dem zweiten Quartal 2020 Waren im Wert von rund 300 Millionen Dollar über den Dienst. Der operative Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda) sei positiv. Der Dienst liefere aus 1.500 Läden in den Emiraten, Katar, Bahrain, Ägypten und dem Libanon. Nach der Übernahme sollen weltweit weitere Länder hinzukommen.
Instashop-Gründer John Tsioris soll an Bord bleiben und die Marke weiterführen.
443 Millionen Euro Halbjahresverlust
Delivery Hero veröffentlichte am Donnerstag auch den Halbjahresbericht. Demnach fiel im ersten Halbjahr ein Vorsteuerverlust von 443 Millionen Euro an – gut doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Zugleich steigt der Umsatz um 87 Prozent auf 958 Millionen Euro.
Verlusttreiber waren vor allem die operativen Kosten für den Lieferdienst, während die Werbeausgaben unterproportional stiegen. Analysten hatten den erheblichen Verlust erwartet. Östberg begründete ihn wiederholt mit dem hohen Wachstumstempo. Delivery Hero hat seit der Gründung 2011 noch keine Gewinne erzielt.
Nahost ist mit 368 Millionen Euro Umsatz eine der stärksten Regionen für den Konzern - und mit 18,8 Millionen Euro bereinigtem Ebitda die einzige nach dieser Kennzahl profitable Weltregion im ersten Halbjahr.