Luftfahrt: Bei der Lufthansa rücken schwarze Zahlen näher
Lufthansa hat im ersten Quartal 2022 zwar rote Zahlen geschrieben, doch der Quartalsbericht signalisiert, dass sich der Konzern langsam von der Krise erholt.
Foto: AFPFrankfurt. Lufthansa arbeitet sich langsam aus den roten Zahlen heraus. Im ersten Quartal konnte Europas größte Fluggesellschaft den bereinigten Betriebsverlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von gut einer Milliarde Euro auf 591 Millionen Euro deutlich senken. Gleichzeitig verdoppelte sich der Umsatz auf 5,4 Milliarden Euro. Das gab das Unternehmen am Donnerstagmorgen bekannt.
„Krise war gestern. Die Lufthansa-Group geht wieder in der Offensive“, sagte Konzernchef Carsten Spohr am Donnerstagvormittag: „Die Menschen reisen wieder.“ Die Airline-Gruppe mit den Marken Lufthansa, Swiss, Brussels Airlines, Austrian Airlines, Eurowings und Lufthansa Cargo hat damit die Schätzungen der Analysten getroffen. Sie hatten ein Umsatzplus von gut 100 Prozent vorhergesagt.
Auch wenn das Ergebnis nach wie vor rot ist, zeigt es doch, dass sich der Konzern nach der schwersten Branchenkrise langsam wieder erholt. Zum einen ist ein Verlust im ersten Vierteljahr für Fluggesellschaften auch in normalen Zeiten nicht ungewöhnlich. Es sind die reiseschwächsten Wochen des Jahres, bei weiterlaufenden Fixkosten. Zum anderen stimmt die Richtung, die roten Zahlen werden kleiner.
Das weckt Erwartungen. So gehen Analysten im Gesamtjahr von einem bereinigten Betriebsergebnis von bis zu fast 400 Millionen Euro aus. Alex Irving von Bernstein Research drückt seine Zuversicht mit einer rhetorischen Frage aus: „Das letzte Verlust-Quartal vor dem Aufschwung im Sommer?“ Die Lufthansa-Aktie legte am Vormittag leicht um 1,3 Prozent zu, drehte dann allerdings ins Minus.
Das Management ist dagegen vorsichtiger. Ob es in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen geben wird, bleibt offen. Eine Prognose gibt es nicht, auch wegen der Folgen des Ukrainekriegs. Für das Gesamtjahr 2022 plant die Lufthansa Group im Jahresschnitt mit einer Kapazität der Passagier-Airlines von rund 75 Prozent. Es werde unverändert eine Verbesserung des bereinigten Betriebsergebnisses gegenüber dem Vorjahr prognostiziert, heißt es. Ein konkreter Wert wird nicht genannt.
„Gemessen an unseren eigenen Indikatoren wie die Buchungen oder die Durchschnittserlöse sind wir auf dem Weg in die schwarzen Zahlen“, sagte Finanzchef Remco Steenbergen. Doch Dinge wie der Ölpreis seien außerhalb der Kontrolle des Managements. „Deshalb geben wir keine Prognose.“
Klar sei, dass die deutlich höhere Spritrechnung nicht durch Einsparungen an anderer Stelle voll kompensiert werden könne. „Deshalb müssen die Ticketpreise steigen“, sagte Steenbergen. Er geht davon aus, dass sich die Durchschnittserlöse im Laufe des Jahres wieder dem Vorkrisenniveau nähern werden. In der Pandemie war dieser Wert gesunken, weil die schwache Nachfrage die Preise gedrückt hatte.
Inflation belastet die Reisebudgets
Zwar hat das Lufthansa-Management einen großen Teil des Kerosinbedarfs, der für dieses Jahr prognostiziert wird, durch Gegengeschäfte (Hedging) abgesichert, aber eben nicht alles. Laut Steenbergen hat sich zudem die Preisdifferenz zwischen dem „normalen“ Öl und dem Jet-Öl seit Jahresbeginn von 20 auf 50 Dollar erhöht. Der Krieg störe die Produktion, sagte der Finanzchef. „Das trifft auch uns.“ Hinzu kommt die Inflation, die so hoch ist wie lange nicht mehr. Das senkt die Kaufkraft, was sich auch in den Reisebuchungen bemerkbar machen könnte.
Bisher ist das nach Angaben von Lufthansa allerdings nicht spürbar. „Wir erwarten im Sommer so viele Urlauber an Bord wie noch nie“, sagte Spohr. Und auch bei den Dienstreisen geht es aufwärts. Lag die Nachfrage hier Ende Januar noch bei 20 Prozent des Vorkrisenniveaus, stieg diese bis Ende März wieder auf 50 Prozent des bisherigen Niveaus an. „Selten habe ich ein Quartal erlebt, in dem sich der Trend so schnell gedreht hat“, sagte Spohr.
Das ist wichtig, denn während es am „Rande“ des Passagier-Flugbetriebs, also etwa bei der Wartungstochter Lufthansa Technik oder auch im Frachtgeschäft im ersten Quartal gut aussah, ist das Passagiergeschäft in der Verlustzone. Der Betriebsverlust der Passagier-Airlines lag bei 1,1 Milliarden Euro (Vorjahresquartal minus 1,4 Milliarden Euro). Hier spiegeln sich unter anderem die Folgen der Omikron-Welle zu Beginn des Jahres wider. Auch fehlt die Entlastung durch das Kurzarbeitergeld.
Dagegen schaffte Lufthansa Technik ein Betriebsergebnis von 120 Millionen Euro, nach 45 Millionen Euro im ersten Quartal des vergangenen Jahres. Die Frachttochter, die seit Monaten von Engpässen etwa auf den Schifffahrtsrouten und von hohen Frachtraten profitiert, erzielte ein Betriebsergebnis von 495 Millionen Euro, ein Plus von fast 60 Prozent.
Spannend wird sein, ob es Lufthansa in diesem Jahr gelingt, den Abfluss von Geld im operativen Geschäft (Cashburn) zu beenden. Im vierten Quartal 2021 hatte das Unternehmens erstmals seit dem Beginn der Krise wieder einen operativen Cashflow von 158 Millionen Euro erzielen können. Im ersten Quartal lag der Wert sogar bei fast 1,5 Milliarden Euro, eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahresquartal (minus 775 Millionen Euro).
Lufthansa will Schweizer Staatshilfe zurückgeben
Wegen der positiven Liquiditätsentwicklung will das Unternehmen im laufenden Jahr die Stabilisierungsmaßnahmen in der Schweiz vorzeitig zu beenden. Die Tochter Swiss hatte Ende des letzten Quartals von den 1,5 Milliarden Schweizer Franken, die der Staat in Aussicht gestellt hatte, nur 210 Millionen Schweizer Franken genutzt.
Keine neuen Infos gab es am Donnerstagmorgen dagegen zum Plan, bei der italienischen ITA, die Nachfolgeairline von Alitalia, einsteigen zu wollen. Lufthansa bietet gemeinsam mit der Schweizer Reederei MSC. Seit dieser Woche ist der Datenraum von ITA geöffnet. Interesse hat auch ein Gruppe rund um die US-Airline Delta und Air France-KLM sowie der US-Airline-Investor Indigo, zu dem etwa die ungarische Wizz Air gehört. „Wir schauen uns die Daten an“, sagte Spohr.
Lufthansa werden gute Chancen eingeräumt. Auch in der italienischen Regierung, die einen Anteil an ITA behalten will, wird dieses Angebot angeblich als das beste angesehen. Bis Ende Mai sollen verbindliche Gebote eingereicht sein, ab Mitte Juni dann die finalen Gespräche beginnen, nachdem man sich für einen Bieter entschieden hat.