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Maschine von Air China

Chinas Airlines drängen in den deutschen Markt.

(Foto: Bloomberg)

Luftfahrt Chinas Airlines drängen auf den deutschen Markt – was das für Lufthansa bedeutet

Air China und China Southern wollen ihre Präsenz in Deutschland stärken. Anders als bei den Rivalen vom Persischen Golf könnte die Lufthansa von chinesischen Airlines profitieren.
14.12.2018 - 09:03 Uhr Kommentieren

Frankfurt Die Aufforderung klingt verlockend: „Land your dream“. Mit diesem Slogan versucht gerade Air China in einer Werbekampagne im Fernsehen deutsche Kunden in die eigenen Flugzeuge zu locken. „Viele Reisende fühlen sich von China stark angezogen“, sagte Chen Hongbing, Deputy General Manager von Air China Europe, kürzlich in Berlin.

Doch gerade in Deutschland würden viele eine Reise zum Ziel ihrer Träume dann doch nicht verwirklichen. Dieses Potential soll nun gehoben werden.

Es ist die erste Kampagne dieser Art von Air China in Europa und Deutschland. Und nicht die einzige Initiative einer fernöstlichen Airline hierzulande.

Fast zeitgleich mit den TV-Spots von Air China gab auch China Southern bekannt, die Präsenz in Deutschland zu stärken. Die größte Fluggesellschaft Chinas errichtet in vielen Ländern Europas – darunter auch in Deutschland – Service-Center, in denen sich Kunden in ihrer Landesprache beraten lassen und Flüge buchen können.

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    Sind die chinesischen Airlines die neuen Herausforderer der Lufthansa? Die über Jahre aggressiv wachsenden Airlines vom Persischen Golf wie Emirates, Qatar Airways und Etihad haben der größten europäischen Fluggesellschaft schon die Kunden streitig gemacht, teilweise tun sie das noch immer.

    Die Reaktion der Frankfurter Lufthansa-Zentrale fällt zweigeteilt aus. „China ist ein bedeutender und spannender Wachstumsmarkt. Schon jetzt bietet die Lufthansa Group bis zu 72 Verbindungen pro Woche nach China an“, erklärt ein Sprecher. Gemeinsam mit ihren Partnern sei Lufthansa an einem weiteren, nachhaltigen Wachstum interessiert.

    Aber er fügt auch hinzu: „Ganz generell gilt für den globalen Luftverkehr das, was auch auf alle anderen Branchen zutrifft. Wettbewerb muss auf allen Seiten fair und transparent sein.“

    Der Zusatz hat einen triftigen Grund. Manchem Manager bei der „Hansa“ seien noch die Ereignisse des Jahres 2010 im Kopf, als China der Airline zunächst die Genehmigung der geplanten täglichen Verbindung nach Peking mit dem Superjumbo A380 verweigerte, berichten Unternehmenskenner.

    Selbst das Bundesverkehrsministerium hatte damals interveniert. Gerade Verkehrsrechte werden oft von Ländern genutzt, um eigene Interessen zu wahren. „Die Verkehrsrechte sind eines der zentralen Themen, wenn es für Lufthansa darum geht, vom chinesischen Markt zu profitieren“, sagt Gerald Wissel von der Beratungsfirma Airborne Consulting in Hamburg.

    Bekommt eine ausländische Airline nicht genug Verkehrsrechte zugewiesen, bleibt für das Wachstum nur eines: größere Flugzeuge. Das allerdings würde in einem so riesigen Land wie China nicht reichen. „Wir müssen aufpassen, dass wir in Zukunft genügend Verkehrsrechte in China bekommen werden, um unser Wachstum darstellen zu können“, sagt eine Führungskraft von Lufthansa. Da sei auch die deutsche Politik gefragt, auf ein Gleichgewicht bei den jeweiligen Marktzugängen zu achten.

    Das Potential in China ist riesig. Chinesische Bürger haben im vergangenen Jahr zwischen 129 und 145 Millionen Auslandsreisen unternommen – die Zahlen schwanken leicht, je nach Quelle.

    2020 soll dieser Wert auf 200 Millionen steigen, 2030 sollen es dann 400 Millionen Auslandstrips sein. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag dieser Wert laut dem China Outbound Tourism Research Institute bei gerade einmal 10,5 Millionen Auslandsbesuchen.

    „Je mehr die Chinesen verdienen, desto mehr werden sie reisen“, sagt Berater Wissel. Längst geht es nicht mehr nur um das klassische „Sightseeing“, konstatieren die Experten des chinesische Reisedienstleisters Ctrip und der China Tourism Academy, eine Institution der nationalen Tourismusbehörde CNTA: „Auslandsreisen sind zu einem Messwert für die Zufriedenheit der Stadtbewohner und jungen Menschen geworden.“

    Dabei würden bislang erst zehn Prozent der über 1,4 Milliarden Chinesen überhaupt Auslandsreisen unternehmen, auch weil die überwiegende Zahl noch gar keinen Reisepass hätte.

    Deutschland befindet sich zwar nicht unter den Top zehn der bevorzugten Auslandsziele der Chinesen, aber die Experten von Ctrip und CTA zählen das Land zu den Zielen mit den stärksten Wachstumsraten. So legte die Zahl von Deutschlandbesuchen durch Chinesen 2017 um beachtliche 152 Prozent zu – unter den EU-Ländern das mit Abstand größte Plus. Spanien schafft 127 Prozent, Italien 82 Prozent und Frankreich 71 Prozent.

    Umgekehrt gewinnt auch China für europäische Touristen an Attraktivität. EU-Kommissions-Präsident Jean-Claude Juncker hatte deshalb vor zwei Jahren gemeinsam mit dem chinesischen Premierminister Li Keqiang das Jahr 2018 zum Jahr des EU-China-Tourismus erklärt. Zwar reisen die Europäer immer noch überwiegend in EU-Nachbarstaaten. Aber ein Fünftel jener Trips, die über die EU-Grenzen hinausgehen, führt nach Asien, viele davon nach China.

    Chinesische Airlines stürzen sich auf deutsche Reiselust

    Gerade bei den Deutschen steht China hoch im Kurs. So präsentierte Air China bei der Vorstellung der neuen Fernseh-Kampagne in Berlin jüngst aktuelle Ergebnisse einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Yougov im Auftrag der Airline durchgeführt hat.

    Danach wollen rund zwei Drittel der befragten Bürger in Deutschland innerhalb der nächsten fünf Jahre nach Fernost fliegen. Ganz oben steht das Ziel Thailand mit 40 Prozent, gefolgt von Japan (37 Prozent) und Indonesien (26 Prozent). China steht auf Platz vier mit 24 Prozent. Vor allem die Kultur, aber auch das kulinarische Erleben reize die Deutschen, heißt es.

    Keine Überraschung also, dass Air China in Deutschland alles versucht, um sich ein möglichst großes Stück von diesem Kuchen abzuschneiden. So bringt die Airline in diesen Tagen ihren brandneuen Langstreckenjet A350 nach Frankfurt, um ihn dort für Flüge etwa nach Shanghai einzusetzen. Deutschland sei für Air China der wichtigste Markt in Europa, heißt es bei der Airline.

    Doch auch Lufthansa fährt im China-Geschäft schweres Geschütz auf. Passagiere können etwa auf Flügen von München nach Hongkong und Peking im komfortablen A380 Platz nehmen. „Das Geschäft der Airlines, auch das von Lufthansa, wird viel stärker als früher von Privatreisenden getrieben“, sagt Wissel.

    Fest steht allerdings auch: Die chinesische Regierung betrachtet die nationalen Fluggesellschaften als ein wichtiges Instrument für die weitere Entwicklung des Landes und eine erfolgreiche Teilhabe an der Globalisierung. Entsprechend stützt und mischt sie sich ein.

    So veranlasste die Regierung zum Beispiel bereits 2003, dass China Northern Airlines und China Xinjiang Airlines auf China Southern verschmolzen wurden. Solche Vorgänge befeuern die Sorgen einiger Lufthanseaten vor einem Ungleichgewicht bei den Marktzugängen.

    Dennoch gibt es beim Vordringen der chinesischen Airlines in Deutschland Unterschiede zu dem Fall von Emirates, Etihad oder Qatar. Anders als die Gesellschaften vom Persischen Golf bringen Air China oder China Southern einen gewaltigen eigenen Markt mit. Die Golf-Airlines dagegen haben den klaren Auftrag, Touristen für die eigene schwach besiedelte Region zu gewinnen und darüber hinaus Umsteiger zu den gewaltigen Flughäfen etwa in Dubai, Abu Dhabi oder Doha zu bringen, um diese auszulasten.

    Hinzu kommt: Die „Hansa“ hat im Wettkampf mit der chinesischen Konkurrenz durchaus gute Karten. Denn Chinesen stehen auf bekannte westliche Marken, und Lufthansa zählt dazu. „Man fliegt gerne Lufthansa, wie übrigens Japaner auch“, sagt eine Führungskraft des Konzerns.

    Gleichwohl achtet man bei Lufthansa sehr genau darauf, die eigene Marktposition im chinesischen Markt zu verteidigen und auszubauen. So hat man vor zwei Jahren ein Joint-Venture mit Air China gegründet – nach zweijährigen Verhandlungen.

    Ähnliche Gemeinschaftsunternehmen betreibt die „Hansa“ auch zum Beispiel mit der japanischen ANA, mit Singapore Airlines oder für Nordamerika mit United Airlines und Air Canada. Bei solchen Joint-Ventures, die kartellrechtlich genehmigt werden müssen, werden Umsätze geteilt, sie gehen also weit über eine Vermarktungsallianz wie sie Star Alliance ist, hinaus.

    Hinter der engen Zusammenarbeit mit dem chinesischen Rivalen stehen vor allem zwei Erwartungen: Zum einen wird China die USA als größten Luftverkehrsmarkt schon bald überholen. Zum anderen könnte die enge Partnerschaft dabei helfen, die so wichtigen Verkehrsrechte (Slots) in China zu bekommen – also Waffengleichheit mit den Wettbewerbern aus Fernost herstellen.

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