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Luftfahrt Trotz Corona: Frankfurter Flughafenbetreiber verspricht Gewinn im Ausland

Die internationalen Beteiligungen von Fraport hängen nicht so stark vom Geschäftsreiseverkehr ab wie Frankfurt – was dem Flughafenbetreiber nun in der Krise hilft.
14.09.2020 - 13:44 Uhr Kommentieren
Trotz der Einbrüche infolge der Pandemie bezeichnen Analysten die Zahlen des Flughafenbetreibers als solide. Quelle: dpa
Reiseverkehr am Flughafen Frankfurt

Trotz der Einbrüche infolge der Pandemie bezeichnen Analysten die Zahlen des Flughafenbetreibers als solide.

(Foto: dpa)

Frankfurt Für Zuversicht ist in der Luftfahrtbranche aktuell eigentlich kein Platz. Zu ernüchternd sind die jüngsten Passagierzahlen. Auch am Flughafen Frankfurt. Im August lag die Zahl der Fluggäste am größten deutschen Drehkreuz immer noch bei minus 78 Prozent. Und doch schaut der Finanzvorstand Matthias Zieschang mittlerweile wieder mit mehr Zuversicht auf den Rest des Jahres.

Der Grund sind die Geschäfte jenseits von Deutschland. „Wir werden in unserem internationalen Geschäft im dritten Quartal bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wieder klar positiv sein“, sagte der Manager dem Handelsblatt: „Für das Gesamtjahr 2020 erwarten wir für das internationale Geschäft trotz Corona ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von annähernd 100 Millionen Euro.“

Auf den ersten Blick sind das überraschende Aussagen. Weltweit ist der Luftverkehr seit Monaten stark eingeschränkt, weil die Regierungen die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit Covid-19 so weit wie möglich verhindern wollen. Fraport trifft die Krise hart, weil nicht nur der Verkehr in Frankfurt, sondern auch bei den Beteiligungen und Töchtern etwa in Antalya, Lima oder in Griechenland und Brasilien massiv eingebrochen ist.

Doch in der aktuellen Krise hilft Fraport die geografische Breite. „Im Ausland ist unsere Wertschöpfungstiefe wesentlich niedriger als in Frankfurt. Die Kosten können dadurch kurzfristig noch schneller und stärker reduziert werden“, erklärt Zieschang. Hinzu kommt, dass der touristische Verkehr und Reisen zu Familien und Freunden schneller wieder anziehen werden als der Geschäftsreiseverkehr. „Unsere internationalen Flughäfen hängen stark von diesen erstgenannten Verkehren ab, profitieren also überproportional.“

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    Am Frankfurter Flughafen liegt der Anteil der Geschäftsreisenden traditionell bei rund einem Drittel. Die Firmenkunden sind in normalen Zeiten wichtig, denn sie bringen viel Kaufkraft mit, etwa im Handel und in der Gastronomie am Airport. „Aber diese Verkehre werden langsamer wieder anziehen und mittelfristig auch nicht mehr das ursprüngliche Volumen vor Corona erreichen“, bestätigt Zieschang die Einschätzung vieler Experten.

    Flughafen Frankfurt braucht länger für die Erholung

    Dennoch ist der Finanzvorstand auch für das Heimatdrehkreuz durchaus zuversichtlich. So habe man es im August geschafft, schon bei 50.000 Passagieren am Tag ein ausgeglichenes Ergebnis (Ebitda) zu erreichen. Normalerweise fliegen an einem Tag im Monat August über 200.000 Fluggäste in Frankfurt – was gute Umsätze garantiert.

    In Summe schaut Zieschang deshalb auch wieder etwas zuversichtlicher auf das kommende Jahr. Er erwartet einen deutlichen Anstieg des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), und das sowohl in Frankfurt als auch an den anderen internationalen Flughäfen.

    Das Problem: Am Kapitalmarkt sind diese positiven Signale noch nicht so ganz angekommen. Die Aktie der Fraport AG hat gegenüber dem Zwölfmonatshoch rund 40 Prozent an Wert verloren, die des Flughafens in Zürich dagegen nur rund 25 Prozent. Die Frankfurter seien neben der Betreibergesellschaft des Pariser Flughafens in der schwächsten Position für die Erholung, schrieb Andy Chu von der Deutschen Bank kürzlich in einer Studie und bekräftigte seine Empfehlung für den Rivalen aus Zürich.

    Fraport-Finanzchef Zieschang hat dafür eine Erklärung: „Wir haben die besondere Situation, dass wir vier große Investitionsprojekte parallel haben. Das finden Investoren in Zeiten der schwersten Branchenkrise mit fehlenden Verkehren verständlicherweise nicht gut.“ Tatsächlich baut Fraport gerade an vier Standorten aus: in Frankfurt, in Lima, in Brasilien und in Griechenland.

    Doch Zieschang sieht darin kein großes Problem, denn man habe dafür gesorgt, die Investitionslast besser zu verteilen und teilweise sogar zu reduzieren. „In Griechenland und in Brasilien werden die Projekte Ende des Jahres fast vollständig abgeschlossen sein. Das entlastet 2021 entsprechend den Finanzbedarf“, so Zieschang. Wenn der Verkehr dort wieder anziehen werde, sei man mit einer hochmodernen und effizienten Infrastruktur am Start, die auch höhere Erträge aus der Vermietung von Flächen ermöglichen werde.

    Fraport-Finanzchef Matthias Zieschang

    "Wir werden unser Liquiditätspolster weiterhin hochhalten."

    (Foto: ddp images/Sven Simon)

    In Lima wiederum wird der Bau der zweiten Startbahn, die gebraucht wird, am Jahresende starten. Fraport hat die Verträge für den Bau aber neu verhandelt. „Wegen Corona sind die Baupreise gesunken, wodurch wir bei dem Projekt unter unserem geplanten Budget landen“, sagte Zieschang. Der ebenfalls geplante Neubau eines zweiten Terminals in Lima wird dagegen verschoben. Die Nachfrage, auch wenn sie wieder steigen wird, glaubt Fraport im bestehenden Terminal bewältigen zu können.

    Bleibt der viel beachtete und diskutierte Bau eines dritten Terminals am Heimatdrehkreuz. Hier ist die Situation eine besondere, da der Bau schon weit fortgeschritten ist, ein Stopp also auch wirtschaftlich wenig sinnvoll erscheint. „Wir bauen also weiter, haben aber die Inbetriebnahme von 2023 auf 2025 verschoben“, so Zieschang. Dadurch laufen zwar die Kosten für die Bauüberwachung und andere Tätigkeiten zwei Jahre länger. „Aber da wir noch nicht alle Gewerke ausgeschrieben haben, profitieren wir auch dort von den sinkenden Baupreisen. In Summe bleiben die Kosten für das T3 dadurch konstant, sie werden aber nun auf einen längeren Zeitraum verteilt.“

    Das alles trifft auf eine Bilanz, die von Analysten wie Wolfgang Donie von der NordLB als „solide“ bezeichnet wird. Mit einer Liquidität von 1,7 Milliarden Euro ist der Flughafenbetreiber in das Jahr gestartet. Sofort als sich die Krise abzuzeichnen begann, hat man das Polster aufgestockt, um insgesamt 2,1 Milliarden Euro – und das wohl zu guten Konditionen.

    „Die durchschnittlichen Zinskosten der aufgenommenen Liquidität betragen 1,2 Prozent“, nennt der Finanzchef eine konkrete Zahl. Fraport habe davon profitiert, sich so früh und vor den anderen Unternehmen an den Kapitalmarkt gewendet zu haben. Auch die vorhandene Liquidität habe geholfen: „Nur wer bereits Geld hat, bekommt zusätzliches.“

    Ende Juli hatte das Unternehmen davon noch 2,75 Milliarden Euro in der Kasse. Weil parallel die Rate, mit der Geld verbrannt wird, deutlich gesenkt wurde, reicht diese Summe noch eine ganze Weile, versichert Zieschang: „In Summe haben wir die Cashburn-Rate in den drei Monaten von April bis Juni, in denen fast kein Flugverkehr stattfand, auf insgesamt 450 Millionen Euro begrenzen können.“ Dieser Wert werde im dritten und vierten Quartal weiter sinken und 2021 dann nochmals deutlich nach unten gehen. „Aber wir werden auch 2021 noch einen negativen freien Cashflow wegen unserer Investitionsprojekte haben.“

    Abbau von rechnerisch bis zu 4000 Stellen geplant

    Dabei helfen die erwähnten Maßnahmen bei den großen Investitionsausgaben, klare Beschränkungen bei den Sachinvestitionen auf das, was nötig ist, und nicht zuletzt die Kurzarbeit. Rund 80 Prozent der Fraport-Belegschaft arbeitet derzeit kurz und soll das je nach Nachfrageentwicklung auch noch bis Ende kommenden Jahres weitermachen.

    Dennoch wird Fraport wie fast alle anderen Luftfahrt-Unternehmen nicht umhinkommen, Stellen abzubauen. Die Zahl, die Unternehmenschef Stefan Schulte genannt hat, beläuft sich auf bis zu 4000. „Wenn die Kurzarbeit Ende 2021 auslaufen wird, würden die Personalkosten 2022 wieder nach oben schnellen“, so Zieschang: „Um das zu verhindern, wollen wir diesen Kostenblock dauerhaft um rund 250 Millionen Euro pro Jahr senken. Das entspricht rechnerisch bis zu 4000 Mitarbeitern.“

    1000 Vollzeitstellen sind seit Beginn der Pandemie bereits weggefallen, durch die Nutzung der natürlichen Fluktuation und weil auslaufende Zeitverträge nicht verlängert wurden. Daneben wurde vor 14 Tagen ein freiwilliges Abfindungsprogramm gestartet. „Für den Fall, dass wir bis Ende kommenden Jahres die Reduzierung um die circa 4000 Stellen nicht vollständig schaffen werden, verhandeln wir mit den Arbeitnehmervertretern über einen Sanierungstarifvertrag oder müssen dann für die verbleibende Lücke betriebsbedingte Kündigungen aussprechen.“

    Der Aufwand für diese Maßnahmen soll noch im laufenden Geschäftsjahr bilanziell verarbeitet werden – durch entsprechende Risikovorsorge. Damit verfolgt Zieschang nicht zuletzt ein Ziel: Man werde den Restrukturierungsaufwand klar von den kommenden Jahren abgrenzen und „jeder kann ab 2021 unverzerrt von Sondereffekten in den jeweiligen Segmenten sehen, wie die wirtschaftliche Verbesserung sich entwickelt.“

    Denn auch Zieschang weiß, dass ungeachtet der wieder etwas besseren Aussichten die Krise noch lange nicht vorbei ist. Auch wenn das Fraport-Management aktuell davon ausgeht, dass die Airports 2022 und 2023 wieder bei 80 bis 85 Prozent des ursprünglichen Verkehrs liegen werden. Deshalb ist nicht ausgeschlossen, dass die Betreibergesellschaft erneut an den Kapitalmarkt herantreten wird: „Wir werden unser Liquiditätspolster weiterhin hochhalten und prüfen kontinuierlich mögliche Finanzierungsmaßnahmen“, so Zieschang.

    Mehr: Wie Corona die Airlines zu neuen Angeboten zwingt

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