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Luftfahrt „Wir gehen durch die Hölle“ – So kritisch ist die Lage bei den US-Airlines

Milliardenverluste, Cash-Verbrennung, Staatshilfen – das sind die großen Themen für Airlines in der Coronakrise. Mittelsitze bleiben frei und auch das Boarding ändert sich.
02.05.2020 - 14:50 Uhr Kommentieren
United Airlines & Co.: Amerikanische Fluggesellschaften in der Krise  Quelle: Reuters
American Airlines

Bei American Airlines ist der Umsatz um ein Fünftel auf 8,5 Milliarden Dollar gefallen.

(Foto: Reuters)

New York „Wenn Du durch die Hölle gehst, geh weiter! Und in diesem Moment gehen wir durch die Hölle“. Mit diesen Worten fasst der neue United Airlines CEO Scott Kirby in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen die Lage zusammen. Der Lufthansa-Partner United Airlines hat wegen der Coronakrise 1,7 Milliarden Dollar Verlust im ersten Quartal geschrieben.

Auch der Finanzvorstand von United, Gerry Laderman, stimmt die Analysten auf die neuen Zeiten ein: Kennzahlen wie Gewinn pro Aktie oder Dividenden seien in diesen Zeiten bedeutungslos. „Liquidität erhalten und die Cash-Burn-Rate zu minimieren – das sind die Maßzahlen, die in diesen Zeiten am wichtigsten sind“. Tatsächlich hat sich United zuletzt vier zusätzliche Milliarden Dollar Liquidität gesichert.

Milliardenverluste, Cash-Verbrennung, Staatshilfen, leere Flugzeuge – das sind die großen Themen, die die amerikanische Fluggesellschaften in diesen Corona-Zeiten beschäftigen. Insgesamt 25 Milliarden an direkten Hilfen für die Gehälter und Krediten hat die Regierung bereits zur Verfügung gestellt. Weitere 25 Milliarden Dollar in Form von günstigen Krediten könnten noch hinzukommen.

„Das ist die schwierigste Zeit für die Airline-Indsutrie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs“, meint Henry Harteveldt, Präsident der Airline-Beratung Atmosphere Research. „2020 wird als das Jahr sein, das die Fluggesellschaften so schnell wie möglich vergessen wollen“. Es gehe nur noch um die Frage wie sehr man den wirtschaftlichen Schaden limitieren kann.

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    Dabei ging es den US-Airlines eigentlich bis zur Coronakrise noch blendend. Sie hatten die großen Konsolidierungen schon hinter sich. Die Konkurrenz der Billig-Airlines hielt sich in Grenzen. Die Gewinne sprudelten. Die Benzinpreise lagen niedrig und die Wirtschaft in den USA war noch immer robust, als die Pandemie alles zum Erliegen brachte.

    United war die letzte der drei großen US-Fluggesellschaften, die ihre Ergebnisse bekannt gegeben hat. Zuvor hatten bereits American Airlines und Delta ihre Verluste veröffentlicht. Delta hat wegen des Coronavirus 534 Millionen Dollar verloren. Es war der erste Verlust seit fünf Jahren. Bei American Airlines stand ein Minus von 2,2 Milliarden Dollar unter dem Strich.

    „Noch nie zuvor hat unsere Airline, oder unsere Industrie, eine so große Herausforderung meistern müssen“ sagte Doug Parker, der seit sieben Jahren als Chairman und CEO American Airlines leitet. Selbst der Terroranschlag vom 11. September 2001, der den gesamten Flugverkehr in den USA über Tage zum Liegen brachte und Reisende auf lange Zeit verunsicherte, hatte keinen solchen Schaden angerichtet.

    Alle drei großen Airlines hatten schwere Umsatzeinbußen zu vermelden. Bei American Airlines ist der Umsatz um ein Fünftel auf 8,5 Milliarden Dollar gefallen. Bei Delta ging der Umsatz 18 Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar zurück. Bei United fiel er um 17 Prozent auf acht Milliarden Dollar.

    Die Airlines haben bereits massiv Flüge gestrichen. American Airlines wird insgesamt 80 Maschinen komplett aus dem Verkehr ziehen – früher als ursprünglich geplant. Dennoch verlieren sie derzeit jede Menge Geld.

    US-Airlines verbrennen täglich Millionen

    Wie dramatisch die Lage ist, zeigt die tägliche so genannte Cash-Burn-Rate – also wieviel Mittel bei den Airlines pro Tag abfließen. Bei American sind es derzeit 70 Millionen Dollar pro Tag. Eine Summe, die die Fluggesellschaft bis zum Juni auf 50 Millionen Dollar senken will.

    Delta verbrennt derzeit nach eigenen Angaben 100 Millionen Dollar pro Tag und will das bis Juni ebenfalls auf 50 Millionen senken. Bei United sind es derzeit 50 Millionen Dollar. Im zweiten Quartal will die Airline auf 40 bis 45 Millionen Dollar kommen.

    United geht in seiner Planung für die nächsten Monate von null Umsatz im Passagierverkehr aus. „Hoffnung ist keine Strategie. Wir wissen nicht, wann das alles enden wird“, erklärt United-CEO Kirby. „Wir planen fürs Schlimmste und hoffen auf das Beste“, sagte er.

    Sollte sich die Lage bis Oktober nicht bessern, könne United auch Entlassungen nicht mehr vermeiden. Derzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass sich die Lage kurzfristig verbessere. Aber langfristig bleibt er optimistisch. „Wir sehen zum Beispiel schon jetzt mehr Suchanfragen für den Spring Break im kommenden Jahr als vor einem Jahr um diese Zeit“, beobachtete er. „Wir sind sicher, dass das Reisen zurückkommt. Wir wissen nur nicht wann.“

    Masken und freie Mittelsitze

    In der Zwischenzeit versuchen die Fluggesellschaften das Vertrauen der wenigen verbliebenen Passagiere wieder zurückzugewinnen: Alle drei großen US-Fluggesellschaften haben bereits Maskenpflicht für ihre Flugbegleiter eingeführt und versorgen auch ihre Fluggäste mit Masken und Desinfektionsmitteln. Ab Montag, den 4. Mai, gilt bei Delta, American und United die Maskenpflicht auch für die Passagiere. Die Billig-Airlines Jet Blue und Frontier waren die ersten, die eine solche Maskenpflicht für Passagiere eingeführt haben.

    Die US-Regierung hatte die Flugbegleiter zwar seit Beginn der Pandemie aufgerufen, Atem-Masken zu tragen. Aber es war nicht obligatorisch und in den sozialen Medien machten Fotos von Flugzeugen die Runde, in denen das Personal ohne Mundschutz Getränke verteilt.

    Außerdem haben die Fluggesellschaften zum Teil die Essens- und Getränkeausnahme eingeschränkt, um den Kontakt zwischen Personal und Kunden auf ein Minimum zu begrenzen.

    United erklärte, dass es Plexiglas-Schutz an allen Check-in-Schaltern und Gates aufbauen werde. Außerdem haben sich die Boarding-Regeln geändert. Es werden nur noch wenige Passagiere auf einmal eingelassen, und das Boarding beginnt mit den hintersten Reihen.

    American, United und Delta haben außerdem angekündigt, dass sie die Mittelsitze frei lassen, um das Social Distancing besser gewährleisten zu können.

    „Heute ist es extrem wichtig, den Kunden ein Gefühl der Geborgenheit und der Sicherheit zu geben“ erklärte der American-CEO Parker im Gespräch mit Analysten die Entscheidung, den Mittelsitz zu blockieren. Er weist darauf hin, dass derzeit ohnehin 80 Prozent der Flüge mit weniger als 25 Prozent besetzten Sitzen fliegen. Wie lange diese Zusage, die Mittelsitze freizuhalten gelte, könne er nicht sagen. 

    Theoretisch wäre es auch möglich, die Mittelsitze komplett rauszunehmen. „Aber das dauert Monate und braucht Personal“, gibt der Berater Harteveldt zu bedenken. Grundsätzlich begrüßt er die neuen Schutz-Maßnahmen der Fluggesellschaften: „Gesundheit und Hygiene sind die neuen ‚On-Time-Arrivals‘, wenn es um die Bewertung von Fluggesellschaften geht“, ist Harteveldt überzeugt.

    Mehr: Der US-Konzern Boeing baut 16.000 Stellen ab. Sein europäischer Rivale Airbus setzt auf Kurzarbeit. Die Krise wollen die Konzerne aus eigener Kraft bewältigen.

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