Mr. Lufthansa: Ex-Lufthansa-Chef Jürgen Weber ist gestorben
Frankfurt. Jürgen Weber, langjähriger Chef von Lufthansa und danach Vorsitzender des Aufsichtsrats, ist am Montag gestorben. Das teilte Lufthansa am Dienstag mit. „Die heutige Lufthansa wäre ohne Jürgen Weber nicht denkbar. In seinen Jahren als Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender hat er sie geformt und geprägt“, wird der amtierende Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley in einer Erklärung des Unternehmens zitiert.
Jürgen Weber sei zu Recht „Mr. Lufthansa“ genannt worden, ergänzte Konzernchef Carsten Spohr: „Wie niemand sonst steht Jürgen Weber für die Erneuerung der Lufthansa im Rahmen der Sanierung und Privatisierung in den 90er-Jahren.“
Weber kam 1967 zur deutschen Fluggesellschaft. Er führte Lufthansa von 1991 bis 2003 als Vorstandschef. Kurz danach wechselte er in den Aufsichtsrat – den er bis 2013 leitete. Mit Blick auf seine Lebensleistung wurde Weber danach zum Ehrenaufsichtsratsvorsitzenden ernannt. Er nahm aber an den Sitzungen des Kontrollgremiums nicht mehr teil.
Weber sagte einmal über sich selbst:
Der am 17. Oktober 1941 in Lahr im Schwarzwald geborene Manager rettete Lufthansa aus einer existenzbedrohenden Krise. Lufthansa war zunächst ein reines Staatsunternehmen, wurde aber in den 1960er-Jahren Stück für Stück privatisiert.
Unter anderem der Kauf neuer Jets – damals wurde von Propellerflugzeugen auf Düsenantriebe umgestellt – ließen die Verluste allerdings immer höher steigen. Dazu kamen die hohen Ölpreise in den 70er-Jahren. Weber restrukturierte das Unternehmen schließlich und führte es aus der Krise.
Harte Verhandlungen über die Boeing 747
Dabei traf er Entscheidungen, die den Konzern bis heute prägen. Er verhandelte über den Kauf des damals revolutionären Langstreckenflugzeugs Boeing 747 mit. Langstreckenverbindungen wurden in der Folge für die breite Masse bezahlbar.
Weber soll bei den Gesprächen durchaus hart zur Sache gegangen sein. Mit dem Entwickler des Jumbo-Jets soll er so sehr aneinander geraten sein, dass dieser den Raum verließ.
Der Manager ist zudem der Vater des Luftfahrtbündnisses „Star Alliance“. Erstmals war damit den Passagieren das Reisen mit mehreren Airlines mit nur einem Ticket möglich. Die drei rivalisierenden Allianzen rund um Lufthansa, Air France-KLM und IAG (British Airways) dominieren heute den Verkehr zwischen Europa und Nordamerika.
Weber galt aber auch als jemand, der Klartext redet. Ein Thema wortreich zu umschreiben, war nicht seine Sache. Er konnte auch durchaus nachtragend sein. So betonte Weber bei seinen Erfolgen stets die Leistung der gesamten Mannschaft. Dass die Piloten dann aber in seiner Amtszeit als Chef den ersten Megastreik durchführten, hat er den Cockpitbesatzungen nie verziehen.
Bis heute wirkt seine Ära nach: Der heutige Lufthansa-Chef Spohr erlebte als Referent von Weber dessen Enttäuschung über „seine Piloten“, ebenso das beschädigte Vertrauen. Wie damals Weber fühlt sich Spohr seit Jahren von den Arbeitnehmervertretern des fliegenden Personals erpresst. Und zeigt ihnen gegenüber Härte, was immer wieder zu Streiks führt.