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QuartalszahlenDeutsche Post profitiert vom Paketboom und übertrifft eigene Erwartungen

Weil Verbraucher aus Furcht vor Infektionen die Läden des Einzelhandels meiden, transportiert die Post derzeit ein Viertel mehr Pakete als im Vorjahr.Christoph Schlautmann 05.08.2020 - 13:16 Uhr aktualisiert

Weil viele Verbraucher aus Furcht vor Infektionen die Läden des Einzelhandels mieden, ging es mit den Onlinebestellungen steil nach oben.

Foto: dpa

Düsseldorf. Sie habe der Corona-Pandemie erfolgreich getrotzt und das Betriebsergebnis voraussichtlich um 16 Prozent gesteigert, verkündete die Deutsche Post Anfang Juli überraschend in einer Ad-hoc-Meldung. Doch am Mittwoch legte der Bonner Dax-Konzern noch einmal nach: Tatsächlich sei das Ergebnis sogar um 18,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 912 Millionen Euro gestiegen, nannte Finanzchefin Melanie Kreis die endgültigen Zahlen.

Der Umsatz im Quartal habe – trotz eines Unternehmensverkaufs im Vorjahr – um 3,1 Prozent auf knapp 16 Milliarden Euro zugelegt. Selbst der operative Cashflow wuchs um fast ein Drittel auf 1,65 Milliarden Euro. „Wer solche Zahlen für uns im April vorausgesagt hätte“, sagte Kreis, „wäre damals wahrscheinlich nur auf ungläubiges Kopfschütteln gestoßen.“

Entscheidender Treiber war der Onlinehandel, der in Deutschland den Paketumsatz um 28,1 Prozent nach oben zog. Sogar im Ausland, wo die DHL-Sparte „E-Commerce Solutions“ wegen hoher Investitionen und Abschreibungen zuletzt noch im Verlustbereich arbeitete, schaffte man im zweiten Quartal eine schwarze Null.

Allein das Geschäft mit Reklamebriefen brach zwischen Januar und Juni um 199 Millionen Euro ein, konnte jedoch durch die Mitte 2019 erfolgte Portoerhöhung, die im ersten Halbjahr 2020 gut 178 Millionen Euro einbrachte, nahezu ausgeglichen werden.

Auch das Expressgeschäft des Konzerns profitierte von den Privatbestellungen, wie Kreis berichtete. Nachdem dort die zeitkritischen Sendungen zwischen Februar und April pandemiebedingt eingebrochen waren, kam das Geschäft im Mai und Juni massiv zurück – und das insbesondere in Asien. Im zweiten Quartal legte der Express-Umsatz um 6,5 Prozent zum Vorjahresquartal zu, der Betriebsgewinn (Ebit) sogar um 8,4 Prozent.

Ähnlich sah es bei der Luftfracht aus, die im zweiten Quartal weltweit unter Engpässen litt. Schließlich blieb ein Großteil der Passagiermaschinen, die üblicherweise fast die Hälfte der Frachttransporte erledigen, in den vergangenen Monaten am Boden. „Dabei waren insbesondere Transportkapazitäten für Elektronikartikel stark gefragt, die im Homeoffice benötigt wurden“, berichtete Kreis.

Auch Rivale UPS profitiert

Entsprechend profitierte die Post-Sparte „DHL Global Forwarding Freight“ von massiv gestiegenen Transportpreisen. Obwohl das Luftfrachtvolumen um 13,7 Prozent zurückging, stieg das Bruttoergebnis um 42,4 Prozent. Auf bestimmten Strecken hätten sich die Charterpreise vervierfacht, sagte die Post-Finanzchefin.

Von ähnlichen Effekten hatte zuletzt auch der Post-Rivale UPS berichtet. Der Paketriese aus Atlanta profitiert ebenfalls davon, dass die Verbraucher in der Coronakrise immer mehr Waren im Internet bestellen. So stieg bei „Big Brown“ der Umsatz im zweiten Quartal 2020 sogar um 13,4 Prozent auf 20,46 Milliarden Dollar.

Die Aktien der Deutschen Post legten zum Börsenbeginn um mehr als zwei Prozent auf über 36 Euro zu. JPMorgan-Analyst Samuel Bland bestätigte in einer ersten Reaktion auf die Zahlen seine Einstufung für die Deutsche Post, die er auf „overweight“ gesetzt hat. Auch an dem Kursziel von 40,51 Euro hielt er fest. Das endgültige Zahlenwerk zum zweiten Quartal sei moderat besser ausgefallen als das vorab bekanntgegebene.

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