Reederei CMA CGM: Wie aus einem einzigen Schiff ein Milliarden-Imperium wurde
Rodolphe Saadé, Tanya Saade Zeenny und Jacques Saadé bei der Einweihung eines Containerschiffs im Jahr 2018.
Foto: BloombergMarseille. Der „Tour CMA CGM“ glitzert im Sonnenlicht von Marseille. Der 147 Meter hohe Büroturm aus Glas und Beton, entworfen von der Stararchitektin Zaha Hadid, überragt die Metropole am Mittelmeer. In dem Gebäude sitzt die Reederei CMA CGM, die zuletzt so profitabel war wie keine andere Firma in Frankreich.
Im vergangenen Jahr machte das Familienunternehmen einen Nettogewinn von fast 25 Milliarden Dollar, mehr als die Großbank BNP Paris, der Luxusriese LVMH oder der Energiekonzern Total. Doch im Gegensatz zu anderen Schwergewichten der französischen Wirtschaft steht die drittgrößte Container-Reederei der Welt nur selten im Rampenlicht.
Diskret formt die Eigentümerfamilie Saadé, die vor vier Jahrzehnten mit einem einzigen Schiff startete, die Reederei zu einem breit positionierten Logistikkonzern um. CMA CGM investiert derzeit massiv jenseits des Kerngeschäfts in Hafenterminals, Speditionen und die Luftfracht. Mit den Fabelgewinnen dürfte es aber erst einmal wieder vorbei sein.
„Das war eine außergewöhnliche Zeit für die Containerschifffahrt“, sagte Konzernchef Rodolphe Saadé kürzlich in einem seiner seltenen Interviews, das er der französischen Wirtschaftszeitung „Les Échos“ gab. „Ab März 2020 sind wir mit der Coronakrise in eine neue Welt eingetreten.“ Die Störung des globalen Warenverkehrs habe die Preise für den Containertransport in nicht gekannte Höhen schnellen lassen.