Start-up: Holy will mit bunten Pulver-Softdrinks den Getränkemarkt erobern
Frederick Jost, Philipp Nass und Mathias Horsch (von links) bieten den Konsumenten von Energy-Drinks eine gesündere Alternative an.
Foto: HandelsblattBerlin. Ob man den Geschmack von Energy-Drinks nun belebend findet oder viel zu süß und intensiv: Für gesund hält die stark koffeinhaltigen Wachmacher in Dosen wohl niemand. Das Berliner Start-up Holy will seine verträglichere Alternative in Pulverform nun auch in die Supermärkte bringen und hat dafür über zehn Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Sogar das enthaltene Koffein soll gleichmäßiger wirken und so den Körper weniger belasten.
Angefangen hat die Geschichte von Holy mit drei Mittzwanzigern, die bei ihrem gemeinsamen Hobby nicht müde werden wollten. „Wir haben früher selbst gerne gezockt und dabei auch die herkömmlichen Energy-Getränke getrunken“, erinnert sich Frederick Jost im Gespräch mit dem Handelsblatt. Doch langes Sitzen und Getränke mit hohem Zucker- und Koffeinanteil und weiteren aufputschenden Inhaltsstoffen wie Taurin sind auf Dauer keine gesunde Kombination. Jost und seine langjährigen Freunde Philipp Nass und Mathias Horsch wollten ohnehin gemeinsam gründen und beschlossen, mit Holy „den Bad Boy der Softdrinks besser zu machen“.
In den drei Jahren seit der Gründung haben die Berliner über zehn Millionen Pulvergetränke verkauft, natürlich ohne Zuckerzusatz. Auch das Koffein in den Getränken des Unternehmens ist „mikroverkapselt“ und soll so länger und gleichmäßiger wirken. Die Investoren, die die geplante Expansion des Unternehmens mit 10,5 Millionen Euro finanzieren, sehen offenbar gute Wachstumschancen.
Energy-Drinks: Der Markt für gesündere Alternativen wächst
Denn der Markt für gesündere Freizeitgetränke wächst. Schätzungen von Straits Research zufolge beträgt der jährliche Umsatz des Softdrink-Markts mehr als 410 Milliarden US-Dollar. Experten rechnen zudem mit einem soliden Wachstum in den nächsten Jahren. Gleichzeitig nimmt das Gesundheitsbewusstsein vieler Verbraucher zu, der Trend geht zu gesünderen Getränken. Viele der marktdominierenden Softdrinks wie Coca-Cola, Fanta und Red Bull enthalten jedoch viel Zucker.
Entsprechend viele neue Anbieter für gesündere Softdrink-Alternativen wie Waterdrop und Air Up kommen auf den Markt. Vom Wachstum dieses Markts will auch Holy durch die Expansion stärker profitieren. Mitgründer Horsch sagt: „Mit dem Kapital werden wir unter anderem neue Produkte auf den Markt bringen, weiter internationalisieren und in den Einzelhandel expandieren.“
Holy will seine junge Zielgruppe mit einer auffälligen Gestaltung ansprechen.
Foto: HandelsblattGrößter neuer Investor der Finanzierungsrunde ist der Risikokapitalgeber Left Lane Capital aus New York. Bestandsinvestoren wie Foodlabs aus Berlin und Simon Capital, der Investmentarm der Bitburger-Holding, investierten erneut. Auch zwei private Investoren sind mit eingestiegen, von deren Expertise die Holy-Gründer in Zukunft profitieren wollen: Just-Spices-Gründer Bela Seebach und Benjamin Kremer, der mit seinem Start-up YFood Trinkmahlzeiten und erhitzbare Bowls anbietet.
Nächste Station: Einzelhandel
Seebach und Kremer sollen den Holy-Gründern helfen, ihre Produkte mit dem eingesammelten Geld auch in die Supermärkte zu bringen. Bisher sind die Getränkepulver nur im Onlinehandel und nur in deutschsprachigen Ländern und Frankreich erhältlich.
Den Holy-Gründern ist allerdings auch wichtig, dass das Wachstum nicht zulasten der Profitabilität geht. „Wir sind seit Jahresbeginn profitabel. Dabei soll es in den Kernmärkten auch bleiben“, sagt Horsch. Auch aufgrund der guten Zahlen sei es gelungen, Investoren zu überzeugen. Patrick Noller von Foodlabs sagte, Holy zeige, wie eine Lebensmittelmarke schnell und effizient wachsen und skalieren könne.
>> Lesen Sie auch: Picnic expandiert in den Südwesten
Wie hoch der Umsatz aktuell ist, verraten die Gründer nicht. Left-Lane-Capital-Partner Jason Fiedler traut Holy viel zu: „Wir glauben, dass das Holy-Team die führende europäische Marke für gesündere Softdrinks aufbauen kann.“ Auch Simon-Capital-Partner Friedrich Droste glaubt, dass dieser Ansatz funktioniert: „Holy kombiniert die Megatrends Nachhaltigkeit und Gesundheit, gepaart mit einer sehr jungen und viralen Markenkommunikation.“ Davon zeugen die bunten, schrillen Verpackungen im Popart-Stil mit Namen wie Apple Alligator oder Lemon Lizard.
Zusätzliche Vitamine, weniger Zucker
„Wir verwenden keinen zugesetzten Zucker, reichern unsere Getränke mit funktionalen Inhaltsstoffen wie Vitaminen an und verursachen weniger Verpackungsmüll als herkömmliche Softdrinks“, sagt Horsch, der wie seine beiden Mitgründer 28 Jahre alt ist. Jost ist klar: „Wasser trinken ist natürlich immer gesünder.“ Aber viele Menschen bevorzugten beim Trinken eben einen intensiveren Geschmack.