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Streit um Möbelhauskette Möbelriese Steinhoff verkauft Poco-Anteile für 266 Millionen Euro

Im Streit zwischen dem Steinhoff-Konzern und der Möbelkette XXXLutz um Poco-Anteile haben sich die Beteiligten schon am ersten Verhandlungstag geeinigt.
25.04.2018 Update: 25.04.2018 - 16:57 Uhr Kommentieren
Steinhoff will Poco-Anteile verkaufen Quelle: PR
Poco-Möbelhaus

Die Möbelhauskette könnte künftig vollständig zu XXXLutz gehören.

(Foto: PR)

Dortmund Am Ende ging es dann doch ganz schnell mit dem Millionen-Deal: Im Streit um Anteile an der Möbelhauskette Poco haben sich Vertreter des angeschlagenen Steinhoff-Konzerns und Andreas Seifert, Eigentümer der XXXLutz-Kette, bereits am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht Dortmund auf einen Vergleich geeinigt.

Er sieht vor, dass Steinhoff seinen 50-Prozent-Anteil an Poco für 266 Millionen Euro an den Konkurrenten Seifert veräußert. Steinhoff hatte Poco zuvor mit insgesamt 650 Millionen Euro bewertet, Seifert mit 472 Millionen.

Nach zwei Verhandlungspausen gab Poco-Senior und Firmengründer Peter Pohlmann schließlich bekannt: „Wir haben uns geeinigt wie die Pferdehändler: Wir treffen uns in der Mitte.“ Der Kaufpreis für die Hälfte der Poco-Anteile liegt nun bei 266,25 Millionen Euro – die Möbelhauskette wird damit mit rund 530 Millionen Euro bewertet.

„Bei XXXLutz ist Poco besser aufgehoben, XXXLutz hat bessere Möglichkeiten als wir“, findet Pohlmann. Seine Familienstiftung muss noch zustimmen, dann ist der als  Rahmenvertrag formulierte Vergleich und auch der Verkauf beschlossene Sache.

Es war ein glanzvolles Stelldichein am Mittwoch um 12 Uhr im Landgericht Dortmund. In einem Rechtsstreit um den von einem Bilanzskandal erschütterten Möbelriesen Steinhoff International hatten sich bis auf Ex-Chef Markus Jooste alle wichtigen Protagonisten eingefunden.

Seifert, Eigentümer der XXXLutz-Kette, hatte den Skandal mit einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg ins Rollen gebracht. Peter Pohlmann, Gründer der Poco-Möbelkette, der sein Lebenswerk an Steinhoff verkauft hatte. Und Louis du Preez, das für Rechtsstreitigkeiten zuständige Vorstandsmitglied von Steinhoff.

Um was es in dem Verfahren geht, schilderte der Vorsitzende Richter André Sußmann gleich zu Beginn der Verhandlung mit einfachen Worten: „Wem gehört die Möbelkette Poco?“

Laut Handelsregister gehört die deutsche Möbelkette mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro zu jeweils 50 Prozent dem Steinhoff-Konzern, an den die Poco-Gründerfamilie Pohlmann seine Anteile verkauft hat. Die andere Hälfte gehört Seifert. Doch der deutsche Unternehmer hatte sich Ende 2014 mit dem langjährigen Steinhoff-Chef Markus Jooste überworfen. 

Nun beschuldigen sich beide Parteien der schwerer Vertragsverletzungen und versuchen sich gegenseitig ihre Poco-Anteile streitig zu machen. Der Streit gipfelte in einer Gesellschafterversammlung von Poco am 14. April 2015, in der die Gesellschafter Seifert ausschlossen. Steinhoff konsolidierte von da an die Zahlen von Poco voll in der eigenen Bilanz.

„Die großen Emotionen sind nun raus“, sagte eine Anwältin von Steinhoff. Seit dem Ausbruch der Krise beim Konzern und dem Abgang von Jooste stehe einer gütlichen Einigung nichts im Weg.

Die Zuschauer erlebten im Saal große Teile der Verkaufsverhandlungen mit, der Richter moderierte. Sollen die Immobilien und Verkaufsflächen anders bewertet werden? Welchen Bewertungsfaktor nimmt man? Ist berücksichtigt. dass das Möbelgeschäft in den letzten Monaten insgesamt schlechter lief?

Zuvor hatte der vorsitzende Richter bereits einen möglichen Preis vorgeschlagen: Poco-Gewinn vor Steuern, multipliziert mit einem Faktor 7,2 ergäbe für die Hälfte von Poco einen Preis von 383 Millionen Euro. „Die Schulden muss man natürlich noch abziehen“, warf Andreas Seifert ein.

Der Vorteil eines Vergleich vor Gericht scheint zu sein: Die Parteien müssen sich nicht mit über 100 Banken und Hedge-Fonds auf eine Lösung einigen. Steinhoff ist in großer finanzieller Not und hält sich seit Anfang Dezember nur mit Verkäufen von Beteiligungen über Wasser. Ein gerichtlicher Vergleich würde binnen wenigen Wochen über die Bühne gehen, sofern die Kartellbehörden zustimmen.

Der Steinhoff-Konzern mit einem weltweiten Umsatz von rund 20 Milliarden Euro war Ende Dezember ins Schlingern geraten, als Wirtschaftsprüfer die Zahlen nicht mehr attestieren wollten.

Die Bilanzen, so verdichten sich nun die Anzeichen, waren aufgebläht, Umsätze wurden künstlich geschönt. Die Aktie verlor seither 95 Prozent ihres Wertes. Steinhoff ist ein internationaler Möbelkonzern und ein Konsumgüterhändler, zu dem neben Poco auch die Möbelketten Kika Leiner in Österreich und Conforama gehören.

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