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Supermarktkette Poker um den Real-Verkauf: Warum zögert der Metro-Chef?

Metro-Chef Koch hält sich beim Verkauf der Supermarkttochter bedeckt. Das Handelsblatt hat erstmals Einblick in das Angebot des Bieterkonsortiums um x+bricks bekommen.
07.05.2019 - 17:28 Uhr 1 Kommentar
Real News: Aktuelles zur Supermarktkette und  Ex-Metro-Tochter Quelle: dpa
Real-Markt

Der Handelskonzern Metro will sich von seiner Supermarktkette Real trennen und sich künftig ganz auf das Großhandelsgeschäft konzentrieren.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Wenn an diesem Mittwoch der Metro-Aufsichtsrat zusammentritt, ist das nur vordergründig eine Routineangelegenheit. Am Tag vor der Verkündung der Halbjahresbilanz schauen die Kontrolleure gemeinsam auf die Zahlen, die erneut unspektakulär ausfallen dürften.

Viel brisanter ist eine andere Sache. Die Aufseher erwarten von Metro-Chef Olaf Koch Aufklärung, warum sich der geplante Verkauf der Tochter Real immer weiter verzögert. Und welche Optionen Koch überhaupt noch bleiben, nachdem sich ein Bieter nach dem anderen verabschiedet hat.

Zwar hat sich Koch immer wieder bei einzelnen Vertretern der Anteilseigner rückversichert, aber der Aufsichtsrat als Ganzes hat über den Stand des Prozesses noch nicht beraten.

Offizielle Verhandlungen hatte Metro zuletzt nur noch mit einem Bieter geführt – einem Konsortium unter der Führung des Immobilienunternehmens x+bricks. Von den ursprünglich sechs Interessenten sind Insidern zufolge zuletzt noch der Investor Sapinda und das Immobilienunternehmen Redos ausgeschieden. Damit wäre die Gefechtslage auf den ersten Blick klar.

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    Doch entgegen allen Erwartungen hat Koch nicht verkündet, mit x+bricks in exklusive Verhandlungen zu treten. Bisher wollte Metro nicht mal bestätigen, mit wem überhaupt verhandelt wird – und sprach immer wieder nebulös von „Gesprächen“ mit mehreren Interessenten.

    Zu Details der Verhandlungen will Metro auch aktuell nicht Stellung nehmen. Es sieht fast so aus, als ob Koch in letzter Minute noch einen neuen Investor präsentieren will, dessen Existenz er bisher geschickt geheim gehalten hat. Oder als ob er doch die Rolle rückwärts machen will, den Verkauf absagt und eine erneute Sanierung in Eigenregie versucht. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sollen nun die zuvor abgebrochenen Verhandlungen mit dem Konsortium um Redos wieder aufgenommen worden sein. Sowohl Redos wie Metro wollten sich dazu nicht äußern.

    Auf dem Tisch dagegen liegt das Angebot des Konsortiums um x+bricks – und in das hat das Handelsblatt jetzt erstmals Einblick bekommen. Unter der Verhandlungsführung von x+bricks-Chef Sascha Wilhelm hat das Konsortium den gebotenen Preis zweimal nachgebessert und bietet nun eine Summe, die nur noch knapp unter jenen 900 Millionen Euro liegt, mit denen die Immobilien von Real bei Metro in den Büchern stehen. Denn 60 der 279 Real-Standorte befinden sich im Eigentum, der Rest ist angemietet.

    Die Summe für die Übernahme aufzubringen solle kein Problem sein, heißt es. Denn als Geldgeber hinter dem Konsortium steht der russische Milliardär Wladimir Jewtuschenkow. Der Private-Equity-Fonds SCP aus London, bei dem er Ankerinvestor ist, ist Partner der Bietergruppe.

    Verdi-Chef Bsirske schaltete sich ein

    Die Französin Marjorie Brabet-Friel, CEO von SCP, vertritt seine Interessen in den Verhandlungen. Jewtuschenkows Sohn Felix ist Chairman von SCP. Finanzierende Bank des Konsortiums ist Nomura. Sie soll noch weiteres Fremdkapital zur Verfügung stellen.

    Im Falle eines Abschlusses würden x+bricks und SCP den Kaufvertrag mit Metro schließen. Damit würde die Verantwortung für eventuelle kartellrechtliche Probleme und Ausgaben für Sozialpläne bei möglichen Entlassungen auf die Käufer übergehen. Metro wäre auf einen Schlag von allen Risiken entlastet – etwas, das aus Sicht der Anteilseigner nicht unwichtig wäre.

    Entscheidend für die Zukunft des Geschäfts aber wäre der zweite Schritt. Denn vertraglich an das Konsortium gebunden ist den Informationen zufolge auch die Supermarktkette Kaufland. Klaus Gehrig, Chef der Kaufland-Mutter Schwarz, hat bereits öffentlich erklärt, dass sein Unternehmen bereit wäre, mindestens 100 Standorte von Real zu übernehmen und in Kaufland-Märkte umzuwandeln – er hat aber nie gesagt, mit welchen Partnern er dies erreichen will. Tatsächlich hat er x+bricks zugesagt, im Idealfall sogar bis zu 130 Real-Märkte weiterzuführen.

    Ich bin überzeugt, dass das Konsortium für Real und die Mitarbeiter das beste Konzept für die Zukunft bietet. Fritz Oesterle, Berater des Konsortiums um x+bricks

    Teil des Konsortiums ist nach Informationen aus Verhandlungskreisen seit Kurzem auch der Einkaufsverbund Markant, der zuvor als Partner des ausgeschiedenen Bieters Sapinda im Rennen war. Von Markant selbst war dafür keine Bestätigung zu bekommen.

    Markant soll Kontakt zu Supermarktketten aus seinem Verbund herstellen, um für weitere Real-Märkte neue Betreiber zu finden. Außerdem bringt er Know-how bei der Sicherung von Einkaufskonditionen und bei Verhandlungen mit dem Kreditversicherer Euler Hermes ein.

    Auf diese Weise könnte das Konsortium nach eigener Einschätzung innerhalb kurzer Zeit rund 90 Prozent der Standorte an neue Betreiber übergeben und damit dort die Arbeitsplätze sichern. Außerdem hätten sich die Konsortialpartner geeinigt, mit Gesamtinvestitionen in Milliardenhöhe den Modernisierungsstau in den Märkten zu beheben.

    Nach diesem Szenario sind nur 20 bis 30 Standorte in der heutigen Form wohl nicht zukunftsfähig. Für sie müsste eine neue Nutzung gefunden werden. Da ein Teil davon im Eigentum ist, hätte der Käufer daran aber auch ein großes Eigeninteresse.

    Diese Versprechen dürften auch bei Metro intern einige aufhorchen lassen. Denn solch optimistische Prognosen traute sich bisher nicht mal das Real-Management selbst zu. Insidern zufolge soll es ein internes Sanierungskonzept geben, das zwar Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro vorsieht, bei dem aber zugleich rund 40 Filialen zur Disposition stehen.

    Dazu kommt: Angesichts der jahrelangen Verluste hat ohnehin kaum noch jemand Vertrauen, dass sich Real in Eigenregie sanieren könnte. Mit noch weniger Filialen und einem damit noch geringeren Einkaufsvolumen würde das umso schwieriger.

    Aktionäre erwarten den Verkauf

    Da es schließlich um rund 34.000 Arbeitsplätze geht, kämpft nicht nur der Betriebsrat für eine zukunftsfähige Lösung. Auch Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft Verdi, soll sich mehreren gut informierten Personen zufolge persönlich in den Prozess eingemischt haben. Angeblich soll er sich sogar in direkten Gesprächen über Details der Bieterkonzepte informiert haben.

    Eine Schlüsselfigur im Konsortium um x+bricks ist Fritz Oesterle, ehemaliger Chef des Arzneihändlers Celesio und Ex-Vorstand beim Metro-Großaktionär Haniel. Der 67-Jährige hat entscheidende Kontakte geknüpft – ist er doch sowohl Kommanditist beim Kaufland-Eigentümer Schwarz als auch Berater des Jewtuschenkow-Fonds SCP.

    Oesterle ist nun auch Senior Advisor des Konsortiums um x+bricks und SCP. Entsprechend wirbt er für die Vorzüge des Angebots. „Ich bin überzeugt, dass das Konsortium für Real und seine Mitarbeiter das beste Konzept für die Zukunft bietet“, sagte er dem Handelsblatt. „Es wird mehr Standorte sichern können als jeder andere Eigentümer – einschließlich der Metro selbst“, prognostiziert Oesterle.

    Offenbar herrscht auch bei den Bietern die Befürchtung, dass Metro den Verkaufsprozess noch abbrechen und erneut auf eine Sanierung in Eigenregie setzen könnte. Doch klar ist: Sollte Metro sich nicht wie versprochen komplett von Real trennen und in irgendeiner Form bei der Sanierung mit in der Verantwortung bleiben, würde das nicht nur von etlichen Anteilseignern kritisch gesehen, es wäre auch dem Aktienmarkt kaum zu vermitteln.

    Denn erst die Ankündigung des Real-Verkaufs im vergangenen September hatte den Aktienkurs von Metro nach einem langen Absturz wieder in eine stabile Aufwärtsbewegung gebracht. Hatte der Kurs im vergangenen Jahr zeitweise nur noch knapp über zehn Euro gelegen, stieg er in der Folge über die Marke von 15 Euro.

    HSBC-Analyst Andrew Porteous hat gerade erst das Kursziel von zwölf auf 13,50 Euro angehoben – jedoch unter der klaren Voraussetzung, dass Metro durch die Real-Trennung zum reinen Großhändler wird und der Verkauf unter dem Strich einen dreistelligen Millionenzufluss bringt – statt weiterer Belastungen.

    Genau das beobachtet offenbar auch Großaktionär Daniel Kretinsky. Der tschechische Milliardär verfügt über Aktienoptionen, die es ihm erlauben würden, Metro sogar komplett zu übernehmen – und von der Börse zu nehmen. Doch noch zögert er. Ein erfolgreicher Verkauf des Sorgenkinds Real würde ihm diese Entscheidung sicherlich leichter machen.

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    1 Kommentar zu "Supermarktkette: Poker um den Real-Verkauf: Warum zögert der Metro-Chef?"

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    • Es ist schon erschreckend dass wieder der Shareholder Value über das Wohl oder Wehe von tausenden Mitarbeitern entscheiden soll, erschreckend in welcher Welt wir Leben. Wenn es dem "Aktionär" nicht gefällt wird das Fallbeil gesenkt; Unglaublich!

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