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Tourismus Offizielle Corona-Warnungen für die Kreuzfahrtbranche

Die US-Regierung warnt vor einer erhöhten Ansteckungsgefahr auf Kreuzfahrten. Auch der Bundesgesundheitsminister versetzt die Reedereien in Unruhe.
10.03.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Coronavirus: Kreuzfahrtbranche erlässt offizielle Warnungen  Quelle: imago images / Jürgen Ritter
Kreuzfahrtschiff von Tui

Passagiere werden derzeit besonders scharf kontrolliert.

(Foto: imago images / Jürgen Ritter)

Düsseldorf Zumindest in den USA ist es seit Sonntag offiziell: „US-Bürger, insbesondere Reisende mit gesundheitlichen Problemen, sollten nicht mit Kreuzfahrtschiffen reisen“, warnte das Außenministerium in Washington. Die nationale Gesundheitsorganisation CDC habe festgestellt, dass es an Bord ein „erhöhtes Risiko der Coronavirus-Ansteckung von Mensch zu Mensch“ gebe.

Auch von Deutschlands Gesundheitsministerium erhalten die Ozeanriesen seit Sonntag Gegenwind. Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern sollten vorerst abgesagt werden, empfahl Jens Spahn (CDU) gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Solchen Events könnten Urlauber somit auch Kreuzfahrten zuordnen. Die Schiffe von Aida, MSC, Tui Cruises oder NCL fassen gewöhnlich weit mehr als 2.500 Gäste.

Die Reedereien gaben sich am Montag auf Anfrage verschlossen. „Aktuell haben wir kein Kreuzfahrtschiff in Deutschland stationiert, die Saison fängt erst Ende März, Anfang April an“, vermied eine Sprecherin von MSC ein klare Aussage. „Bei Kreuzfahrten handelt es sich nicht um Massenveranstaltungen“, hieß es beim Wettbewerber Tui Cruises, „Kreuzfahrten sind eine Reiseform.“ Aida ließ die Anfrage gänzlich unbeantwortet.

Scharfe Zugangskontrollen

„Die Spahn-Empfehlung auf die Kreuzfahrt zu übertragen, wäre gänzlich überinterpretiert“, wehrte auch Helge H. Grammerstorf vom Branchenverband Clia ab. Auf den Schiffen seien die Veranstaltungsteilnehmer schließlich nicht so eng aufeinander gepfercht wie etwa bei Messen oder Konzerten. Außerdem gebe es scharfe Zugangskontrollen zu den Schiffen, die Infizierte von Bord halten sollen. „Nirgendwo gibt es eine hundertprozentige Sicherheit“, sagte Grammerstorf, „aber bei uns ist sie höher als in Zügen oder Flugzeugen.“

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    Dessen ungeachtet dünnen die Kreuzfahrt-Reedereien ihre Angebote kräftig aus. So beendete Tui Cruises am Montag vorzeitig eine Reise der „Mein Schiff 6“ im thailändischen Laem Chabang – ebenso wie alle übrigen Fahrten der aktuellen Asiensaison. Die Rückreise der Gäste werde nun organisiert, hieß es in Hamburg. Die Seereise „Singapur bis Dubai“, die ab dem 18. März geplant war, sei ebenfalls gecancelt. Costa Crociere sagte am Montag eine Rundreise von Singapur aus ab. Auch Aida hat acht Kreuzfahrten gestrichen, allesamt nach Asien.

    Der weltweit zweitgrößte Kreuzfahrtkonzern, die US-Reederei Royal Caribbean, versucht es mit zusätzlicher Kulanz. Gästen der konzerneigenen Kreuzfahrtlinien „Celebrity Cruises“ und „Azamara“ erlaube man nun, bis zu 48 Stunden vor der Abfahrt zu stornieren, erklärte Vorstandschef Richard Fain am Montag.

    Gebuchte Passagiere erhielten in solchen Fällen eine Gutschrift über den vollen Fahrpreis, die auf Fahrten nach Wahl im Jahr 2020 oder 2021 eingelöst werden können. „Es ist schwierig, einen Monat oder mehr im Voraus zu erraten, welche Regionen Anlass zur Sorge wegen des Coronavirus geben könnten“, erklärte dazu der Royal-Caribbean-CEO.

    Ob dies reicht, das inzwischen unter Druck geratene Buchungsverhalten zu stabilisieren, scheint fraglich. Nach den vielen Berichten über unter Quarantäne gesetzte Kreuzfahrtschiffe, heißt es in einer Studie des Online-Reisevermittlers Urlaubspiraten, habe mehr als ein Drittel der Befragten (35 Prozent) bekundet, dass sie die Ozeandampfer vorerst meiden wollen.

    Mehrere Schiffe unter Quarantäne

    Und die Hiobsmeldungen reißen nicht ab. Erst am vergangenen Wochenende hatte es vor mehreren Kreuzfahrthäfen erneut schwere Komplikationen gegeben, weil die Behörden eine Ansteckungsgefahr durch infizierte Passagiere fürchteten. Am schwersten traf es wieder einmal die US-Reederei Princess Cruises, eine Tochter des weltweit größten Kreuzfahrtkonzerns Carnival Corporation. Seit Sonntag evakuieren Hafenarbeiter im kalifornischen Oakland deren mit 3.533 Gästen und Crewmitgliedern besetztes Schiff „Grand Princess“ mit einzelnen Booten, wofür mehrere Tage angesetzt sind. An Bord waren 21 Corona-Infektionen gemeldet worden, zwei davon unter Passagieren.

    Gleichzeitig verweigerte ein Hafen in Florida das Einlaufen des Schwesterschiffs „Regal Princess“. Der Grund: Mehrere Crewmitglieder hatten zuvor an Bord der „Grand Princess“ ihren Dienst getan.

    Schon Mitte Februar war die „Diamond Princess“, ebenfalls ein Dampfer der US-Reederei, mit 3.700 Passagieren und Crew-Mitgliedern im Hafen des japanischen Yokohama unter zweiwöchige Quarantäne gestellt worden. Einen 80-Jährigen aus Hongkong hatte man zuvor positiv getestet.

    Das Schiff erwies sich daraufhin als ein Brutkasten für das gefährliche Virus. Allein 619 Passagiere infizierten sich, sechs Menschen starben. Wären die Passagiere sofort ausgeschifft und in Krankenhäusern isoliert worden, glauben schwedische Epidemiologen, hätte die Zahl der Infizierten auf 70 begrenzt werden können.

    Vor der Küste von Malta erlebten 2.000 Kreuzfahrtgäste am Wochenende zudem eine Odyssee, ohne dass es einen nachweislich Infizierten an Bord gab. Den Passagieren der „MSC Opera“ verweigerte der Hafen von Valletta den Landgang, weil im Februar ein österreichischer Tourist an Bord war, der Anfang März positiv getestet wurde.

    Opfer der Corona-Angst werden zunehmend auch Hoteliers. Nachdem auf Teneriffa ein Haus mit knapp 1.000 Betten unter Quarantäne gestellt wurde, melden deutsche Herbergen einen rapiden Gästeschwund – auch durch die Absagen großer Messen. Durchschnittlich betrage der Buchungsrückgang 38 Prozent, meldete der Branchenverband Dehoga.

    Mehr: Das sind die Rechte von Fluggästen im Coronavirus-Fall

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