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Zeeman, Tedi, RustaAngriff der Billigketten

Discounter wie die niederländische Kette Zeeman erhöhen ihr Expansionstempo in Deutschland. Auch Tedi will sein Ladennetz massiv ausbauen. Für etablierte Händler wie etwa Tchibo wird das zur Gefahr.Georg Weishaupt 28.11.2017 - 17:34 Uhr Artikel anhören

Die niederländische Discout-Kette will ihre Läden modernisieren.

Foto: PR

Alphen aan den Rijn. Der Laden ist so, wie ihn sich Bart Karis vorstellt: Viel Licht aus modernen LED-Röhren, ein schlichter Betonfußboden und vor allem eine klare Struktur. Im Eingangsbereich steht ein Tisch mit den Angeboten des Tages. Mittendrin bilden hohe Regale mit Strümpfen und Socken das Herzstück. Rechts an den Wänden hängt Kleidung für Mädchen und Jungen, an der Rückwand findet sich Unterwäsche, weiter links Kerzen, Kissen und andere Dekoartikel.

„So wollen wir auch die Läden in Deutschland umbauen und renovieren“, kündigte Karis, CEO der Discount-Kette Zeeman, in der Firmenzentrale in Alphen aan den Rijn an. Die Bundesrepublik sei für das niederländische Familienunternehmen einer der wichtigsten Märkte. Daher geht er jetzt in die Offensive: „Wir wollen in den nächsten Jahren in Deutschland verstärkt wachsen“, sagte Karis dem Handelsblatt. So plant er, jedes Jahr zehn bis zwanzig Läden zu eröffnen, zusätzlich zu den bestehenden mehr als 190 Geschäften.

„Wir haben Deutschland in den letzten Jahren bei den Investitionen vernachlässigt“, betonte Karis. „Jetzt ist es an der Zeit, das Investitionstempo zu erhöhen.“ Er will vor allem mit Läden von mehr als 400 Quadratmetern punkten. So möchte der Unternehmensführer den Umsatz, der dieses Jahr von 650 auf 700 Millionen Euro wächst, weiter steigern und den – nicht genannten – operativen Gewinn verdoppeln.

Discounter wachsen kräftig

Karis muss sich in Deutschland gegen wachsende Konkurrenz durchsetzen. Nicht nur Aldi und Lidl mischen im Geschäft mit günstigen Textilien und Aktionsware kräftig mit. Auch die niederländische Kette Action (Gesamtumsatz: 2,7 Milliarden Euro) baut ihr Filialnetz schnell aus; ebenso der dänische Discounter Rusta, der im Mai in den deutschen Markt einstieg. Außerdem eröffnet der deutsche Marktführer Tedi, an dem Tengelmann mit 30 Prozent beteiligt ist, immer neue Läden seiner Ein-Euro-Kette.

Und dieser Boom ist noch nicht zu Ende. So konnten die sogenannten Non-Food-Discounter laut einem Verbraucher-Panel der GfK aus Nürnberg ihren Umsatz in Deutschland von Juli 2016 bis Juni 2017 um knapp 13 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro steigern. „Ich gehe davon aus, dass der Markt für Discount-Ketten und Off-Price-Konzepte in den nächsten Jahren weiter wachsen wird“, sagt Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung in München. Mit Off-Price-Konzepten meint er Ketten wie den Marken-Discounter TK Maxx. Die Amerikaner verscherbeln bekannte Labels zu günstigen Preisen. „Ein großer Teil der Mietverträge, die zurzeit in Shoppingcentern und anderen Einzelhandelsimmobilien abgeschlossen werden, entfällt auf Discount-Ketten“, weiß Stumpf.

Beispiel Zeeman: „Wir verlegen künftig mehr Läden in Lagen mit höherer Kundenfrequenz“, so Karis. So reagiert er darauf, dass sich das Geschäft in den Städten auf immer weniger, dafür aber attraktivere Standorte konzentriert. Der Grund: Es kommen weniger Käufer in die City.

Aber auch das alleine reicht nicht. „Wir müssen viel besser werden, die Kunden mit Sonderaktionen zu locken“, räumt Karis ein. „Ich habe großen Respekt, wie Lidl dies gelingt.“ Denn damit sein Verkaufskonzept, „Basis-Textilien in hoher Qualität anzubieten, aber günstig“ funktioniert, sollten die Kunden am besten zweimal wöchentlich die Filialen besuchen.

Doch die Konkurrenz ist groß. Die Billigkette Tedi, deren Umsatz auf mehr als 800 Millionen Euro geschätzt wird, wirbt in diesen Wochen zum ersten Mal im Fernsehen. Gerade hat das Unternehmen eine „große Expansionsoffensive“ angekündigt. Silvan Wohlfahrth, der ab 1. Dezember das Unternehmen führt, will „den rasanten Wachstumskurs fortsetzen und die Internationalisierung vorantreiben“. Das Netz soll von 1.600 auf über 5.000 Filialen wachsen.

Gleichzeitig treiben andere Konkurrenten im Discount-Markt wie Primark ihre Expansion in Deutschland voran. So will der Konzern in den nächsten zwei Jahren neun neue Filialen eröffnen, unter anderem in Berlin, Bonn, Ingolstadt, Kiel, München und Stuttgart – zusätzlich zu den bestehenden 20 Kaufhäusern.

Außerdem rüstet Primark seine Filialen mit kostenlosem Internetzugang, Handy-Ladestationen, Sitzecken und großen Sammelumkleidekabinen aus. Die Iren wollen, so ist zu hören, künftig auch Cafés in einzelnen Textilhäusern testen.

So etwas kommt für den Zeeman-Chef nicht infrage. „Wir wollen unser Geschäft möglichst einfach halten.“ Er hält auch nichts davon, in wichtigen Märkten wie Deutschland eigene Logistikzentren zu unterhalten. Er beliefert lieber alle Läden von einem riesigen Lager in Alphen aus. Zukünftig soll die Ware auch direkt aus den Überseecontainern in Holland auf Laster verladen und an die Läden geliefert werden. Das riesige Zentrallager würde dann überflüssig.

Der Kostendruck in der Branche ist hoch. So stellt Tedi seine neue Kette Black.de schon wieder ein. Offensichtlich grenzte sich das etwas hochpreisigere Modell zu wenig von den üblichen Tedi-Läden ab. Stattdessen will Tedi jetzt „die elementaren Bausteine des Konzeptes“ in den anderen Geschäften übernehmen.

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Weniger Tchibo-Filialen

Auch für andere wird das Geschäft schwieriger. „Der große Erfolg der Discounter bringt die untere Mitte des Einzelhandels stark unter Druck“, beobachtet Experte Stumpf von der BBE Handelsberatung. Immer mehr Kunden shoppen billig. „Die Zahl der Kunden, die gerne bei einem Discounter wie Adler, Takko oder Kik einkaufen, liegt bei 34 Prozent“, hat Stumpf ermittelt.

Das trifft Unternehmen wie Tchibo. Ein Sprecher der Hamburger Kaffee-Kette räumt ein, dass die Zahl der Filialen in Deutschland „leicht sinkt“. „Wir bieten Fachhandelsqualität zu einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis“, grenzt er sich gegenüber den Billigheimern ab. Die Passform sowie die Qualität und „insbesondere die Nachhaltigkeit sind für uns entscheidend“, sagt der Sprecher.

Doch mit Qualität zu günstigen Preisen wirbt auch Zeeman-Chef Karis. Wie bestellt ist gerade ein Prüfer des Tüv Rheinland im holländischen Vorzeigeladen. Der sucht 150 Produkte aus, die er ins Labor schickt, um sie eingehend zu untersuchen.

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