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AirbusNach historischem Rückruf – Neuer Rückschlag für Flugzeugbauer

Erst Mangel bei der Software, jetzt Mangel in der Produktion. Nach dem Rückruf tausender Flugzeuge wegen einer Software-Umstellung steht Airbus erneut im Fokus – die Aktie reagiert deutlich. 01.12.2025 - 15:50 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Airbus A320neo: Die Software wurde erneuert, jetzt hakt es in der Produktion. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Paris. Erneute Probleme bei Airbus. Laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters kämpft der Flugzeugbauer nun mit Qualitätsmängeln in der Produktion. Schon zuvor musste Airbus Softwareprobleme bei tausenden bereits ausgelieferten A320-Flugzeugen beheben.

Diesmal gehe es um mangelhafte Rumpfteile bei mehreren Dutzend A320-Maschinen, die sich noch in Produktion befänden. Anzeichen dafür, dass auch bereits ausgelieferte Flugzeuge betroffen seien, gebe es nicht. Airbus bestätigte auf Anfrage die Qualitätsmängel bei einer „limitierten Zahl von Panelen für die A320“. Die Quelle sei identifiziert, die neu produzierten Panele würden allen Anforderungen entsprechen. Die Aktie des Dax-Unternehmens verlor am Montag wegen der Meldung über die Mängel bis zu mehr als fünf Prozent.

Die Produktionsprobleme stellen einen weiteren Rückschlag für das Unternehmen dar. Denn erst am Morgen machte es den Anschein, das Unternehmen habe sich von der Rückrufaktion erholt und das Gesicht gewahrt. Der europäische Flugzeughersteller hatte eine Software-Umstellung bei rund 6000 Flugzeugen seiner A320-Familie nach eigenen Angaben schneller als erwartet abgeschlossen. Befürchtete massive Flugausfälle konnten damit am Wochenende abgewendet werden.

Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, normalisierte sich der Betrieb bei den meisten Fluggesellschaften wieder. „Von 6000 potenziell betroffenen Flugzeugen hat der Großteil die nötigen Anpassungen erhalten“, informierte Airbus. Am Montagmorgen arbeitete das Unternehmen mit den Fluglinien nach eigenen Angaben noch an 100 Flugzeugen, „damit sie wieder zurück in den Betrieb“ gehen könnten.

Nötig wurde der Schritt, nachdem es bei einem Jetblue-Flug am 30. Oktober zu einem unbeabsichtigten Höhenverlust gekommen war, bei dem zehn Passagiere verletzt wurden. Der Dax-Konzern und die europäische Luftfahrtbehörde EASA hatten daraufhin die Airlines am Freitagabend zu dem Update aufgefordert.

Leichte Einschränkungen beim Flugverkehr

Zwar kam es durch die Reparaturen am Wochenende zu Störungen, Insidern zufolge wurde der Flugverkehr jedoch nur leicht eingeschränkt. Demnach mussten etwa zwei Drittel der betroffenen Flugzeuge nur kurzzeitig am Boden bleiben. Möglich war das wohl auch, weil keine neue Software entwickelt werden musste. Es reichte, die Vorgängerversion aufzuspielen.

Bei Lufthansa musste nach Angaben des Unternehmens kein Flug gestrichen werden. Easyjet berichtete, dass das Update bereits zum größten Teil am Samstag aufgespielt wurde, der Flugbetrieb laufe planmäßig. Air France musste zwar am Freitag 35 Flüge aus dem Programm nehmen, konnte das Systemupdate aber ebenfalls weitgehend am Samstag durchführen. Bei British Airways mussten nur drei Flugzeuge mit der angepassten Software versorgt werden.

Die US-Fluggesellschaft Jetblue strich nach eigenen Angaben Dutzende für Sonntag geplante Flüge. In Japan fielen bei ANA am Samstag 95 Flüge aus, wovon 13.500 Reisende betroffen waren. Die Warnung traf Fluggesellschaften in den USA zudem mitten am reiseintensiven Wochenende nach dem Feiertag Thanksgiving. Einige Airlines nahmen schon ab Freitagabend das Software-Update vor, mit dem sich das Problem beheben ließ. Viele Flugreisende, die auf eine A320-Maschine gebucht waren, bekamen von der kurzfristigen Aktion also kaum etwas mit.

Sonneneinstrahlung könnte Daten beschädigt haben

Als mögliche Ursache für den ursprünglichen Vorfall gilt intensive Sonneneinstrahlung. Wie Airbus mitteilte, könnte starke Strahlung Daten beschädigt haben, die für die Steuerung wichtig sind. Die Computersysteme in Flugzeugen müssen sehr starker kosmischer Strahlung standhalten. Diese kann dazu führen, dass fehlerhafte Schaltungen ausgelöst werden.

Die Software steuert üblicherweise gegen und schützt gegen solche Fehlschaltungen. In dem jüngsten Update sorgte jedoch offenbar ein Fehler für eine Lücke im Schutzsystem bei der Steuerung des Höhenruders. Das löste bei dem Flug von Jetblue den plötzlichen Höhenverlust aus.

In dem Schreiben der europäischen Aufsicht EASA an die Fluggesellschaften, das dem Handelsblatt vorliegt, heißt es, dass das Problem auf das Flugsystem Elac B (Elevator and Aileron Computer) in Kombination mit der Software L104 zurückgeht. Elac wird vom französischen Unternehmen Thales hergestellt und ist ein zentrales Steuerungsmodul. Der Zeitung „Le Figaro“ teilte Thales mit, dass das System „vollständig konform mit den von Airbus herausgegebenen technischen Spezifikationen“ und seit März 2001 im Einsatz sei.

Der Vorgang zeigt, dass das Sicherheitssystem in der Luftfahrt funktioniert, auch wenn es nach der Pandemie und der dadurch ausgelösten schweren Krise immer noch personelle Engpässe gibt – bei Behörden, bei den Airlines oder auch bei den Fluglotsen. Airbus hatte den Vorgang bei Jetblue zügig untersucht, den Fehler entdeckt und umgehend die betroffenen Fluggesellschaften und die Aufsichtsbehörden informiert.

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Auf der Plattform X entschuldigte sich Airbus-Chef Guillaume Faury am Samstag bei betroffenen Airlines und Passagieren. Der französische Verkehrsminister Philippe Tabarot betonte am Sonntag, dass der Rückruf „jegliches Risiko für die Passagiere“ ausschließen sollte. Airbus und die zuständigen Behörden hätten sich daher für „Transparenz“ und diese „präventive Maßnahme“ entschieden.

Laut Airbus sind gegenwärtig rund 11.300 Flugzeuge der verkaufsstarken A320-Familie im Einsatz, darunter 6440 des Kernmodells A320. Die Modellreihe gilt inzwischen als das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt – knapp vor der 737 des US-Erzrivalen Boeing.

rtr, fh, dpa, jkn
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