Airline: Ryanairs Streit mit Flugportalen schmälert den Gewinn
Dublin. Die Kampagne des Billigfliegers Ryanair gegen Online-Reisebüros hat Spuren im Ergebnis von Europas größter Airline hinterlassen. Ryanair-Chef Michael O'Leary kritisiert schon seit Jahren, dass die Buchungsportale auf die Flüge ungerechtfertigte Aufschläge kassierten und nennt sie deshalb nur noch „die Piraten“. Einige Portale stoppten Anfang Dezember die Vermittlung von Ryanair-Flügen in Reaktion auf Gerichtsverfahren der Airline gegen sie.
Das dämpfte die Ticketpreise im dritten Quartal des bis Ende März laufenden Geschäftsjahres 2023/24, erklärte die Airline am Montag. Die Abkehr der Portale käme Ryanair nur recht. Die Auswirkungen davon ließen bereits nach, erklärte Finanzchef Neil Sorahan.
Den Verkaufsstopp durch Anbieter wie Booking.com hatte die Billigairline im Dezember erst nach ein, zwei Wochen bemerkt, erklärte O'Leary. Ryanair setzte bislang zehn bis 15 Prozent der Tickets über Online-Portale ab. Ryanair geht davon aus, dass sich mit der Mehrheit der Online-Verkäufe eine Einigung finden lasse, wohl aber nicht mit Booking.com.
Knappes Angebot treibt Ticketpreise
Ryanair stutzte das obere Ende der Gewinnprognose für das Gesamtjahr um 100 Millionen Euro auf 1,95 Milliarden Euro. Das wäre aber noch immer ein Rekord deutlich über dem bisherigen Bestwert von 2018 in Höhe von 1,45 Milliarden Euro.
Die nach Passagierzahl größte Fluggesellschaft Europas beförderte von Oktober bis Dezember gut 41 Millionen Passagiere, sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz wuchs um 17 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Der Ticketpreis war mit 42 Euro im Schnitt 13 Prozent höher als im Schlussquartal 2022.
Der Nettogewinn brach ein auf 15 Millionen Euro im Vergleich zu einem Rekordergebnis von 211 Millionen Euro vor Jahresfrist, als Ryanair von einem besonders starken Weihnachtsgeschäft profitiert hatte. Analysten hatten mit 49 Millionen Euro gerechnet. Doch der Krach mit den Portalen kostete Ryanair einen Prozentpunkt an Auslastung. Auch gestiegene Kosten für Personal und Treibstoff schlugen zu Buche.
Der Billigflieger gehört dennoch zu den profitabelsten Airlines: Zehn Euro Gewinn pro Passagier sieht Konzernchef O'Leary als Minimum. Für die kommenden Jahre peile er mit seinen preisgünstigen Direktflügen bis zu 14 Euro pro Passagier an - fast soviel wie die Lufthansa mit ihren meist deutlich teureren Langstreckenflügen pro Passagier verdient.
Für den Sommer sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary höhere Ticketpreise voraus, da das Angebot in Europa wegen Triebwerks-Wartungen bei Airbus A320-Flugzeugen knapp ist. Die Kapazitäten auf Kurzstrecken in Europa erwartet Ryanair sogar etwas unter Vorjahresniveau. Das Problem mit den Triebwerken von Pratt & Whitney betrifft vor allem den Ryanair-Billigrivalen Wizz Air mit seiner Airbus-Flotte. Ryanair hat eine reine Boeing-Flotte und wartet schon länger auf etliche neue Flugzeuge.
Das jüngste Debakel um die Boeing 737-9 könnte letztlich ein Vorteil für die Iren sein. O'Leary sagte, sollten andere Airlines jetzt vom Kauf der größeren 737 MAX-10 zurücktreten, übernähme er sie gerne. United Airlines, die viele MAX-9 nach einer Notlandung bei Alaska Airlines wegen eines herausgeflogenen Kabinenteils wochenlang am Boden lassen musste, stellte jüngst einen Großauftrag für die MAX-10 in Frage. Insidern zufolge ist United im Gespräch mit Airbus über zusätzliche Exemplare des MAX-Konkurrenzprodukts A321 NEO, weil sich die Auslieferung der MAX-10 weiter verzögern könnte.