Autoindustrie: Mobilitätsmesse IAA wird chinesischer – Wieder Proteste erwartet
Unter den diesjährigen ausländischen Ausstellern auf der IAA sind der chinesische Autobauer BYD, der Tech-Gigant Google und die Elektronikriesen LG und Samsung.
Foto: REUTERSHamburg. Die IAA stemmt sich mit einer Ausweitung der Mobilitätsthemen gegen ihren Bedeutungsschwund als klassische Automesse und wird zugleich chinesischer. Es gehe nicht mehr um ein einzelnes Verkehrsmittel, sondern darum, die Vielzahl der Mobilitätsangebote vom Auto über Busse und Bahnen bis hin zu Fahrrädern, Mobilitätsdiensten und E-Scootern zu verknüpfen, sagte VDA-Chefin Hildegard Müller am Donnerstag bei einer im Internet übertragenen Pressekonferenz.
Begleitet wird das Messeprogramm von Veranstaltungen wie dem IAA Summit und der IAA Conference, auf denen Vertreter großer Konzerne aus den Bereichen Mobilität, der Chipindustrie und Web-Technologie sprechen werden.
Die Liste der Eingeladenen auf der IAA in München reicht von den Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW, Oliver Blume, Ola Källenius und Oliver Zipse über Bahn-Chef Richard Lutz, Lufthansa-Boss Carsten Spohr bis hin zu den Chefs der Cloudsparte AWS von Amazon, Wendy Bauer, und des US-Chipherstellers Qualcomm, Cristiano Amon.
Eröffnet wird die Messe in München am 5. September von Bundeskanzler Olaf Scholz. Auch dieses Mal werden zahlreiche Veranstaltungen im Stadtgebiet abgehalten; Besucher können E-Autos und Elektro-Fahrräder testen und an Diskussionsforen zum Klimaschutz teilnehmen.
Die Veranstalter rechnen auch diesmal mit Protesten von Klimaaktivisten und wappnen sich mit einem Sicherheitskonzept. VDA-Chefin Müller bekräftigte zugleich die Bereitschaft zum Dialog mit den IAA-Kritikern. „Blockade ist nicht der richtige Weg.“ Man müsse miteinander sprechen, es gehe darum, große Lösungen für Verkehrsthemen zu erarbeiten. „Niemand kann sagen, er hat diese Lösungen der Zukunft schon“, betonte Müller.
Zahl der Hersteller aus China doppelt so hoch wie 2021
Da mehrere Autobauer ihre Neuigkeiten inzwischen auf Hausmessen oder im Internet im Vorfeld der IAA zeigen und ihre Ausstellungsfläche auf der Messe selbst verkleinern oder Stände ganz absagen, verweist der Verband der Automobilindustrie (VDA) auf ein gestiegenes Interesse aus Übersee. Der Anteil ausländischer Aussteller sei um 17 Prozentpunkte auf 50 Prozent gestiegen, teilte Müller mit.
Darunter ist der chinesische Autobauer BYD, der Tech-Gigant Google und die Elektronikriesen LG und Samsung. Die Länder mit den meisten Ausstellern seien Deutschland, China, USA, Österreich, Südkorea und Frankreich. 41 Prozent der Aussteller kämen aus Asien, insbesondere aus China. Die Zahl der chinesischen Hersteller sei mehr als doppelt so hoch als bei der IAA vor zwei Jahren.
Müller rechnet damit, dass die Messe vor dem Hintergrund der Bemühungen, die Abhängigkeit von China zu verringern, politischer wird. Zur Sprache kommen dürften die Themen rund um Rohstoffe, Chips und die zunehmende Bedeutung chinesischer E-Autobauer auch auf der chinesischen Messe für Elektromobilität, dem World New Energy Vehicle Congress (WNEVC), die im Rahmen der IAA Mobility erstmals außerhalb der Volksrepublik stattfindet. Damit werde ein wichtiges Zeichen gesetzt, sagte Müller. China sei der bei weitem größte Markt für nachhaltige Mobilitätslösungen.
Während sich die Branche bisher auf Tesla konzentriert habe, sei es nun an der Zeit, sich auf die künftige Konkurrenz durch chinesische Importe vorzubereiten, teilte die Unternehmensberatung Alix Partners mit. Mehrere Automarken aus dem Reich der Mitte verkaufen bereits E-Autos in Europa und setzen der heimischen Konkurrenz zu.