Autoindustrie: Waymos autonome Taxis sind Menschen häufig überlegen
San Francisco. Die Geschichte des selbstfahrenden Autos war bislang vor allem eine der Ankündigungen und enttäuschten Erwartungen. Der Durchbruch stand nicht nur bei Elon Musks Tesla angeblich immer wieder kurz bevor. Doch die Realität des Straßenverkehrs stellte sich letztlich stets als zu komplex heraus, als dass ein Computer sie zuverlässig genug simulieren könnte.
Ausgerechnet in San Francisco, einer dicht besiedelten Stadt mit steilen Hügeln, Straßenbahnen und Nebelproblem, zeigt sich indes, dass ein KI-Chauffeur kein Traum bleiben muss. Die Alphabet-Tochter Waymo hat dort in diesem Sommer den Testbetrieb hinter sich gelassen und wirbt mit über 500 selbstfahrenden Elektrotaxis selbstbewusst um Kundschaft.
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Die Jaguar-Limousinen des Google-Schwesterunternehmens bewegen sich mittlerweile so geschmeidig durch den Stadtverkehr, dass sie in der Regel nur noch Touristen auffallen.
Der Computer entscheidet eigenständig, wann er bremst, beschleunigt, hupt oder das Lenkrad dreht. Neigt sich die Batterieladung ihrem Ende zu, fahren die Waymos zu einem Depot im Süden der Stadt, in dem sie eine freie Ladesäule ansteuern. Nur den Stecker müssen noch echte Menschen in die Säule stecken.
Für die Qualität des elektronischen „Waymo Driver“ spricht: Ihm geht die übertrieben-ruckelige Vorsicht anderer Autopiloten ab. Ein Durchbruch in der Entwicklung war die Entscheidung der Ingenieure, dass sich ihr System selbstbewusst im Verkehr durchsetzen müsse. Wie ein Mensch eben.
Als David Margines, Direktor des Produktmanagements, vor sechs Jahren bei Waymo anfing, erwartete er einen zähen Kampf mit ungewissem Ausgang. „Nun kann keiner mehr bestreiten, dass das selbstfahrende Auto real ist“, sagt er.
Schwere Unfälle, wie Tesla oder die General-Motors-Tochter Cruise sie bereits erlebten, blieben dem Unternehmen bislang erspart. Statistisch gesehen ist der Waymo Driver Menschen bereits in mehrerlei Hinsicht überlegen.
In San Francisco, Waymos wichtigstem Standort, steht der Service seit Ende Juni nicht mehr nur ausgewählten Probekunden, sondern jedem zur Verfügung, der eine US-Kreditkartennummer angeben kann. In Atlanta, Austin und Los Angeles hat die Expansion gerade begonnen.
Dann heißt es bald wahrscheinlich auch in New York: einsteigen und auf „Start Ride“ tippen.