Baustoffbranche: Anleger feiern die Aufspaltung des Zementriesen Holcim
Zürich. Der Coup ist gelungen: Am Sonntag hat Holcim-Chef Jan Jenisch überraschend bekannt gegeben, dass das Nordamerikageschäft des Baustoffriesen separat an die Börse gehen soll.
Am Montag waren die Holcim-Aktien daraufhin stark gefragt: Sie legten an der Börse in Zürich zwischenzeitlich mehr als fünf Prozent auf 68,50 Franken zu.
Aktionäre können nach Ansicht des Konzernchefs darauf hoffen, dass beide Konzernteile getrennt mehr wert sind. Das Nordamerikageschäft allein könnte mit bis zu 30 Milliarden Dollar bewertet werden, wenn es wie geplant Anfang 2025 sein Debüt an der Wall Street begeht, wie Jenisch am Montag bestätigte. Aktuell ist der gesamte Konzern umgerechnet rund 45 Milliarden Dollar wert.
Für Holcim ist es der größte Deal seit der Fusion mit dem Konkurrenten Lafarge im Jahr 2015. „Das Nordamerikageschäft ist zu groß geworden, um es als Tochterfirma weiterzuführen“, begründete Jenisch den Schritt.
Der langjährige Konzernchef hatte das US-Geschäft zuletzt mit zahlreichen Zukäufen gestärkt. 2021 hatte Holcim etwa die auf den Bau von Flachdächern spezialisierte Firma Firestone für rund 3,4 Milliarden Dollar übernommen.
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Firestone hat beispielsweise die Dachkonstruktion der Firmenzentrale von Apple in Cupertino gebaut – die Tochterfirma ist von zentraler Bedeutung für die Wachstumsstrategie in den USA. „Wir beobachten eine Reindustrialisierung der USA“, so Jenisch. „Viele Firmen bauen ihre Produktion neu auf – und dafür benötigen sie Holcim.“
Holcim-Chef kündigt Aktienrückkäufe an
Hinzu komme die Erneuerung der US-Infrastruktur mit Milliardeninvestitionen etwa in marode Brücken oder Highways, von denen Holcim als größter Zementhersteller im Land profitieren will. Ziel sei es, bis 2030 20 Milliarden Dollar Umsatz und fünf Milliarden Dollar Vorsteuergewinn (Ebit) zu erzielen.
Aktionäre können jedoch schon früher auf Ausschüttungen hoffen: Jenisch kündigte Aktienrückkäufe an, mit denen er die Abspaltung unterstützen wolle. „Ich bin ein sehr großer Freund nicht nur von Dividenden, sondern auch von Aktienrückkäufen“, betonte der Manager.
Kapitalerhöhungen seien in absehbarerer Zukunft dagegen nicht geplant, weder für die Nordamerikasparte noch für den übrigen Teil des Konzerns, wie Jenisch versichert. Das Unternehmen sei so profitabel wie nie in seiner Geschichte, zudem sei die Verschuldung gering. Jenisch hatte 2022 das Indiengeschäft von Holcim für rund zehn Milliarden Dollar an die Adani-Gruppe verkauft und mit den Einnahmen den Konzern weitgehend entschuldet.
Für den seit 2017 amtierenden Holcim-Chef ist die Aufspaltung der Höhepunkt des von ihm vorangetriebenen Konzernumbaus des Zementriesen. Jenisch selbst tritt im Mai von dem Posten zurück, den er zuletzt parallel zum Amt des Verwaltungsratspräsidenten innehatte.
Doch er bleibt der starke Mann bei Holcim: Als Präsident des Verwaltungsrats treibt er federführend das wichtigste strategische Projekt, die Abspaltung des Nordamerikageschäfts, selbst voran. Den geschrumpften Baukonzern führt künftig Miljan Gutovic.
Jenisch kennt Gutovic, seit er Chef bei Sika war. Er holte den Manager 2018 zu Holcim und baute ihn als seinen Nachfolger auf.