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BiotechunternehmenZielgerichtete Tumorbekämpfung: Rekordfinanzierung für deutschen Krebsspezialisten

Investoren aus den USA, Israel und Europa geben Emergence Therapeutics in einer Erstrundenfinanzierung 87 Millionen Euro. Das Biotech-Unternehmen hat große Visionen.Maike Telgheder 07.12.2021 - 08:17 Uhr Artikel anhören

Illustration der Behandlung von Brustkrebs mit einem Antikörper-Medikament.

Foto: picture-alliance / medicalpictur

Frankfurt. Das Duisburger Biotechunternehmen Emergence Therapeutics hat bei der bisher größten deutschen Biotech-Erstrundenfinanzierung in diesem Jahr insgesamt 87 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld der sogenannten Series A kommt von internationalen und bestehenden Investoren und wird von Pontifax Venture Capital aus Israel angeführt.

Emergence Therapeutics will mit dem Geld die klinischen Studien für sein führendes Produkt namens ETx-22 starten. Dabei handelt es sich um ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, mit dem gezielt Tumore angegriffen werden sollen. Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (Antibody-Drug-Conjugates, ADC) gehören zu den vielversprechendsten Forschungsfeldern in der Bekämpfung von Krebs.

Dabei sorgen die Antikörper dafür, dass das Zellgift direkt zum Tumor gebracht wird. So soll eine zielgerichtete Zerstörung der Krebszellen ermöglicht werden, die idealerweise auch mit weniger Nebenwirkungen als eine im ganzen Körper wirkende Chemotherapie einhergeht.

Weltweit forschen viele Pharma- und Biotechunternehmen auf diesem Gebiet. Zu den Pionieren zählt das US-Biotechunternehmen Seagen, das bereits einige ADC entwickelt hat. Aber auch große Pharmakonzerne wie etwa Roche und Daiichi Sankyo sind hier aktiv. Roche hat seit 2014 das ADC Kadzyla gegen fortgeschrittenen oder metastasierenden Brustkrebs auf dem Markt, Daichi Sankyo seit diesem Jahr das Medikament Enhertu, ebenfalls gegen inoperablen und metastasierenden Brustkrebs.

Emergence Therapeutics greift auf die Forschungen des Immunonkologen Daniel Olive, Leiter des Cancer Research Center in Marseille, zurück. Dort wurde unter anderem entdeckt, dass das Protein Nectin-4 bei vielen Krebserkrankungen auf der Oberfläche des Tumors exprimiert ist. Somit kann es ein Angriffsziel für einen speziell darauf ausgerichteten Antikörper sein, der am Institut entwickelt wurde.

Die französische Venture-Capital-Gesellschaft Kurma Partners sah diesen Ansatz als so vielversprechend an, dass sie in Zusammenarbeit mit Olive Ende 2019 die Biotechfirma Emergence Therapeutics in Duisburg aus der Taufe hob, die den Nectin-4-ADC entwickelte.

Als Gründungsinvestoren gewann Kurma Partners auch den Hightech-Gründerfonds, die NRW Bank, den Gründerfonds Ruhr und die französische Investmentbank Bpifrance. Als CEO wurde der Niederländer Jack Elands, ein erfahrener Biotechmanager an Bord geholt.

Weltweiter Wettbewerb

Peter Neubeck von Kurma Partners, der Emergence Therapeutics maßgeblich mit aufgebaut hat, sieht trotz weltweit großen Wettbewerbs bei der Erforschung von Krebsmedikamenten gute Chancen für den Hauptkandidaten von Emergence: „Nectin-4 ist bei vielen Tumorarten exprimiert, die schwierig zu behandeln sind, also etwa metastasierender Brustkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Eierstockkrebs. Hier gibt es noch einen hohen Bedarf an Therapeutika“, sagt Neubeck.

Die Daten aus den Tierversuchen zu dem Nectin-4-ADC waren aus Sicht verschiedener internationaler Investoren jedenfalls so vielversprechend, dass sie bei Emergence eingestiegen sind: Neben Leadinvestor Pontifax konnten noch die US-Investoren RA Capital Management, Orbimed Advisors, Surveyor Capital und Hadean Ventures als neue Investoren gewonnen werden, auch die bestehenden Investoren beteiligten sich erneut. Die laut CEO Elands „signifikant überzeichnete Finanzierungsrunde“ gibt dem Biotechunternehmen nun die Möglichkeit, das führende Projekt bis zum Wirksamkeitsnachweis (Proof of Concept) in klinischen Studien am Menschen zu erforschen.

In der Biotechbranche setzt sich mit der Emergence-Finanzierung der Trend zu immer größeren Runden fort. Laut Statistik des Branchenverbandes Bio Deutschland ist diese Runde mit Abstand die größte Series-A-Runde der Biotechbranche.

Die bisherigen höchsten Erstfinanzierungen sammelten das Laborkäse-Start-up Formo (umgerechnet rund 42 Millionen Euro) und das Essener Biotechunternehmen Abalos Therapeutics (insgesamt 43 Millionen Euro) ein, das eine neue Immuntherapie gegen Krebs entwickelt.

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