Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Covid-19 Begehrte Impfstoffe: Großbritannien dealt offenbar mit Sanofi und Glaxo-Smithkline

Die britische Regierung verhandelt laut Berichten über ein Lieferabkommen für potenzielle Corona-Impfstoffe. Das verstärkt den Trend zu einzelstaatlichen Arzneimittel-Deals.
06.07.2020 - 18:03 Uhr Kommentieren
Die britische Regierung sichert sich den Zugriff auf Impfstoffkandidaten. Quelle: AFP
Nahaufnahme des Coronavirus SARS-CoV-2

Die britische Regierung sichert sich den Zugriff auf Impfstoffkandidaten.

(Foto: AFP)

Frankfurt, London Nicht nur mit Blick auf Medikamente, sondern auch für die Versorgung mit potenziellen Impfstoffen gegen Covid-19 verstärken Regierungen rund um den Globus den Wettbewerb um Produktionskapazitäten.

So steht Großbritannien einem Zeitungsbericht zufolge jetzt kurz vor Abschluss eines Kaufvertrags für den Erwerb von 60 Millionen Einheiten eines Covid-19-Impfstoffs, an dem die Pharmariesen Sanofi und Glaxo-Smithkline (GSK) arbeiten. Der Deal hat demnach ein Gesamtvolumen von 550 Millionen Euro.

Das britische Wirtschaftsministerium wollte die Meldung nicht ausführlich kommentieren. „Unsere Taskforce arbeitet aktiv mit einer Vielzahl von Unternehmen in Großbritannien und im Ausland zusammen, um den Zugang zu Impfstoffen zu sichern“, erklärte ein Regierungssprecher auf Anfrage. Man werde sich zu Details aber erst äußern, wenn diese Vereinbarungen in trockenen Tüchern seien.

Der Vertrag mit Sanofi und GSK wäre ein weiterer Beleg für die intensiven Bemühungen staatlicher Stellen, sich frühzeitig Impfstofflieferungen zu sichern – auch wenn bisher noch völlig unklar ist, ob und welche Impfstoffe gegen das Coronavirus wirksam sind.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    So hatten etwa Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande vor Kurzem die Lieferung von 400 Millionen Einheiten eines Impfstoffs vertraglich vereinbart, an dem die Universität Oxford in Kooperation mit dem Pharmakonzern Astra-Zeneca arbeitet. Auch Großbritannien ist mit dem britisch-schwedischen Unternehmen Astra-Zeneca im Geschäft. Der kooperative Impfstoffkandidat gehört zu den wenigen, die bereits in größerem Stil getestet werden.

    Die US-Regierung hat sich in mehreren Deals ebenfalls bereits Zugriff auf Hunderte Millionen Impfstoff-Einheiten gesichert. Unter anderem setzt sie dabei auf den Gesundheitskonzern Johnson & Johnson, die Biotechfirma Moderna und ebenfalls auf das Duo Oxford University/Astra-Zeneca.

    Auch die geplante Beteiligung des Bundes an dem Tübinger Impfstoffentwickler Curevac dürfte unter anderem dem strategischen Ziel dienen, potenzielle Lieferungen von Corona-Impfstoffen zu sichern. Die Bundesregierung will über die Kreditanstalt für Wiederaufbau 300 Millionen investieren.

    Erste Versuche im Oktober

    Das Tübinger Unternehmen, das vor wenigen Tagen die Genehmigung für erste Tests mit seinem auf RNA basierenden Impfstoffkandidaten erhielt, hat am Montag darüber hinaus einen Kredit in Höhe von 75 Millionen Euro der Europäischen Investitionsbank (EIB) erhalten.

    Die Impfstoffprojekte im Bereich Covid-19 befinden sich dabei fast durchweg in der Anfangsphase der klinischen Tests oder noch in präklinischen Entwicklungsphasen. Für den Produktkandidaten von Sanofi und GSK sollen die ersten Versuche an Menschen erst im Oktober anlaufen. Ähnlich wie eine Reihe anderer Hersteller signalisieren die beiden Unternehmen trotzdem Zuversicht, dass eine Zulassung im ersten Halbjahr 2021 erfolgen könnte. Moderna sowie die Kombination aus Pfizer und Biontech wollen zeitnah größere Studien starten.

    Grafik

    Nach Daten der WHO durchlaufen inzwischen insgesamt 18 Impfstoffkandidaten gegen Covid-19 klinische Tests, werden also bereits an Menschen erprobt. Darüber hinaus gibt es laut WHO weitere 129 Projekte in der präklinischen Forschung. Nur für einen kleineren Teil dieser Projekte sehen Experten indes Chancen, dass sie schnell im großen Stil produziert werden können.

    Selbst wenn sich mehrere Forschungsprojekte als erfolgreich erweisen, dürfte es daher in der Anfangsphase zu Engpässen in der globalen Versorgung mit diesen Impfstoffen kommen. Denn es werden global mehrere Milliarden an Impfstoffeinheiten benötigt, um einen durchgängigen Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten.

    Internationale Initiativen wie Impfstoff-Allianzen Cepi und Gavi und die von ihnen mit initiierte Vereinigung Access to Covid-19 Tools (ACT) setzen sich daher stark für eine international koordinierte Verteilung von potenziellen Impfstoffen ein.

    Um die akute Phase der Pandemie zu beenden, werden nach Schätzung von ACT bis Ende 2021 mindestens zwei Milliarden an Impfstoffeinheiten benötigt und Investitionen in Höhe von etwa 18 Milliarden Dollar erforderlich sein.

    Parallel zu den internationalen Aktivitäten sehen sich zahlreiche Regierungen indessen unter starkem Druck, auch auf nationaler Ebene zu agieren. Das gilt nicht zuletzt auch für die britische Regierung unter Premier Boris Johnson, die für ihr Krisenmanagement in der Corona-Pandemie viel Kritik geerntet hat und nun dringend Erfolge vorweisen muss. Bereits im März hatte die britische Regierung Gelder für die Suche nach einem Impfstoff bereitgestellt und im April eine spezielle Taskforce gegründet.

    Hohe Zahl an Todesfällen

    Aktuellen Zahlen zufolge gab es im Vereinigten Königreich mehr als 55.000 Todesfälle im Zuge der Pandemie, deutlich mehr als in allen anderen europäischen Ländern. Am vergangenen Wochenende wurden in England die meisten Lockdown-Beschränkungen aufgehoben – aus Sicht vieler Mediziner jedoch viel zu früh. Sie warnen vor einer zweiten Welle, die möglicherweise mit dem Beginn erster Grippeinfektionen zusammentreffen könnte.

    Sollte das der Fall sein, würde das womöglich den nationalen Gesundheitsdienst NHS, der von jahrelangen Sparrunden geschwächt ist, überfordern. In den Notaufnahmen britischer Krankenhäuser würde „die Hölle“ ausbrechen, warnte Professor John Bell von der Universität Oxford vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss vor wenigen Tagen.

    Gleichwohl hofft man in Großbritannien, noch in diesem Jahr einen Impfstoff zu finden. Sie sei „relativ optimistisch“, erklärte die Vorsitzende der Taskforce, Kate Bingham, Anfang des Monats vor dem Untersuchungsausschuss. Die Frage sei nur, ob dieser gegen das Coronavirus immunisiere oder lediglich durch die Linderung der Symptome die Sterblichkeit reduziere. Unter Führung der Briten laufen derzeit mehrere Projekte, die verschiedene Ansätze verfolgen.

    Falls er sich als erfolgreich erweist, sollen bereits im September 30 Millionen Einheiten an die britische Regierung gehen. Bei dem Projekt habe man einen deutlichen zeitlichen Vorsprung, erklärte Bingham.

    Mehr: Biontech und Pfizer veröffentlichen „ermutigende“ Daten zu Impfstoffprojekt.

    Startseite
    Mehr zu: Covid-19 - Begehrte Impfstoffe: Großbritannien dealt offenbar mit Sanofi und Glaxo-Smithkline
    0 Kommentare zu "Covid-19: Begehrte Impfstoffe: Großbritannien dealt offenbar mit Sanofi und Glaxo-Smithkline"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%