Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Daimler Mercedes will Effizienz in der Produktion um 15 Prozent steigern

Die Marke mit dem Stern optimiert ihre Werke künftig mit einem digitalen Ökosystem. Damit sollen für Mercedes Nachbesserungen in der Montage nahezu obsolet werden.
06.08.2020 - 14:16 Uhr 1 Kommentar
Die Produktion der S-Klasse soll papierfrei ablaufen. Quelle: dpa
Daimler-Produktion in Sindelfingen

Die Produktion der S-Klasse soll papierfrei ablaufen.

(Foto: dpa)

München
Daimler verbannt das gesamte Papier aus seinen Fabriken. Die Produktion der Autosparte Mercedes soll künftig hochdigitalisiert ablaufen. Dafür hat der Dax-Konzern ein neues Ökosystem namens MO360 entwickelt. Mithilfe von Big-Data-Analysen und dem Einsatz einer Reihe an Softwareapplikationen sollen die mehr als 30 Werke der Marke mit dem Stern stringent vernetzt und dadurch Prozesse verschlankt werden. Das Ziel: Bis 2022 soll die Effizienz in der Fertigung um satte 15 Prozent steigen.

„Wir wollen sämtliche Produktionsprozesse aus allen Winkeln begutachten und digitalisieren“, sagt Jörg Burzer, Vorstand der Mercedes-Benz AG, verantwortlich für Produktion und Lieferketten. Wichtig dabei sei, die Abläufe nicht nur mit einem „IT-Zuckerguss“ zu überziehen, sondern wirklich neu zu denken.

Als Beispiel nennt Burzer eine rundum verbesserte Qualitätssicherung. Jedes Fahrzeug lässt sich in Zukunft zentimetergenau in der Werkshalle verorten. Tritt während der Fertigung irgendwo eine Abweichung von der Norm auf, werden die Monteure proaktiv auf ihrem Smartphone oder Handheld informiert und können Fehler sofort beheben. Falls nötig unterbreitet ein lernender Algorithmus zudem Lösungsoptionen. Am Ende sollen die Edelkarossen von Mercedes möglichst ohne jegliche Nacharbeiten vom Band laufen.

„Unsere Nacharbeitszahlen können wir massiv optimieren“, erklärt Burzer. „Das heißt: Effizienzgewinn ist nicht immer automatisch eine Reduktion in den Beschäftigungszahlen – bei Weitem nicht.“ Gleichwohl braucht sein Konzern natürlich weniger Mitarbeiter in der Qualitätssicherung, wenn mit MO360 tatsächlich alles so funktioniert wie geplant.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Investition soll sich in drei Jahren amortisieren

    Näher beziffern will Burzer die möglichen Spareffekte aber nicht. „15 Prozent Effizienz setzt sich durch unterschiedliche Aspekte zusammen“, sagt der Manager. Recht schmallippig wird der 50-Jährige auch bei der Frage, wie viel MO360 eigentlich kostet. Das halte sich „absolut im Maß“, sagt Burzer. Die Investitionen in die Kernbausteine des Systems sollen sich binnen drei Jahren amortisieren, darüber hinausgehende Applikationen innerhalb von 18 Monaten.

    Voraussetzung für den Effizienzschub in der Fertigung ist volle Transparenz. Prozesse, Maschinen, Anlagen und Geräte werden via Sensoren digital miteinander verbunden und sprechen die gleiche Sprache. Dafür sorgt die Steuerungssoftware „Integra“. Alle Daten werden in einer Cloud gebündelt und weiterverarbeitet. Der Clou dabei: Das hinterlegte Know-how etwa über am Band auftretende Fehler und Lösungsansätze in der Fabrik steht sofort dem gesamten Produktionsnetzwerk zur Verfügung.

    „Gerade wenn es um Qualitätsthemen geht, ist es wichtig, dass man nicht nur auf das Wissen eines Menschen in einem Werk zurückgreifen kann, sondern auf die Erfahrung aus allen Werken“, sagt Jan Brecht, Chief Information Officer (CIO) bei Daimler. Der IT-Experte und sein Team arbeiten zusammen mit Burzers Produktionstruppe seit mehr als zehn Monaten daran, das neue Ökosystem in die Mercedes-Fabriken zu integrieren.

    MO360 soll Maßstäbe in der gesamten Branche setzen. „Wir haben schon das Selbstbewusstsein zu sagen, dass wir in der Autoindustrie da vorn dran sind“, sagt Brecht. Man müsse aber auch ehrlich sein: „Wenn man es mit den Techgiganten in den USA oder China vergleicht, da sind wir natürlich nicht vorn dran“, räumt der Daimler-CIO ein.

    Erster Einsatz in Sindelfingen

    Gleichwohl wird MO360 den Arbeitsalltag von 80.000 Produktionsmitarbeitern und mehr als 2.000 Lieferanten von Mercedes rund um den Globus spürbar verändern. Erstmals vollständig zur Anwendung kommt das digitale Ökosystem in der sogenannten Factory 56, einer großen Montagehalle im Daimler-Werk in Sindelfingen.

    Hier rollt in einigen Wochen die neue S-Klasse vom Band. Die Luxuslimousine gilt vielen als das beste Serienauto der Welt und soll dementsprechend auch in einer der modernsten Fabriken gefertigt werden. Bei der Software für sein Flaggschiff setzt der Konzern mitunter auch auf das Know-how von Tausenden externen Programmieren.

    „Wir möchten das Ganze weiterdenken und werden zumindest einen Teil des Source-Code veröffentlichen und damit die globale Open-Source-Gemeinschaft einladen, tatsächlich beim Bau zum Beispiel einer S-Klasse mitzuhelfen“, sagt Brecht. Dies laufe allerdings unter sehr klar geregelten Rahmenbedingungen ab, schränkt der IT-Experte ein.

    In der Factory 56 ließ Daimler extra ein Hochgeschwindigkeits-Mobilfunknetz mit dem 5G-Standard installieren. Jeder Beschäftigte arbeitet komplett digital. Allein in dieser Montagehalle sollen so jährlich bis zu zehn Tonnen Papier eingespart werden.

    Die Factory 56 ist für Mercedes die Blaupause für die Modernisierung aller Werke. Viele Bestandteile von MO360 werden gerade in allen Fabriken der Marke etabliert. „Wir sind mitten im Roll-out“, sagt Produktionschef Burzer. Der Manager will das digitale Ökosystem auch für die Logistik und Lieferanten öffnen. „Erste Gespräche dazu gibt es bereits“, erklärt Burzer.

    Mehr: Angriff auf Tesla und Google: Daimler, VW und BMW entwickeln eigene Betriebssysteme

    Startseite
    Mehr zu: Daimler - Mercedes will Effizienz in der Produktion um 15 Prozent steigern
    1 Kommentar zu "Daimler: Mercedes will Effizienz in der Produktion um 15 Prozent steigern"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Daimler und das Momentum

      Corona macht's mlöglich oder notwendig?

      Nachdem zur Stunde mehrere Strafbescheide gegen AUDI-Vorstände bzw. einen Hauptabteilungsleiter i.R
      erlassen wurden, mit dem ehemaligen CEO von AUDI ein solcher gar bereits "einsitzt", geht das Rennen
      der Automobilproduzenten auch und gerade in Deutschland um das Überleben weiter; mit "Kuckuck"
      Tesla im Nest.

      Während eine Daimler Aktie immerhin noch bei 40 Euro dümpelt, --mit der Last von rd.125 Euro Daimler-
      Konzernschulden behaftet- sind solche der Commerzbank gar schon unter 5 Euro und die der Deutsche Bank AG gar um rd. 7 Euro zu erwerben.

      Oh goldne Herrlichkeit, wohin bist Du entschwunden.? "Arglist besteht in Vorspiegelung falscher Tatsachen."

      Hoffentlich nie mehr bei Daimler, denn die Autoproduzenten aus Stuttgart/Sindelfingen usw. feuern
      aus allen Rohren Ihres Flaggschiffes und buhlen um Wiedergutmachung.

      Morgen oder übermorgen die neue S-Klasse, dann gestern ein Pakt mit chinesischem Batteriehersteller,
      heute "Mercedes will Effizienz in der Produktion um 15 Prozent steigern mit einem digitalen Ökosystem
      namens MO 360 dann weiterhin Personalabbau zur Kostensenkung samt den Worten der Anwendung

      "von Big-Data-Analysen, neuen Softwareapplikationen, mehr als 30 Werke der Marke mit dem Stern sollen
      stringent vernetzt und die Prozesse verschlankt werden."

      "Die Abläufe neu zu denken" sei angesagt und dieselben nicht nur mit einem IT-Zuckerguss zu überziehen."
      Wie meinte doch einst Siegmund Freud: "Eine Illusion ist nicht dasselbe wie ein Irrtum".

      MfG KH


      Jedes Fahrzeug lässt sich in Zukunft zentimetergenau in der Werkshalle verorten; bei Unstimmigkeiten werden die Monteure proaktiv auf ihrem Smartphone oder Handheld informiert um Fehler sofort zu beheben.
      "Wenn nötig, unterbreitet ein lernender Algorithmus zudem Lösungsoptionen" und die Edelkarossen von
      Mercedes -für die Käuferschicht der Super-Millionäre/Milliardäre angedacht- laufen dann möglichst ohne
      Nacharbeit vom Band.





    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%