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Designierter ZVEI-Präsident Gunther Kegel„Wir müssen die Hannover Messe fit für Social Distancing machen“

Der wichtige Branchentreff fällt in diesem Jahr aus. Der designierte Präsident des Elektroindustrieverbands (ZVEI) Gunther Kegel fürchtet Umsatzeinbußen.Kevin Knitterscheidt 14.07.2020 - 03:40 Uhr

Der Vorstandschef von Pepperl und Fuchs führt den ZVEI ab Oktober als Präsident.

Foto: Handelsblatt

Herr Kegel, die Hannover Messe findet wegen Corona nur digital statt. Ist das ein adäquater Ersatz?
Man kann so eine Veranstaltung auch als digitales Format durchführen. Natürlich gibt es auch Nachteile: Es fehlt der persönliche Austausch, auch kann man die Technologien nicht so gut visuell in Szene setzen und haptisch erfahren wie bei einem realen Zusammentreffen. Es gibt aber auch den Vorteil, dass man sich – wie beim Streaming – die Inhalte später noch einmal herunterladen und anschauen kann, wenn Zeit dafür da ist. Die Informationserfahrung ist intensiver.

Welche Rolle spielt die Messe normalerweise als Absatzkanal?
Die Hannover Messe ist typischerweise keine Verkaufsmesse. Aber in Hannover präsentieren wir unseren Kunden Technologien und Konzepte der Zukunft. Dabei erreichen wir nur mit der Hannover Messe auch die interessierte Öffentlichkeit und die Politik und können diesen Interessensgruppen unsere Angebote besser verständlich machen. Die Gespräche, die man auf der Hannover Messe führt, führen selten direkt zu Abschlüssen, sondern normalerweise erst im nächsten Jahr zu konkreten Geschäften. Der Ausfall wird also dazu führen, dass wir 2021 weniger Nachfragedynamik erleben werden.

Glauben Sie, dass die Hannover Messe wie geplant im April wieder physisch stattfinden kann?
Ich glaube, wir sollten optimistisch sein und uns darauf einstellen, dass alle Messen wieder stattfinden werden, womöglich schon im Spätherbst, wenn auch mit den dann vielleicht notwendigen Hygieneschutzmaßnahmen. Das heißt, wir müssen die Veranstaltung auch für Social Distancing fit machen – mit der Möglichkeit von Sicherheitsabständen und Personenzählungen vor den Hallen. Das lässt sich organisieren. Das ist dann zwar nicht mehr die Messe, die wir gewohnt sind, mit knallvollen Gängen und so weiter. Das heißt aber nicht, dass keine Messe mehr möglich wäre.

Welche Themen beschäftigen die Firmen bei den Digital Days?
Wir haben schon vor fünf Jahren damit begonnen, ein eigenes Narrativ für die Digitalisierung der Industrie zu entwickeln. Das wird auch in diesem Jahr eine große Rolle spielen – nach den technologischen Perspektiven, die wir in den vergangenen Jahren gezeigt haben, wird es diesmal stark um neue Geschäftsmodelle gehen. Wie lässt sich Künstliche Intelligenz heute zum Beispiel im Betrieb einsetzen? Auch der Funkstandard 5G hätte eine große Rolle gespielt – da werden wir aber durch den Ausfall der Präsenzmesse ein Stück zurückgeworfen.

Haben es Softwarehersteller leichter, sich zu zeigen? Deren Produkte sind ohnehin nur digital erlebbar.
Das wird so sein – bei Software gibt es kein haptisches Erleben. Das sehe ich auch bei uns im Unternehmen: Wir werden unseren Fokus stark auf Software und die Integration mit anderen Technologien legen, auch Geschäftsmodelle spielen eine stärkere Rolle. Also alles, was abstrakt ist, und vielleicht nicht so stark einer physischen Konkretisierung bedarf.

Und Nachhaltigkeit? Das Thema Klimaschutz drängt ja trotz Corona.
Das stimmt absolut. Das Thema ist durch Corona trotzdem fast aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Das hat zwei ganz wesentliche Folgen: Zum einen besteht die Gefahr, dass das Thema auf der öffentlichen Prioritätenliste nach unten rutscht. Das müssen wir verhindern. Zum anderen gibt es der Industrie und der Politik aber auch die Chance, einmal ohne den massiven öffentlichen Druck, der zum Teil auch zu irrationalen Entwicklungen geführt hat, konzentriert an der Dekarbonisierung und entsprechenden investiven und politischen Maßnahmen zu arbeiten. Wir können dem Klimawandel durch Elektrifizierung und Digitalisierung entgegentreten. Allerdings müssen Industrie und Politik dann zielorientierter handeln.

Vielen Dank für das Interview.

Mehr: Der Klimawandel stellt viele Firmen vor große Herausforderungen. Für den Maschinenbau wirkt er wie ein Konjunkturprogramm.

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