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Dieselskandal Ankläger legen ihre Vorwürfe gegen weitere Ex-Audi-Manager vor

Die vier Manager sollen dafür gesorgt haben, dass 434.420 Fahrzeuge unzulässig in den Verkehr kamen. Ein Prozess dürfte nicht vor 2023 beginnen.
06.08.2020 Update: 06.08.2020 - 11:50 Uhr Kommentieren
Der Manager leitete bei Audi die Aggregateentwicklung, bis er 2016 in den Vorstand aufrückte und dort die technische Entwicklung verantwortete. Quelle: Reuters
Stefan Knirsch im März 2016

Der Manager leitete bei Audi die Aggregateentwicklung, bis er 2016 in den Vorstand aufrückte und dort die technische Entwicklung verantwortete.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Mehr als 500 Seiten Anklageschrift, über 7200 Seiten Anlagen – es war ein umfassendes Paket, das die Staatsanwaltschaft München II in den vergangenen Tagen auf den Weg gebracht hat. Fast auf den Tag genau ein Jahr, nachdem die Ermittler im Dieselskandal bei Audi Anklage gegen Ex-Audi-Chef Rupert Stadler und drei weitere ehemalige Führungskräfte des Konzerns erhoben hatten, erhielt jetzt erneut ein Manager-Quartett unerfreuliche Post.

Wie das Handelsblatt bereits am Mittwoch berichtete, sind unter den Adressaten der mit einem Passwort versehenen CD diesmal gleich drei frühere Vorstände des Autobauers: Ulrich Hackenberg, Stefan Knirsch sowie Bernd Martens. Der Vierte im Bunde ist der Ex-Dieselmotorenchef Richard Bauder.

Alle vier hatten die Vorwürfe wegen ihrer mutmaßlichen Rolle im Dieselskandal in der Vergangenheit stets zurückgewiesen. Auf aktuelle Nachfragen zu der Anklage reagierten ihre Verteidiger bislang nicht.

An diesem Donnerstag hat die Staatsanwaltschaft nun Details bekanntgegeben, ohne indes Namen zu nennen. Der frühere Dieselmotorenchef Bauder soll demnach für Fahrzeuge der Marken Audi, VW und Porsche die Entwicklung von Motoren veranlasst haben, die mit einer unzulässigen Softwarefunktion ausgestattet war. Es ist jene Abschalteinrichtung, die bewirkte, dass bei Abgastests auf dem Prüfstand Grenzwerte eingehalten wurden, auf der Straße aber nicht.

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    Den angeschuldigten ehemaligen Vorständen werfen die Staatsanwälte „ab jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten zwischen Oktober 2013 und September 2015“ vor, in Kenntnis der Manipulationen den weiteren Absatz von betroffenen Fahrzeugen der Marken Audi und VW veranlasst oder aber nicht verhindert zu haben.

    Im Fall von Stefan Knirsch kommt noch ein weiterer Vorwurf hinzu: Er soll Audi im Vorfeld seiner Berufung vom oberen Management in den Vorstand im Jahr 2016 „über seine Beteiligung an den Manipulationen getäuscht und so in betrügerischer Weise Vorstandsvergütungen erhalten haben.“

    Erster Strafprozess startet im September

    Knirsch, der seine Karriere 1990 bei Audi begann und zwischenzeitlich viele Jahre für Porsche und eine kurze Zeit für Rheinmetall arbeitete, war erst 2013 wieder zu Audi zurückgekehrt. Drei Jahre lang leitete er die Aggregateentwicklung, bis er 2016 in den Vorstand aufrückte und dort die technische Entwicklung verantwortete.

    Von der Anklage umfasst sind insgesamt 434.420 Fahrzeuge von Audi, VW und Porsche, die für den Verkauf in den USA und auf dem europäischen Markt bestimmt waren.

    Anhängig ist das Verfahren nun vor der 5. Strafkammer des Landgerichts München II. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Stefan Weickert verhandelt ab Ende September bereits im bisher ersten deutschen Strafverfahren im Dieselskandal. Auf der Anklagebank sitzen dann neben Rupert Stadler auch der frühere Motoren-Entwicklungschef Wolfgang Hatz sowie die beiden ehemaligen Ingenieure Giovanni Pamio und Henning L. Für den Prozess sind insgesamt 181 Sitzungstage bis zum 20. Dezember 2022 eingeplant.

    Sollte das Gericht auch die zweite Anklage zulassen, würde ein Prozess gegen Knirsch, Hackenberg & Co. wohl erst 2023 beginnen. In Verteidigerkreisen gilt es für diesen Fall als unwahrscheinlich, dass beide Verfahren parallel verhandelt würden.

    Neben den nun acht Angeschuldigten droht auch weiteren Beschuldigten womöglich noch eine Anklage. Gegen insgesamt rund 20 aktuelle und frühere Audi-Mitarbeiter ermitteln die Staatsanwälte noch.

    „Unser Unternehmen wird weiterhin vollumfänglich mit den ermittelnden Behörden kooperieren, um die Umstände zu rekonstruieren, die zur Dieselkrise geführt haben“, sagte ein Audi Sprecher. Bis zur Klärung der Vorwürfe gelte für alle Personen weiter die Unschuldsvermutung.

    „Gleichzeitig liegt es im ureigenen Interesse unseres Unternehmens, der Mitarbeiter und der Anteilseigner, die Sachverhalte, die zur Dieselkrise geführt haben, restlos juristisch aufzuklären. Diese Aufklärung ist eine Voraussetzung für den nachhaltigen Neustart“, so der Sprecher.

    Mehr: „Artemis“: Audi-Chef startet das wohl ehrgeizigste Projekt in der deutschen Autoindustrie.

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