VW: E-Auto für unter 20.000 Euro soll weiterhin kommen – auch ohne Renault
Wolfsburg. Für Volkswagen ist es das wohl wichtigste Elektroauto der kommenden Jahre: Nun gibt es eine Entscheidung bei dem sogenannten Kleinwagenprojekt „Amsterdam“, dem elektrischen Einstiegsauto für unter 20.000 Euro. Der Konzernvorstand um Oliver Blume hat beschlossen, das Kleinwagenprojekt in Eigenregie umzusetzen.
Die Weltpremiere ist für 2027 vorgesehen. Am späten Dienstagnachmittag kam dazu grünes Licht aus dem Konzernaufsichtsrat dazu. Es gehe um „elektrische Einstiegsmobilität aus Europa für Europa“, sagte Blume in einer Mitteilung. Markenchef Thomas Schäfer sagte: „Unser Markenversprechen lautet: Elektromobilität für alle.“ Das setze Volkswagen nun um.
Wo der Kleinwagen gebaut werden soll, ist noch unklar. Auch welche anderen Marken außer Volkswagen den Kleinwagen im Portfolio haben werden, ist noch nicht gesichert. Aus Konzernkreisen ist zu hören, dass ein Skoda-Modell als wahrscheinlich gilt.
Der VW-Konzern war seit vielen Monaten in Gesprächen zu dem Fahrzeug, das in der Nomenklatur der bisherigen Elektromodelle von VW den Namen ID.1 tragen könnte. Wie das Handelsblatt Ende 2023 berichtete, galt die Bildung einer Allianz mit Renault für Entwicklung und Produktion des Kleinwagens als mögliche Option. Dies scheitere jedoch an internen Widerständen, wie es zuletzt hieß.
In Verhandlungskreisen war zu hören, dass der Betriebsrat von VW eine Allianz mit den Franzosen kritisch sah, weil sie die Führungsrolle bei dem Projekt gehabt hätten. Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo begrüßte die jetzige Entscheidung. Gerade „bei der Elektromobilität muss es der Anspruch des Konzerns bleiben, mit seinen Volumenmarken Einstiegsmodelle am unteren Preisband anzubieten“, heißt es in einem Statement. „Es ist daher genau richtig, die Entwicklung und Fertigung solcher Fahrzeuge auch in Zukunft weiterhin eigenständig als Kernaufgabe zu verstehen.“
Für Volkswagen ist die Entscheidung ein Befreiungsschlag, denn erst vor Kurzem hatte der chinesische Elektrobauer BYD angekündigt, sein Einstiegsmodell Seagull auch in Europa für unter 20.000 Euro anzubieten. In China kostet das Fahrzeug in der Basisvariante umgerechnet weniger als 10.000 Euro. Auch VW-Konkurrent Stellantis will die Fahrzeuge seines chinesischen Partners Leapmotor in Europa vertreiben, darunter ebenfalls einen Kleinwagen.
Offen bleibt, wie genau die Wolfsburger in dem als unprofitabel geltenden Segment Geld verdienen wollen. Bislang hieß es aus Wolfsburg offiziell zu dem Projekt stets: „Alle möglichen Szenarien stehen unter dem Vorbehalt der finanziellen Machbarkeit und werden vor einer möglichen Erweiterung des Produktportfolios sorgfältig evaluiert.“
Bislang sind Volkswagens Elektroautos für viele Kunden zu teuer. Aktuell kostet der kleinste Elektro-VW neu und ohne Rabatte knapp 40.000 Euro. Ende 2025 starten die Marken VW, Skoda und Cupra mit der Produktion von vier Kleinwagenmodellen in Spanien für unter 25.000 Euro. Geplant sind zwei neue Kompaktwagen und zwei kleine SUVs. Renault und Citroen werden dann schon eigene E-Modelle in dieser Preisklasse im Handel anbieten.
Erstpublikation: 29.05.2024, 04:43 Uhr.