Finanzierungsrunde: 255 Millionen Euro für Biotech-Firma ITM – Brüder Strüngmann steigen ein
Das Münchener Unternehmen konnte mehr als 200 Millionen Euro von Investoren einsammeln.
Foto: ITMFrankfurt. In einer der größten privaten Investitionsrunden der Biotech-Branche sammelt die ITM SE 255 Millionen Euro ein. Das teilte die Biotech-Firma aus Garching bei München am Montag mit. Unter der Leitung von Temasek Holdings aus Singapur beteiligen sich erstmals auch die Biontech-Investoren Thomas und Andreas Strüngmann über ihre Beteiligungsfirma Athos an dem Unternehmen.
Die Finanzierungrunde ist nicht nur für ITM, sondern für die gesamte deutsche Biotech-Branche eine gute Nachricht. Denn die Suche nach frischem Kapital ist für die Branche nach dem Boom in der Coronapandemie immer noch schwierig.
Der Firmenname ITM steht für Isotope Technologies Munich. Das 2004 gegründete Unternehmen entwickelt und produziert präzise Krebstherapien, bei denen radioaktive Isotope mit sogenannten tumorspezifischen Zielmolekülen kombiniert werden, sowie passende Diagnostika.
Die zielgerichtete Radionuklidtherapie ist eine neue Form der Krebsbehandlung. Die Isotope erkennen bestimmte Tumorzellen genau und binden sich an Zellstrukturen des Tumors, die dadurch zerfallen. Die Behandlung zielt darauf ab, den Tumor direkt zu bestrahlen und gleichzeitig die Strahlenbelastung des normalen Gewebes zu minimieren.
ITM hat aktuell verschiedene Produktkandidaten im Portfolio, die unter anderem auch gegen schwer zu behandelnde Erkrankungen wie Hirntumore, Lungen- oder Eierstockkrebs und sogenannte neuroendokrine Tumore, die aus hormonbildenden Zellen entstehen, erforscht werden.
Spekulationen um möglichen Börsengang von ITM an der Nasdaq
Das Geld aus der Investitionsrunde will ITM zum einen in die Weiterentwicklung dieses Portfolios stecken. Am weitesten fortgeschritten im Onkologiebereich ist ein Produktkandidat namens ITM 11, der derzeit in zwei fortgeschrittenen klinischen Studien gegen bösartige Tumore des Magen-Darm-Trakts untersucht wird.
Des Weiteren sollen die Mittel in den Ausbau der Produktion fließen. ITM produziert bereits seit der Firmengründung Radioisotope für Pharmaunternehmen aus aller Welt und steht kurz vor der Fertigstellung einer zweiten Produktionsanlage, die noch in diesem Monat offiziell eröffnet werden soll.
Nach Angaben des Unternehmens ist es der weltweit größte Produktionsstandort für das radioaktive Element Lutetium-177, das für die Krebstherapie eingesetzt wird. Rund 200 Mitarbeiter sollen dort beschäftigt werden. Insgesamt hat ITM rund 500 Beschäftigte.
Anfang vergangenen Jahres hatte das Unternehmen für Schlagzeilen über einen möglichen Gang an die US-Technologiebörse Nasdaq gesorgt. Nach Recherchen des Handelsblatts hätte die Biotech-Firma damals mit bis zu 1,5 Milliarden Dollar bewertet werden können. ITM wollte seinerzeit auf Nachfrage des Handelsblatts weder mögliche Börsenpläne noch die Unternehmensbewertung kommentieren.
Das Unternehmen plant aber, ein US-Hauptquartier in Princeton, New Jersey, zu eröffnen. Zu den Investoren der aktuellen Runde bei ITM gehören neben Temasek und Athos auch noch Blackrock Alternatives, Qatar Investment Authority (QIA), Nextech und Carbyne. Die Runde umfasste hauptsächlich Primärkapital sowie zusätzlich eine Minderheitstransaktion an Sekundäranteilen.
ITM hatte bereits in den vergangenen Jahren einige größere Finanzierungsrunden absolviert. 2021 etwa wurden in zwei Runden rund 115 Millionen Euro eingesammelt. Einer der ersten Investoren, der bereits kurz nach der Gründung des Unternehmens einstieg, ist der Unternehmer Udo Johannes Vetter vom gleichnamigen Pharmazulieferer aus Ravensburg. Vetter ist Aufsichtsratschef von ITM.