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FordUS-Autobauer will in Deutschland 2900 Stellen abbauen

Der US-Konzern reagiert mit dem Schritt auf die hohen Verluste in seinem Pkw-Geschäft. Am Standort Köln könnte in den kommenden Jahren jeder vierte Job wegfallen.Markus Fasse 20.11.2024 - 16:54 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Ford-Produktion in Köln: Der Autobauer will in Deutschland 2900 Stellen abbauen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

München. Der US-Autobauer Ford will bis Ende 2027 in Deutschland 2900 Stellen abbauen und so die Kosten senken. Die meisten Arbeitsplätze sollen im Kölner Werk wegfallen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Insgesamt peilt Ford in Europa den Abbau von 4000 Stellen an, 800 davon in Großbritannien und 300 in anderen EU-Staaten.

In Köln sind die Europazentrale und die Produktion von zwei Elektroauto-Modellen angesiedelt. Nach Betriebsratsangaben hat Ford an dem Standort derzeit rund 11.500 Stellen – jeder vierte Arbeitsplatz ist also bedroht.

Im Pkw-Segment habe Ford in den vergangenen Jahren hohe Verluste gemacht, hieß es vom Unternehmen. In diesem Segment seien die Kosten der Umstellung auf Elektroautos hoch. Außerdem verwies das Unternehmen auf elektrische Konkurrenten und strenge CO2-Emissionsziele. Solche Vorgaben sind aus Sicht von Ford ein Hemmschuh für das separate Geschäft mit Verbrennungsmotoren.

„Es ist ein schwarzer Tag für Ford“, sagte Betriebsratschef Benjamin Gruschka in Köln und übte scharfe Kritik am Management. „Ich kann mich nicht an so ein rücksichtsloses Vorgehen des Konzerns erinnern.“ Man werde „in den nächsten Wochen und Monaten erbitterten Widerstand“ leisten.

Nach Wegfall der Elektroauto-Förderung ist Nachfrage eingebrochen

Ford steht mit seinen Problemen nicht allein da. Nach dem Wegfall einer staatlichen Elektroauto-Förderung ist die Nachfrage eingebrochen, und auch die lahmende Konjunktur und Jobängste führen zu einer Kaufzurückhaltung der Verbraucher.

So prüft der VW-Konzern in Deutschland die Schließung von bis zu drei Werken. Betriebsratschefin Daniela Cavallo bietet dem Vorstand Lohnverzicht an, um betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern.

Ford-Manager Marcus Wassenberg sagte, dass man auch für zukünftige Generationen ein starkes Geschäft in Europa betreiben wolle. „Wir müssen daher schwierige, aber entschlossene Maßnahmen zur Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit in Europa umsetzen.“

Das Management untermauerte seinen Appell an die Bundespolitik, die Marktbedingungen zu verbessern. In Deutschland und Europa fehlten „eine konsistente und klare politische Agenda zur Förderung der Elektromobilität“, erklärte die Ford-Chefetage. Das gilt vor allem für die Rahmenbedingungen wie Strompreise und der Ausbau der Ladesäulen.

2018 hatte Ford noch knapp 20.000 Beschäftigte in Köln

Ford ist seit über 90 Jahren in Köln vertreten. Allein in den Jahren 2023 und 2024 hat der Konzern knapp zwei Milliarden Euro in den Standort investiert, um Elektroautos produzieren zu können. Die Herstellung des Kleinwagen-Verbrennermodells Fiesta wurde eingestellt, inzwischen rollen mit dem Explorer und dem Capri zwei Elektromodelle vom Band – es sind die ersten Pkw-Serienmodelle aus Europa.

Um Entwicklungskosten zu senken, nutzt Ford für den Explorer die Elektroplattform MEB aus dem VW-Konzern, auf dem unter anderem das Stromauto ID3 läuft.

Das Ford-Logo in Köln: Vor sechs Jahren hatte das Unternehmen dort noch 20.000 Mitarbeiter. Foto: IMAGO/Panama Pictures

Doch die hohen Erwartungen konnten bislang nicht ansatzweise erfüllt werden. Ford verkaufte zuletzt in Europa fast eine halbe Million Autos weniger als noch 2019. Das Elektromodell Explorer fand in den ersten zehn Monaten dieses Jahres auf dem Kontinent nur gut 10.000 Abnehmer.

Auch das Management musste sich neu aufstellen. Deutschlandchef Martin Sander wechselte in diesem Sommer überraschend zu VW. Andere führende Manager kehrten Ford ebenfalls den Rücken.

Die Wende passt zum Mutterkonzern in den USA. Dort hatte Ford nach Milliardenverlusten im ersten Halbjahr seine Strategie für Elektrofahrzeuge geändert. Von einer breiten Elektrifizierung der Modellpalette ist keine Rede mehr.

Konzernchef Jim Farley will sich statt auf elektrische Groß-SUVs nun auf die Herstellung von zwei neuen elektrischen Pick-ups und einem neuen Transporter konzentrieren. Die Fahrzeuge sollen mehr Reichweite haben und weniger kosten.

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Die schwache Nachfrage und die Kehrtwende der Mutter ist für die Europatochter in Köln ein Problem, denn ein Zurück zum Verbrenner gibt es nicht. Ford fährt nun weiter einen Schrumpfkurs. 2018 hatte der Autobauer noch knapp 20.000 Beschäftigte in Köln, Ende 2027 dürften es weniger als die Hälfte sein.

Mit Agenturmaterial

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