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Gebrauchtwagenfinanzierung Auto1-Fintech versucht mit der Solarisbank einen Neustart

Der Kreditgeber für Autohäuser hegt große Pläne. Allianz und Deutsche Bank steigen jedoch wegen eines Streits unter den Gesellschaftern aus.
10.11.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren
So einvernehmlich geht es zwischen Auto1 und seiner ehemaligen Finanztochter nicht zu. Quelle: AUTO1
Werbebild von Auto1

So einvernehmlich geht es zwischen Auto1 und seiner ehemaligen Finanztochter nicht zu.

(Foto: AUTO1 )

Hamburg Der Handel mit Gebrauchtwagen ist ein lukratives Geschäftsfeld – auch für Start-ups. Die Auto1-Gründer Hakan Koc und Christian Bertermann streben mit dem Onlineportal WirKaufenDeinAuto.de alsbald womöglich sogar an die Börse. Das Geschäft, Gebrauchtwagen von Privatleuten aufzukaufen und an Autohändler weiterzuveräußern, floriert. Mit einer weiteren Gründung hatte Auto1 indes weniger Erfolg: Die Finanztochter Auto1 FT sollte Autohändlern die passende Finanzierung gleich mitliefern. Doch es kam bald zum Streit unter den Gesellschaftern, der nun zum Bruch zwischen dem Händler Auto1 und dem fast gleichnamigen Finanzierer Auto 1FT führte.

Jetzt versucht Auto1 FT unabhängig von der einstigen Mutter Auto1 den Neustart. „Wir haben uns komplett neu aufgestellt“, sagt Taimur Andre Rashid, Chef von Auto1 FT. Die Pläne der Abspaltung klingen ambitioniert: „Autohändler leben davon, dass sie schnell Autos einkaufen und losschlagen. Dafür brauchen sie schnelle und unkomplizierte Kreditzusagen“, so Rashid. Er will schneller sein als die etablierten Banken: Autohändler können bei ihm per Smartphone Autodaten und Rechnungen hochladen und bereits kurz darauf ihren Kredit erhalten. Auto1 FT will so vor allem kleinere Gebrauchtwagenhändler als Kunden gewinnen, die weniger stark als große Autohäuser an klassische Geldinstitute und Autobanken gebunden sind.

Trotz der Trennung von Auto1 sollen Autos finanziert werden, die Händler über das Portal einkaufen – aber auch Fahrzeuge aus anderen Bezugsquellen. Unter alter Führung habe Auto1 FT den Fehler gemacht, die Digitalisierung zu wenig voranzutreiben, meint Rashid – obwohl das „FT“ im Namen für „FinTech“ steht. Daher habe sich Auto1 FT bei den Händlern nicht durchsetzen können und hohe Verluste produziert.

Das soll sich nun mit einem neuen Partner ändern: Die Solarisbank, eine der erfolgreichsten Berliner Fintech-Gründungen, will mit Auto1 FT als erstem Partner für das Fronting-Geschäft ihre Produktpalette ausbauen. Bislang ist der Dienstleister die Vollbank etwa hinter dem Digitalbroker Trade Republic und wickelt Samsung Pay in Deutschland ab.

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    Als Partner von Auto1 FT will die Solarisbank das Geschäft mit Kreditvergabe als Service aufbauen – und damit auch in eine Lücke vorstoßen, die die Wirecard-Pleite gerissen hat. Der Pleitekonzern war zuvor ein möglicher Partner auch für Auto1 FT gewesen. „Auto1 FT passt dabei ziemlich gut zu uns – denn wir wollen ja genau solche voll automatisierten Bankprodukte entwickeln“, sagte Solarisbank-Vorstand Jörg Diewald dem Handelsblatt.

    Auto1 FT bringe dabei die vorhandenen Kontakte zu Händlern und das Know-how des Markts ein. Die Bank habe die Pläne von Auto1 FT zuvor geprüft: „Wir sind optimistisch, dass das Geschäft eine interessante Größenordnung erreichen kann“, sagte er. Konflikte im Gesellschafterkreis seien dabei kein Problem.

    Ausstieg zweier Gesellschafter

    Zwei prestigeträchtige Investoren der ersten Stunde sehen das anders: Die Deutsche Bank und die Allianz-Beteiligungsgesellschaft Allianz X haben am Montag den Rückzug nach Informationen des Handelsblatts aus dem Umfeld der Beteiligten notariell besiegelt. Demnach waren sie dabei bereit, ihre jeweils niedrig einstelligen Millionen-Euro-Investitionen komplett abzuschreiben. Sie fürchten offenbar um ihren guten Ruf und die Beziehungen zu Auto1. Beide Dax-Unternehmen wollten den Schritt auf Nachfrage nicht kommentieren. Allianz X bestätigte lediglich den Rückzug.

    Hinter Auto 1 FT steht der im Nahen Osten und der Türkei bestens vernetzte Geschäftsmann Bensen Safa, der auch an der nordzyprischen Bank FIB beteiligt ist. Er hatte zum Start 2017 das meiste Geld in das Auto1-Finanz-Start-up gesteckt, um dessen Start zu ermöglichen – und sieht sich von Auto1 inzwischen benachteiligt.

    Unstrittig ist: Auto 1 FT schrieb bislang vor allem Verluste. Ende 2019 retteten laut einer internen Präsentation sogar nur noch Gesellschafterkredite das Unternehmen davor, Insolvenz anzumelden. Und bereits im Frühjahr 2020 brauchte Auto1 FT wieder frisches Geld.

    Safa will Fehlverhalten nachweisen

    In einer Gesellschafterversammlung Anfang März kam es zum Bruch. Safa ließ eine Kapitalerhöhung beschließen, durch die ihm direkt 68,98 Prozent der Anteile gehören. Mit nur noch 6,2 Prozent hat Auto1 seither dagegen kaum noch Einfluss. Auto1 kündigte daraufhin den Kooperationsvertrag mit Auto1 FT auf.

    Safa hält das für unrechtmäßig und klagte vor dem Landgericht Berlin gegen die Kündigung der Kooperationsvereinbarung zwischen Auto1 und Auto1 FT. Schließlich erwartete er vor allem durch die Kooperation gute Geschäftsaussichten und laut einer internen Präsentation die absehbare Steigerung des Werts von Auto1 FT auf 200 Millionen Euro. Pläne, die nun Makulatur sind.

    Stattdessen droht Safa seinen einstigen Partnern mit Klagen. Und will mit dem juristischen Vorgehen offenbar Druck aufbauen, um eine finanzielle Entschädigung für seine vorgeblichen Nachteile herauszuschlagen.  

    Mehr: Auto1 macht seinen Kunden Konkurrenz

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