Grüne Investments: Fondsmanager Henrik Pontzen: „Nachhaltigkeit ist fundamental geworden“
Der Fondsmanager ist Nachhaltigkeitsexperte bei Union Investment. Er mahnt Unternehmen zu mehr Transparenz.
Foto: Union InvestrmentDüsseldorf. Herr Pontzen, welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für Investitionsentscheidungen?
Nachhaltigkeit spielt eine ganz entscheidende Rolle, wenn es darum geht, ein Unternehmen fundamental zu bewerten. Das hat damit zu tun, dass sich Investitionsentscheidungen an den Gewinnerwartungen orientieren, die sich aus der Differenz von zukünftig erwartetem Umsatz minus Kosten ergeben. Beide Faktoren werden wesentlich durch die Regulatorik beeinflusst, beispielsweise durch CO2-Steuern oder staatliche Förderungen für nachhaltige Produkte. Als Investoren schauen wir darauf, dass die Reduktionspläne der Unternehmen ambitioniert und glaubwürdig sind, also mit konkreten Maßnahmen hinterlegt.
Welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang die Veröffentlichungen des CDP?
Das CDP ist sehr wichtig, weil es Transparenz bei den Themen CO2, Wasserverbrauch und Biodiversität schafft. Die Daten sind sehr glaubwürdig, weil das CDP sie schon seit zehn Jahren erhebt und dafür zahlreiche Investoren hinter sich versammelt hat. Wir bei Union Investment führen selbst jedes Jahr mehr als 4000 Gespräche mit Unternehmen und fordern sie auf, ihre Daten an das CDP zu übermitteln. So haben wir beispielsweise bei Ryanair erreicht, dass sich die Fluggesellschaft mittlerweile an der CDP-Erhebung beteiligt.
Wie transparent ist die Wirtschaft allgemein, wenn es um Nachhaltigkeitskriterien geht?
Die Lage hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Für den deutschen Markt würde ich sogar sagen, die Daten liegen hinreichend vollständig vor. Schwieriger wird es in den Schwellenländern, die meistens einen deutlich geringeren Standard haben. Europa hat hier eine Vorreiterrolle. So soll beispielsweise im kommenden Jahr in der EU die sogenannte Taxonomie-Verordnung in Kraft treten, die Kriterien für nachhaltiges Investieren festlegt.
Kann man sagen, dass nachhaltige Unternehmen am Kapitalmarkt besser abschneiden?
Das lässt sich gut belegen, wenn man beispielsweise die Unternehmen im globalen Aktienindex MSCI World nach Nachhaltigkeitskriterien sortiert. Da zeigt sich, dass das nachhaltigste Fünftel seit 2015 deutlich besser performt hat als der Durchschnitt. Das ist kein Zufall: 2015 wurde das Pariser Klimaabkommen verabschiedet. Das war der historische Augenblick, in dem Nachhaltigkeit zu einem fundamentalen Kriterium für die Unternehmensbewertung aufgestiegen ist.
Herr Pontzen, vielen Dank für das Interview.