Grünheide: Schaden für Tesla nach Anschlag steigt – Produktion ruht bis Ende nächster Woche
Grünheide. Nach dem Anschlag auf einen Strommast bleibt die Produktion beim US-Elektroautobauer Tesla in Grünheide bis voraussichtlich Ende nächster Woche unterbrochen. Das teilte das Unternehmen am Mittwochabend auf Anfrage mit. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet.
Bislang unbekannte Täter hatten am Dienstag auf einem Feld Feuer an einem Strommast gelegt, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik zuständig ist. Die Produktion in Grünheide wurde daraufhin gestoppt. Zehntausende Bewohner in der Region waren von dem Stromausfall ebenfalls betroffen.
Mit dem erzwungenen längeren Produktionsstopp in Teslas einzigem Autowerk in Europa dürfte auch der Schaden für das Unternehmen steigen. Zuletzt nannte Tesla als Schaden mehrere hundert Millionen Euro. Aber da war noch mit einem Wiederanlauf der Fertigung am nächsten Montag gerechnet worden. Nun käme eine weitere Woche Stillstand dazu.
Die Wirtschaft in Deutschland dringt nach dem Anschlag auf die Stromversorgung auf mehr Sicherheit. „Politik und Wirtschaft sind gemeinsam gefordert, die Sicherheit der Netze und kritischer Anlagen zu gewährleisten“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Martin Wansleben.
Die Bundesregierung will mit einem Gesetz den Schutz wichtiger Netze und Anlagen verstärken und die Sicherheitsbemühungen der Betreiber unterstützen. Die Regierung verschleppe aber die Verabschiedung des zugehörigen Gesetzes seit Monaten, kritisierte Wansleben.
Unbekannte Täter hatten am Dienstag auf einem Feld Feuer an einem Strommast gelegt, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik zuständig ist. Die Polizei bezeichnete ein Bekennerschreiben der linksextremen „Vulkangruppe“ als authentisch. Der Energienetzbetreiber Edis teilte mit, die Einsatzkräfte arbeiteten unter Hochdruck daran, das Tesla-Werk und ein Logistikzentrum wieder mit Strom zu versorgen.
Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte am Mittwoch, die Bundesregierung verurteile solche Anschläge auf das Schärfste. Das Bundesinnenministerium plant, dass sich das Kabinett zeitnah in der ersten Jahreshälfte mit dem sogenannten Kritis-Dachgesetz befasst. Damit soll die kritische Infrastruktur besser gegen Gefahren geschützt werden.
Darüber hinaus sei es erst einmal die Pflicht der Netzbetreiber, ihre Infrastruktur zu schützen, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Maximilian Kall. Dies sei natürlich bei einem Umspannwerk leichter als bei einem Strommast, der auf einem Feld steht.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft schlug vor, Bund und Länder bei der Gefahrenabwehr stärker in die Pflicht zu nehmen. Der öffentliche Zugang zu Daten kritischer Infrastruktur müsse beschränkt werden.
Das sagt Teslas Betriebsrat in Grünheide
Dabei hat der Widerstand gegen den US-Autobauer zuletzt zugenommen: Bei einer Bürgerbefragung in Grünheide lehnten rund zwei Drittel die von Tesla geplante Erweiterung um einen Güterbahnhof und Lager auf einem angrenzenden Gelände ab. Dort sollen mehr als 100 Hektar Wald gerodet werden. Am Donnerstag schlugen dann Umweltschützer und Tesla-Kritiker in der Nähe des Werks im Wald ein Protestcamp mit Baumhäusern auf.
Werksleiter André Thierig und der Betriebsrat zeigen sich besorgt. Thierig sieht mit Blick auf den Anschlag eine „sehr kritische Grundstimmung, die vielleicht auch solches Verhalten ein Stück weit schüren“. Der Betriebsrat schreibt in einer Mitteilung an die Belegschaft vom Mittwoch, der Anschlag richte sich „gegen die Gesundheit eines jeden Einzelnen von uns.“
Das Gremium sei einerseits geschockt, andererseits aber auch wütend, „wenn man bedenkt, wie seit der Ankündigung des Baus unserer Fabrik die Berichterstattung und damit auch die öffentliche Wahrnehmung über uns ausfällt.“ Der Anschlag sei „sicherlich eine Folge daraus“.
Derzeit arbeiten rund 12.500 Menschen bei Tesla in Grünheide. Der Autobauer plant einen Ausbau des bestehenden Werks. Die geplante Produktion von 500.000 Autos pro Jahr soll auf eine Million steigen. Thierig lässt offen, ob die Pläne so Bestand haben. „Ob das jetzt einen Einfluss hat auf den weiteren Ausbau der Fabrik, kann ich an der Stelle nicht sagen.“
Der Betriebsrat hatte für die Mitarbeiter aber auch eine gute Nachricht. „Wir konnten uns gestern zum späten Abend noch mit dem Arbeitgeber darauf einigen, dass Euch die Ausfallzeit für diesen Produktionsstopp, der durch ,höhere Gewalt' verursacht wurde, ab dem 1. Tag zu 100 % bezahlt wird“, heißt es in dem Schreiben an die Belegschaft.
Dadurch würden den Mitarbeitern durch den Anschlag „keine Nachteile“ entstehen. „Wir begrüßen dieses Entgegenkommen der Geschäftsführung sehr, zumal das Ergebnis ein Besseres darstellt, als in unserer geltenden Betriebsvereinbarung vereinbart.“