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HalbjahreszahlenRenault im Krisenmodus – „Wir haben einen Tiefpunkt erreicht“

Der neue Renault-Chef Luca de Meo startet mit einem schweren Erbe. Die Franzosen stecken in einer finanziellen Krise und schreiben Milliardenverluste. 30.07.2020 - 11:39 Uhr aktualisiert

Der französische Autohersteller steckt tief in der Verlustzone.

Foto: Reuters

Paris. Bei Renault schrillen die Alarmglocken: Wegen der Coronakrise und tiefroten Zahlen beim Partner Nissan schreibt der Hersteller im ersten Halbjahr einen Milliardenverlust. Der den Konzern entfallene Rekord-Nettoverlust beträgt 7,29 Milliarden Euro, im Vorjahreszeitraum gab es noch einen Gewinn von 970 Millionen Euro. Rote Zahlen dieser Größenordnung sind nach Informationen aus dem Konzern beispiellos. „Wir haben einen Tiefpunkt erreicht“, resümierte Vize-Generaldirektorin Clotilde Delbos am Donnerstag in einer virtuellen Pressekonferenz.

Der seit Monatsbeginn amtierende neue Generaldirektor Luca de Meo sprach von einer „schwierigen Lage“. Er kündigte für Januar kommenden Jahres einen neuen Sanierungs- und Strategieplan an. Der Italiener will sich komplett von der Jagd auf Absatzrekorde verabschieden, die vom früheren Konzernchef Carlos Ghosn mit harter Hand verordnet wurde. „Ich brauche etwas Zeit, um die Dinge in Ordnung zu bringen“, sagte der frühere Seat-Chef. Renault hatte bereits den Abbau von weltweit rund 15 000 Stellen und Kosteneinsparungen von rund zwei Milliarden Euro angekündigt.

Nissan schlug bei dem französischen Hersteller im ersten Halbjahr mit einem Verlustbeitrag von 4,8 Milliarden Euro zu Buche. Renault ist in einer Allianz mit 43,4 Prozent an dem japanischen Hersteller beteiligt. Das Bündnis, zu dem auch Mitsubishi gehört, werde nicht in Frage gestellt, sagte Delbos: „Es ist besser, das gemeinsam zu machen“, sagte die Topmanagerin, die auch Finanzchefin ist, zu den Kostensenkungen.

Die Coronakrise kostete Renault nach eigener Schätzung rund 1,8 Milliarden Euro. Der Umsatz brach im ersten Halbjahr um 34,3 Prozent auf 18,4 Milliarden Euro ein. Wegen der unsicheren Lage wagt der Hersteller nicht, eine Prognose für das Gesamtjahr abzugeben.

Der Konzern kann inzwischen auf einen staatlich garantierten Kredit von bis zu fünf Milliarden Euro zurückgreifen - nahm ihn aber bisher nicht in Anspruch. Laut Mitteilung gibt es Liquiditätsreserven der Autosparte von 16,8 Milliarden Euro. Das sei ausreichend, um die Krise zu überbrücken, hieß es in Boulogne-Billancourt.

Renault und die Autoallianz waren schon im Zuge des Skandals um Autoboss Ghosn in die Krise geraten. Der Ex-Manager war am 19. November 2018 in Tokio unter anderem wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Im April 2019 wurde der gebürtige Brasilianer unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Ghosn floh dann Ende Dezember unter dubiosen Umständen in einem Privatjet nach Beirut, angeblich in einer Kiste versteckt. Japan bemüht sich um die Auslieferung Ghosns, der die Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen hatte. Die französische Justiz untersucht eine mutmaßliche Veruntreuung von Geldern bei Renault durch Ghosn.

dpa
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