Handel und Werkstätten: „2022 wird ein gutes Jahr“: Autohändler werden wieder optimistischer
Auch mit jungen Gebrauchten und dem Service machten die Autohändler 2021 weniger Umsatz.
Foto: picture alliance / Wolfram SteinbergDüsseldorf. Die deutsche Autobranche wird optimistischer. Die Prognosen der Werkstätten und Händler sind wieder positiv, wie Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), auf einer Pressekonferenz sagte: „Es gibt eine gewisse Aufbruchsstimmung für dieses Jahr.“ Anfang Februar hatte auch der Herstellerverband VDA sich bereits verhalten positiv geäußert.
Der ZDK ist der oberste Interessenverband für rund 36.000 deutsche Autohandelsbetriebe und Werkstätten. Der Verband rechnet für 2022 mit rund 2,9 Millionen Pkw-Neuzulassungen in der Bundesrepublik. Das sind deutlich mehr als noch im Jahr 2021, das mit nur 2,6 Millionen Neuzulassungen mehr als zehn Prozent unter dem Vorjahr lag.
„2022 wird ein gutes Jahr“, ergänzte ZDK-Präsident Karpinski, der selbst Volkswagen-Handelsbetriebe im Großraum Frankfurt betreibt. Nach zwei sehr schwierigen Jahren blicke seine Branche wieder mit Zuversicht in die Zukunft. Das zeige sich nicht nur bei den Verkaufszahlen von Neuwagen, sondern auch im Werkstattbetrieb. Der ZDK kalkuliere damit, dass die Werkstattumsätze in diesem Jahr wieder das Niveau von 2019 erreichen könnten.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) kalkuliert in seiner Prognose von Anfang des Monats mit 2,8 Millionen Neuzulassungen 2022. Die Industrie ist mit ihrer Prognose also etwas vorsichtiger als die Autohändler und verweist auf den Chipmangel. Doch es gebe auch erste Erholungstendenzen, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller Anfang Februar.
VDA-Chefvolkswirt Manuel Kallweit sprach von einer „leichten Aufwärtsbewegung“, die seit dem dritten Quartal des vergangenen Jahres in der Produktion spürbar sei. Damals habe die Autoindustrie den absoluten Tiefpunkt bei der Chipversorgung durchmachen müssen. Eine weitere Entspannung sei insbesondere im zweiten Halbjahr 2022 zu erwarten, weil die Halbleiterversorgung der Autohersteller sich dann voraussichtlich weiter verbessern werde.
>> Lesen Sie hier: Was die deutsche Automobilindustrie im neuen Jahr erwartet
2021 war auch insgesamt ein schwieriges Jahr für Autohändler und Kfz-Werkstätten. Die Umsätze im Neuwagenhandel, bei jungen Gebrauchtwagen und im Service sanken. Auch der Gesamtumsatz im Kraftfahrzeuggewerbe ging im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent auf fast 180 Milliarden Euro zurück.
Im vergangenen Jahr lag die Umsatzrendite über alle Unternehmen hinweg bei 1,3 Prozent und damit um 0,1 Prozentpunkte über dem Wert des Jahres 2020. „Das ist jedoch kein Anlass, in Jubelstürme auszubrechen“, so ZDK-Präsident Karpinski. „Von den Gewinnmargen der Hersteller und Importeure können wir im Handel als überwiegend mittelständische Unternehmen nur träumen“, ergänzte er. So hatte Mercedes vor wenigen Tagen eine Umsatzrendite von fast 13 Prozent für das vergangene Jahr gemeldet.
Kritisch äußerte sich der Händlerverband zur aktuellen deutschen Förderpolitik von Elektroautos. Die anhaltende Diskussion über eine mögliche Kürzung der staatlichen Förderung vor allem bei Plug-in-Hybriden führe schon jetzt zu einer Kaufzurückhaltung. Die Bundesregierung müsse schnell für klare und sichere Förderbedingungen sorgen, forderte der Verband.