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VDA-AusblickDeutsche Autoindustrie glaubt an eine langsame Besserung der Lage

Der anhaltende Chipmangel hat sich im vergangenen Jahr verheerend auf die Autoindustrie ausgewirkt. Doch nun gibt es erste Anzeichen der Besserung.Stefan Menzel 09.02.2022 - 13:00 Uhr Artikel anhören

Neuwagen vor der Verschiffung in Bremerhaven: Mit mehr gelieferten Chips sollten die deutschen Autohersteller in diesem Jahr wieder etwas mehr Fahrzeuge produzieren können.

Foto: dpa

Düsseldorf. Mit vorsichtigem Optimismus geht die deutsche Automobilindustrie in das Jahr 2022. Die Versorgungslage bei Chips bleibe zwar angespannt, doch es gebe die ersten Erholungstendenzen, so Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), am Mittwoch in einem Pressegespräch.

Davon wird nach der neuen VDA-Prognose auch der deutsche Automarkt profitieren. Der Verband rechnet für das aktuelle Jahr mit 2,8 Millionen Pkw-Neuzulassungen in der Bundesrepublik. Gegenüber 2021 wäre das ein Plus von etwa sieben Prozent. Im vergangenen Jahr war die erhoffte Erholung wegen des anhaltenden Halbleitermangels ausgeblieben. 2,6 Millionen Neuzulassungen bedeuteten ein Minus von mehr als zehn Prozent.

Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa und in anderen wichtigen Regionen der Welt soll es mit der Automobilindustrie ebenfalls langsam wieder aufwärtsgehen. „Für das Jahr 2022 erwarten wir für den Pkw-Weltmarkt mit einem Plus von vier Prozent ein ähnliches Wachstum wie im Jahr 2021“, betonte VDA-Präsidentin Müller. 2022 würden dann weltweit etwa 75 Millionen Pkws verkauft – etwa 13 Prozent weniger als im Jahr 2017. Damals hatte die Branche ihre historische Bestmarke mit gut 84 Millionen Neuwagen erreicht.

Für die USA und China rechnet der VDA in diesem Jahr mit einem Absatzplus von jeweils zwei Prozent, für Europa kalkuliert der Verband mit einem Zuwachs von fünf Prozent. Der europäische Automarkt – Deutschland eingeschlossen – war im vergangenen Jahr wegen fehlender Halbleiter stärker eingebrochen als im Rest der Welt. Der Nachholbedarf sei entsprechend stärker, deshalb werde Europa mehr zulegen als die USA und China, so der VDA.

Auch bei der deutschen Inlandsproduktion von Neuwagen ist in diesem Jahr Besserung angesagt, erwartet der Verband. Sie soll demnach um 13 Prozent auf 3,5 Millionen Autos steigen. Das entspricht allerdings erst dem Niveau von 2020, dem ersten Jahr der Coronapandemie, als die Neuwagenproduktion in Deutschland massiv eingebrochen war. Zu ihren besten Zeiten hatte die deutsche Automobilindustrie rund fünf Millionen Pkws pro Jahr gefertigt.

Entspannung im zweiten Halbjahr erwartet

VDA-Chefvolkswirt Manuel Kallweit sprach von einer „leichten Aufwärtsbewegung“, die seit dem dritten Quartal des vergangenen Jahres in der Produktion spürbar sei. Damals habe die Autoindustrie den absoluten Tiefpunkt bei der Chipversorgung durchmachen müssen. Eine weitere Entspannung sei insbesondere im zweiten Halbjahr zu erwarten.

Die Prognose des Verbandes deckt sich im Wesentlichen mit jüngsten Äußerungen der großen deutschen Autohersteller. VW-Vertriebsvorstand Klaus Zellmer hatte vor wenigen Tagen im Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt, dass es nach der Sommerpause aufwärtsgehe. Er sprach von einer „schrittweisen Erholung in der zweiten Jahreshälfte“.

Das Marktforschungsunternehmen Dataforce schöpft zudem Optimismus für den deutschen Automarkt aus den ersten Zulassungszahlen vom Januar. Besonders Privatkunden interessierten sich wieder für ein neues Auto, der Privatmarkt sei im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 32 Prozent gewachsen.

„Es lässt sich bereits ein deutlicher Aufwärtstrend in den Daten ausmachen, was Anlass zur Annahme gibt, dass der negative Einfluss der Pandemie auf den deutschen Pkw-Markt langsam, aber sicher abnimmt“, betonte Dataforce-Sprecher Benjamin Kibies.

VDA kritisiert die fehlende Ladeinfrastruktur

Die langsame Erholung beim Verkauf von Autos sorgt in der deutschen Automobilindustrie zwar für eine gewisse Entspannung. Doch unverändert ist die Sorge beim VDA groß, dass der Wechsel zum Elektroantrieb nicht rechtzeitig gelingt und die erhofften Klimaziele verpasst werden. Bis zum Jahr 2030 sollen auf Deutschlands Straßen 15 Millionen rein elektrische Pkws unterwegs sein.

„Dann müsste jetzt und in den kommenden Jahren jedes zweite neu zugelassene Auto ein elektrischer Pkw sein“, sagte VDA-Präsidentin Müller. Die Industrie sei zwar grundsätzlich dazu in der Lage, diese Millionen von Elektroautos zu produzieren. Doch zugleich müsse die Politik dafür sorgen, dass die Infrastruktur entsprechend mitwachse. Den größten Mangel macht der VDA bei den Ladestationen aus. Wachse das Ladenetz in Deutschland mit dem aktuellen Tempo weiter, dann gebe es bis zum Jahr 2030 ungefähr 160.000 Ladepunkte. Angestrebt sei aber eine Million.

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„Die Verantwortung für das Gerüst liegt beim Staat. Dieses Gerüst ist aber noch nicht fertig“, kritisierte Hildegard Müller. Die VDA-Präsidentin wiederholte ihre Forderung nach einem Ladegipfel, an dem sich außer der Automobilindustrie Vertreter von Kommunen und aus der Bau- und Wohnungsbranche beteiligen sollten. Auch die Lkws bräuchten ein Ladenetz. „Die schweren Nutzfahrzeuge müssen gleich mitgedacht werden, damit wir nicht zweimal bauen“, sagte Hildegard Müller.

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