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IG MetallTarifabschluss für nordwestdeutsche Stahlindustrie erreicht

In der vierten Verhandlungsrunde haben sich Arbeitgeber und IG Metall auf einen bis Ende 2026 laufenden Tarifvertrag geeinigt. Unternehmen sehen sich an ihre „Grenzen gestoßen“.Frank Specht 01.10.2025 - 11:10 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Ein noch glühender Knüppel Stahl: Die deutsche Stahlindustrie steht unter Druck. Foto: Jan Woitas/dpa

Berlin. Nach achtstündigen Verhandlungen haben Arbeitgeber und IG Metall in der Nacht zum Mittwoch eine Einigung in den Tarifverhandlungen für die nordwestdeutsche Stahlindustrie erzielt. Damit sind Streiks in der stark kriselnden Branche abgewendet.

Die Einigung ist kurz vor einem Treffen von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) mit Betriebsräten und Gewerkschaftsvertretern im Bundesfinanzministerium erzielt worden. Das für Mittwochnachmittag geplante Treffen dient dazu, den von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angekündigten Stahlgipfel vorzubereiten.

Die Bundesregierung müsse angesichts der Stahlkrise „schnell und entschlossen“ handeln, sagte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Kerner, der Deutschen Presse-Agentur. „Die Beschäftigten erwarten Lösungen von der Politik.“ Die Stahlindustrie stehe unter Druck, die Verunsicherung sei riesengroß.

In dieser Situation wären Streiks in der Branche wahrscheinlich nur schwer zu vermitteln gewesen. Dennoch waren die Tarifverhandlungen fraglich, nachdem die Gewerkschaft ihre Forderungen sukzessive nach oben geschraubt hatte. Anfangs war die IG Metall ohne konkrete Prozentforderungen in die Verhandlungen gegangen, verlangte aber eine Reallohnsicherung.

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Vor der entscheidenden Runde stand dann die Forderung nach einer Entgelterhöhung um zwei Prozent für den Zeitraum von Anfang Januar bis Ende September 2026 im Raum, für Oktober bis Dezember 2025 sollte es einmalig 300 Euro geben. Diese Forderung hatten die Arbeitgeber als nicht verkraftbar abgelehnt und unter anderem darauf verwiesen, dass die Entgelte erst zum 1. Januar 2025 um 5,5 Prozent angehoben worden seien.

Entgelte steigen ab Januar um 1,75 Prozent

Der in der vierten Verhandlungsrunde erzielte Tarifkompromiss sieht nun vor, dass die Beschäftigten zum 1. Januar 2026 eine Entgelterhöhung von 1,75 Prozent erhalten. Die Ausbildungsvergütung steigt überproportional um 75 Euro im Monat. Der Tarifvertrag läuft 15 Monate bis zum 31. Dezember 2026.

Laut IG Metall wurden zudem die Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung, zu Werkverträgen und zur Altersteilzeit verlängert. Darin sind unter anderem die Übernahme der Auszubildenden, eine Arbeitszeitabsenkung auf bis zu 28 Stunden mit Teilentgeltausgleich, Arbeitszeitkonten beziehungsweise die Altersteilzeit geregelt.

Die Friedenspflicht war um Mitternacht ausgelaufen. Die Gewerkschaft hatte mit Warnstreiks gedroht. Das Ergebnis steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Tarifkommission sowie der Zustimmung des IG-Metall-Vorstands. Das für die Tarifpolitik zuständige IG-Metall-Vorstandsmitglied Nadine Boguslawski erklärte aber bereits, das Tarifergebnis schaffe „Sicherheit und Perspektiven“.

IG-Metall-Tarifvorständin Boguslawski: „Nur ein Baustein für eine zukunftsfähige Stahlindustrie.“ Foto: IG Metall

Der Verhandlungsführer der IG Metall NRW, Knut Giesler, sagte nach den achtstündigen Verhandlungen, bedauerlicherweise habe es vier Verhandlungsrunden gebraucht, um zu diesem Ergebnis zu kommen. „Das Projekt Verantwortung für den Stahl wäre fast gescheitert. Zum Glück haben sich am Ende alle ihrer Verantwortung gestellt.“ Das Ergebnis trage der besonderen Situation im Stahl Rechnung.

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Der Arbeitgeberverband Stahl teilte mit, das Ergebnis bedeute eine Gesamtbelastung der Unternehmen über die Laufzeit von 1,4 Prozent. Diese sei in der aktuellen wirtschaftlichen Lage nur schwer zu verkraften. „Das Tarifergebnis strapaziert die Leistungsfähigkeit unserer Industrie erheblich. Wir sind während der Verhandlung an unsere Grenzen gestoßen“, erklärte der Verbandsvorsitzende Reiner Blaschek. Aber es sei gelungen, einen Kompromiss zu finden, der den Unternehmen zumindest eine gewisse Planungssicherheit für das Gesamtjahr 2026 verschaffe.

IG Metall fordert raschen Industriestrompreis

Der Tarifkompromiss gilt zunächst für die etwa 60.000 Beschäftigten der Stahlindustrie in Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen. Eine Einigung für die 8000 Stahlarbeiter in Ostdeutschland stand am Mittwochvormittag noch aus.

IG-Metall-Vorstandsmitglied Boguslawski betonte, das Tarifergebnis könne „nur ein Baustein für eine zukunftsfähige Stahlindustrie“ sein. Nun komme es auf gute Unternehmensführungen und eine strategische Politik an. Nötig seien ein schnell umgesetzter Industriestrompreis, greifbare Projekte aus dem Sondervermögen für Investitionen sowie eine europäische Antwort auf die Zollkrise und Importe von Billigstahl.

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