Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Industrie Von einer Krise in die nächste: Corona-Pandemie trifft Maschinenbauer besonders hart

Wegen der Corona-Pandemie bricht die Maschinen-Nachfrage ein. Das trifft die Hersteller – weil viele von ihnen zuvor schon in einer Rezession steckten.
08.04.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Manche Unternehmen nutzen die Zeit bis zum Wiederanlauf für Video-Schulungen. Quelle: DMG MORI AKTIENGESELLSCHAFT
Maschinenbauer

Manche Unternehmen nutzen die Zeit bis zum Wiederanlauf für Video-Schulungen.

(Foto: DMG MORI AKTIENGESELLSCHAFT)

Düsseldorf Eigentlich ist der April für den deutschen Maschinenbau ein Monat des Aufbruchs: In wenigen Wochen hätten die meisten Hersteller ihre neuen Produkte auf der weltgrößten Industriemesse in Hannover präsentiert.

Doch wegen der Corona-Pandemie wurde die Hannover Messe in diesem Jahr abgesagt. Statt der traditionellen Messevorbereitung steht nun bei vielen Firmen Kurzarbeit auf dem Plan.

Denn die Coronakrise trifft nicht nur Veranstalter und Messebauer. Auch die Industrie leidet schwer unter dem weltweiten Rückgang der Nachfrage infolge der Ausgangsbeschränkungen, mit denen viele Regierungen die Ausbreitung des Virus in ihren jeweiligen Ländern eindämmen wollen.

Autohersteller, Flugzeugbauer und Zulieferer fahren reihenweise ihre Produktionen herunter. Das trifft zunehmend auch die Firmen, die diese Unternehmen beliefern – und damit den Maschinenbau.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Noch versuchen die Firmen, ihre Produktionen weitgehend aufrechtzuerhalten. „Es gibt in der Branche keine flächendeckenden Produktionsschließungen wie in der Autoindustrie“, sagte Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), dem Handelsblatt.

    Produktionsmengen sinken weiter

    „Wir hören jedoch, dass die Osterwochen verstärkt genutzt werden, um Kapazitäten herunterzufahren.“ Für die Mitarbeiter bedeutet das im besten Fall Kurzarbeit – im schlimmsten Fall allerdings die betriebsbedingte Kündigung.

    Denn schon vor der Coronakrise steckten viele Maschinenbauer tief in einer Rezession. So lag die Produktionsmenge der Branche schon 2019 mehr als zwei Prozent unter dem Vorjahreswert. Für 2020 rechnete der VDMA ursprünglich mit einem ebenso starken Rückgang – korrigierte seine Prognose aber vor wenigen Wochen wegen der Corona-Pandemie noch einmal kräftig nach unten. Im Schnitt sollen nun rund fünf Prozent weniger Maschinen die Werke verlassen als im Vorjahr.

    Extremere Schätzungen taxieren das Minus im laufenden Jahr sogar auf bis zu 30 Prozent. „Es ist für die Unternehmen im Moment nicht abzusehen, wann die Einschränkungen des öffentlichen Lebens wieder gelockert werden“, gibt auch Wiechers zu bedenken. Davon hängt maßgeblich ab, wann auch die Industrie wieder zur Normalität zurückkehren kann.

    Einige Firmen fallen durchs Raster

    Mit Personalmaßnahmen versuchen die Firmen vorsorglich, ihre Kosten während des Abschwungs zu senken. So wuchs die Zahl der Mitarbeiter im Maschinenbau, die von ihren Arbeitgebern in Kurzarbeit geschickt wurden, im März von 28.000 auf 40.000.

    Vielen davon wurde schon vor Corona die Arbeit mangels Nachfrage gekürzt. Denn einer der wichtigsten Kunden der Maschinenbauer ist die Automobilindustrie, die ihre Investitionen wegen der Transformation zur E-Mobilität zuletzt ohnehin zurückgefahren hatte.

    Dass nun auch noch Corona auf das Absatzklima drückt, bringt viele Unternehmen in Bedrängnis. „Ein Problem liegt darin, dass schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie viele Maschinenbauer in Schwierigkeiten steckten und ihre Mitarbeiter daher schon länger in Kurzarbeit geschickt haben“, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker, der selbst als Familienunternehmer den Kölner Werkzeugmaschinenhersteller Alfred Schütte führt.

    Doch die Maßnahme ist gesetzlich auf eine Dauer von zwölf Monaten begrenzt. „Hier fallen Firmen nun durchs Raster“, so Welcker. Der Verband fordert daher, die mögliche Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld auf 24 Monate auszuweiten.

    Eine solche Ausweitung hatte es auch 2008 gegeben, als viele eigentlich gesunde Unternehmen während der globalen Finanzkrise und des darauffolgenden Nachfrageschocks in finanzielle Bedrängnis gerieten.

    Neben Nachfrageeinbruch auch Angebotskrise

    Bei der Corona-Pandemie kommt nun für viele Maschinenbauer zum Nachfrageeinbruch auch noch eine Angebotskrise hinzu. Denn selbst wenn die Unternehmen genügend Abnehmer für ihre Produkte finden, führt die Krise länderübergreifend zu Störungen in den Lieferketten.

    Einige Firmen – wie der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori, aber auch Alfred Schütte oder der baden-württembergische Maschinenbauer Manz – fahren ihre Fertigung in Deutschland deshalb gleich ganz herunter. „Wir wollen so die Gesundheit unserer Mitarbeiter schützen“, sagte DMG-Mori-Chef Christian Thönes dem Handelsblatt.

    „Auch ist derzeit ein geordnetes Arbeiten nur schwer möglich – sei es bei der Anlieferung von Waren oder bei der Auslieferung.“ Für 2020 rechnet Thönes, wie auch viele andere Manager in der Branche, mit einem Gewinneinbruch von fast 50 Prozent (Ebit).

    Bei den gestörten Lieferketten handelt es sich um ein branchenweites Problem. So meldeten in einer Umfrage des VDMA vom Montag rund 84 Prozent der Maschinenbauer einen gestörten Betriebsablauf infolge der Coronakrise.

    Fast jeder zweite Betrieb leidet demnach unter „gravierenden“ Problemen – etwa weil bereits geplante Lieferungen derzeit von den Kunden nicht angenommen werden oder weil Teile, die für die eigene Produktion dringend benötigt werden, im Moment nicht geliefert werden können.

    Als Hotspot gilt dabei Italien: Mit mehr als 130.000 Infizierten und Tausenden Toten ist das Land so schwer von der Pandemie betroffen wie kein anderer Staat in der EU. Das öffentliche Leben steht weitgehend still – ebenso wie die Zulieferbetriebe etwa in der Lombardei, die sonst deutsche Unternehmen mit Metallteilen oder Feinmechanik beliefern. Bei drei von vier Maschinenbauern führt der Stillstand in Norditalien zu Engpässen in der eigenen Produktion.

    Von ähnlichen Schwierigkeiten berichten Unternehmen mit Lieferanten aus Deutschland, China und Frankreich, auch wenn die Probleme dort noch nicht so stark ausgeprägt sind. „Wir sehen, wie sich die Welle der Pandemie von Ost nach West ausbreitet“, sagte VDMA-Chefvolkswirt Wiechers.

    Dabei setzten viele Unternehmen nun auf den chinesischen Markt, um die Ausfälle in Europa zu kompensieren. „Wir sehen, dass sich die Lage in China deutlich entspannt.“

    Erste Vorbereitungen für den Hochlauf

    Bis die Industrie auch in Europa wieder zur Normalität zurückkehrt, dürften noch einige Wochen vergehen. Doch schon jetzt richten sich die Firmen darauf ein, ihre Produktionsbedingungen so zu verändern, dass das Infektionsrisiko für die Mitarbeiter möglichst gering gehalten wird.

    Neben dem Bereitstellen von Desinfektionsmitteln gehört dazu auch die Reinigung aller Oberflächen im Betrieb. „Im Maschinenbau ist die räumliche Distanz der Mitarbeiter zudem meist ausreichend, um eine Infektion auszuschließen“, so VDMA-Präsident Welcker. „Viele Menschen sind am Arbeitsplatz sicherer vor Ansteckung als zu Hause.“

    Wer kann, nutzt die Zeit bis zum Wiederanlauf, um seine Mitarbeiter weiterzubilden. So setzt etwa DMG Mori auf eine digitale Videoplattform, um die Belegschaft während der Betriebsruhe zu schulen.

    „Die Digitalisierung, die wir in den vergangenen Jahren massiv vorangetrieben haben, ist der große Gewinner der Coronakrise“, sagte Vorstandschef Christian Thönes. „Wir sehen, wie sich die Arbeitsprozesse in einem rasanten Tempo wandeln, das vorher nicht für möglich gehalten wurde.“

    Dabei kann der Manager der Coronakrise durchaus auch eine positive Seite abgewinnen. Denn die derzeitige Situation verlange den Unternehmen ein hohes Maß an Flexibilität ab, die den Unternehmen auch nach der Krise in einer sich immer schneller wandelnden Welt zugutekommen dürfte.

    „Darüber hinaus spüre ich in der Gesellschaft in diesen Zeiten viel Empathie und Zusammenhalt“, so Thönes. „Das ist positiv und wird hoffentlich langfristig anhalten.“

    Mehr: Um die Unternehmen der Branche zu unterstützen, fordert VDMA-Präsident Welcker eine Ausweitung der Kurzarbeiter-Regelung - und lobt das besonnene Handeln der Regierung.

    Startseite
    Mehr zu: Industrie - Von einer Krise in die nächste: Corona-Pandemie trifft Maschinenbauer besonders hart
    0 Kommentare zu "Industrie: Von einer Krise in die nächste: Corona-Pandemie trifft Maschinenbauer besonders hart"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%