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Industriekonzern Thyssen-Krupp prüft verschiedene Optionen für Stahlsparte

Das Traditionsgeschäft von Thyssen-Krupp verbrennt in der Coronakrise Milliarden. Das gilt vor allem für die Stahlsparte, für die der Konzern nach Partnern sucht.
24.07.2020 - 17:36 Uhr Kommentieren
Die IG Metall ist gegen eine Abgabe des Traditionsgeschäfts. Quelle: Reuters
Stahlkocher in Duisburg

Die IG Metall ist gegen eine Abgabe des Traditionsgeschäfts.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Der finanzielle Spielraum für Thyssen-Krupp wird immer kleiner. Erst vor wenigen Tagen versandte der Vorstand erneut einen Brandbrief an die Belegschaft. Es werde in der Coronakrise nicht ausreichen, „unsere Gegenmaßnahmen auf kurzfristige Liquiditätssicherung zu beschränken“, erklärte das Management darin. „Ergänzend müssen wir uns vielmehr darauf einstellen, dass sich unsere Geschäftsaktivitäten auf einem Niveau einpendeln, welches zum Teil dauerhaft und nicht unerheblich unter unseren früheren Mengen-Planungen liegt.“

Für den Essener Industriekonzern zeichnet sich das Worst-Case-Szenario ab: Erst vor wenigen Monaten hat sich Thyssen-Krupp von seiner profitabelsten Sparte, dem Aufzuggeschäft, getrennt, um den verbleibenden Konzern mit dem Erlös von rund 17 Milliarden Euro von Grund auf zu sanieren. Nun gehen vor allem im Stahlgeschäft viele dieser Milliarden für die Bewältigung der Coronakrise verloren. Um den Verlust abzufedern, prüft der Konzern derzeit, ob er für staatliche Hilfsmaßnahmen in Frage kommt.

Parallel dazu treibt Vorstandschefin Martina Merz die Verkleinerung des Konglomerats voran. Zuletzt hatte die frühere Bosch-Managerin öffentlich auch eine Mehrheitsabgabe des einstigen Traditionsgeschäfts ins Spiel gebracht. Nach einem Bericht des „Spiegel“ gehen die Gedankenspiele dazu sogar noch weiter: In Gesprächen mit Interessenten habe Merz sogar einen Komplettverkauf des Stahlgeschäfts nicht mehr ausgeschlossen.

Dabei soll ein Verkaufspreis von zwei bis drei Milliarden Euro im Gespräch sein. Rund zwei Milliarden Euro müsste der Konzern demnach abschreiben, weil er in seiner Bilanz eine höhere Bewertung zugrunde legt. Der Konzern wollte sich dem Magazin gegenüber nicht dazu äußern.

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    Gewerkschaft warnt

    Als potenzielle Käufer gelten der schwedische Stahlkonzern SSAB, aber auch die Nummer zwei auf dem Weltmarkt, der chinesische Stahlhersteller Baosteel. SSAB gilt als Favorit des schwedischen Investmentfonds Cevian, der mit 18 Prozent das zweitgrößte Aktienpaket von Thyssen-Krupp hält. So war am Dienstag eine Untersuchung Cevians bekannt geworden, die verschiedene Strategieszenarien beleuchtet. SSAB ging darin als finanzstärkster Interessent hervor. Einer konkreten Empfehlung soll sich der Fonds aber bislang enthalten haben.

    Die IG Metall hingegen, die zahlreiche Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat stellt, gilt als entschiedener Gegner einer Lösung, bei der Thyssen-Krupp die Mehrheit am Stahlgeschäft verliert. So hatte IG-Metall-Hauptkassierer Jürgen Kerner, der zudem stellvertretender Aufsichtsratschef beim Essener Unternehmen ist, am Mittwoch: „Wenn man den Stahl herausnimmt, zerfällt der Konzern.“ Die Gewerkschaft erwarte, dass eine Konsolidierung auf dem deutschen Stahlmarkt unter Federführung von Thyssen-Krupp passiere – vornehmlich mit dem niedersächsischen Konkurrenten Salzgitter.

    Doch bislang ziert sich der Rivale, der schon seit vielen Jahren als potenzieller Fusionspartner gehandelt wird. Bei der Hauptversammlung vor wenigen Tagen hatte Vorstandschef Jörg Fuhrmann der Idee einer „Deutschen Stahl AG“ noch eine Abfuhr erteilt. „Es könnte uns ja freuen, dass unser Unternehmen regelmäßig als Partner für Fusionsszenarien ins Spiel gebracht wird – das spricht für die Attraktivität und Solidität der Salzgitter“, so Fuhrmann. Aber: „Wir sehen aktuell kein Szenario, das unsere Situation im Vergleich zur Eigenständigkeit verbessern würde.“

    Mehr: Europas Stahlhersteller flüchten sich in Fusionen.

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