Kunststoffhersteller: Adnoc legt neues Angebot für Covestro vor – Aktie steigt auf Jahreshoch
Frankfurt. Der Ölproduzent Adnoc aus Abu Dhabi legt bei seinem Übernahmeversuch für den Kunststoffkonzern Covestro nach. Adnoc habe ein unverbindliches Angebot von rund 60 Euro je Covestro-Aktie auf den Tisch gelegt, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Es liegt damit um drei Euro höher, als zuletzt in Aussicht gestellt worden war.
Adnoc hoffe, mit der neuen Offerte einen entscheidenden Schritt voranzukommen – schließlich hatte das Covestro-Management die 60 Euro zur Vorbedingung gemacht, um in konkrete Verhandlungen zu treten.
Jetzt werde erwartet, dass der Datenraum bald geöffnet wird, hieß es in Finanzkreisen. Die Buchprüfung würde dann sechs bis acht Wochen dauern. Ende des ersten Quartals könnte dann ein Deal angekündigt werden – falls man sich einigen könne.
Adnoc lehnte eine Stellungnahme ab. Ein Covestro-Sprecher sagte lediglich, man sei mit Adnoc weiterhin in ergebnisoffenen Gesprächen. „Ergebnisoffen bezieht sich auf den Inhalt und den Zeitrahmen“, fügte er hinzu.
Zuvor hatte die Agentur Bloomberg über die neue Offerte berichtet. Sie beinhalte auch Arbeitsplatzgarantien und rund acht Milliarden Euro an Investitionen. Das Leverkusener Unternehmen wird mit der neuen Offerte mit 11,3 Milliarden Euro bewertet.
Covestro-Aktien steigen trotz Skepsis
Adnoc hatte sein Interesse an Covestro schon im Sommer bekundet und Insidern zufolge zunächst 55 Euro je Aktie geboten, die Offerte dann aber auf 57 Euro je Aktie erhöht. Covestro hatte Anfang September angekündigt, Gespräche aufzunehmen. Auch über einen Preis von 60 Euro war schon spekuliert worden. Das hatte die Covestro-Aktien Anfang der Woche um rund drei Prozent nach oben getrieben.
Am Donnerstag kletterten die Titel weiter und erreichten bei 54,70 Euro ein Jahreshoch. Dass der Kurs nicht den Angebotspreis von 60 Euro erreicht, zeigt, dass der Markt skeptisch ist, ob ein Deal zustande kommt. Der Markt warte jetzt auf eine offizielle Bestätigung für das Angebot, sagte ein Händler.
Covestro ist die ehemalige Kunststofftochter von Bayer, die die Leverkusener 2015 an die Börse gebracht hatten. Die rund 7300 Beschäftigten von Covestro in Deutschland sind bis Ende 2028 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Weltweit sind es rund 18.000 Mitarbeiter.
Eine Übernahme von Covestro würde dem Ölkonzern Adnoc, der auch Raffinerieprodukte und petrochemische Erzeugnisse herstellt, Zugang zu fortschrittlicheren Materialien verschaffen, die in Elektrofahrzeugen, Wärmedämmung für Gebäude sowie Beschichtungen, Klebstoffen und technischen Kunststoffen zum Einsatz kommen. Unter Vorstandschef Sultan Al Jaber will der Ölkonzern in neue Energien, kohlenstoffarme Brennstoffe wie Ammoniak und Wasserstoff sowie Flüssigerdgas und Chemikalien vorstoßen.
Mit Agenturmaterial