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Milliardendeal K+S zurrt Verkauf des amerikanischen Salzgeschäfts fest – Aktie fast 20 Prozent im Plus

Die Trennung von den Salztöchtern in Nord- und Südamerika ist fix und bringt K+S mehr Geld ein als erwartet. Die Aktie legte am Montag zweistellig zu.
05.10.2020 Update: 05.10.2020 - 23:21 Uhr Kommentieren
K+S als weltgrößter Salzproduzent hatte im März angekündigt, sein Salzgeschäft in Nord- und Südamerika komplett verkaufen zu wollen. Quelle: dpa
Kali und Salz AG

K+S als weltgrößter Salzproduzent hatte im März angekündigt, sein Salzgeschäft in Nord- und Südamerika komplett verkaufen zu wollen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Düngemittel- und Salzproduzent K+S hat den geplanten Verkauf seines amerikanischen Salzgeschäfts festgezurrt. Das Unternehmen teilte am Montagabend mit, die Sparte werde an die Stone Canyon Industries Holdings aus den USA abgegeben. Der Transaktionswert des Geschäfts liege bei 3,2 Milliarden Dollar, umgerechnet knapp 2,75 Milliarden Euro.

Die Börse reagierte zuvor schon auf die Ankündigung sehr positiv. Die K+S-Aktie stieg im Handelsverlauf bis zu 18 Prozent, zum Frankfurter Börsenschluss stand der Kurs bei 6,96 Euro noch mehr als 14 Prozent im Plus. Der ehemalige Dax-Konzern hatte die Trennung vom amerikanischen Salzgeschäft Anfang dieses Jahres beschlossen und im Sommer eine Verkaufsauktion gestartet.

Mit den Einnahmen aus dem Deal will der Kasseler Konzern seinen hohen Schuldenstand senken. Der Abschluss der Transaktion wird nach Vorliegen der kartellrechtlichen, Genehmigungen im Sommer 2021 erwartet, teilte K+S mit. Die Kaufpreiszahlung erfolgt zu diesem Zeitpunkt in bar.

Zu den genannten Konditionen ist K+S aus Sicht von Analysten eine gute Transaktion geglückt. Eine Bewertung des amerikanischen Salzgeschäfts in Höhe von mehr als drei Milliarden Dollar liege zehn Prozent über den durchschnittlichen Erwartungen des Marktes, kommentierte die Baader Bank. Das erklärt den Kurssprung. Die Bewertung entspricht dem 12,5-fachen des 2019 erzielten Ebitda. Der Umsatz der Sparte lag bei 1,5 Milliarden Euro.

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    Die Aktien von K+S befinden sich seit fünf Jahren im Niedergang. 2015 hatte der kanadische Konkurrent Potash ein freiwilliges Übernahmeangebot über 41 Euro je Aktie gemacht, das später unter anderem wegen des Widerstands des Managements des deutschen Düngemittelherstellers zurückgezogen wurde. Der Aktienkurs von K+S lag bis zum Montag rund 45 Prozent unter dem Stand von Ende 2019, was einem Börsenwert von nur noch rund 1,2 Milliarden Euro entspricht. Das amerikanische Salzgeschäft wird damit beim Verkauf um das zweieinhalbfache höher als die Marktkapitalisierung des Gesamtkonzern bewertet.

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    CEO Burkhard Lohr will den Konzern operativ und bilanziell endlich wieder nach vorne bringen. Ende Juni lag die Finanzverschuldung bei drei Milliarden Euro, was als hohe Belastung eingestuft wird. Immerhin entspricht dies dem 4,7-Fachen des bereinigten Gewinns (Ebitda) im Jahr 2019. Das Bonitätsrating der Kasseler ist inzwischen in den Ramschbereich gefallen. Der Umsatz lag bei 4,1 Milliarden Euro.

    K+S könnte Großteil der Schulden auf einmal loswerden

    Die hohe Verschuldung ist eine Folge der größten Investition in der Unternehmensgeschichte, die Erschließung des neuen Kaliwerks Bethune in Kanada. Der Konzern hat rund drei Milliarden Euro in das Projekt gesteckt. Das im Mai 2017 eröffnete Werk soll die Zukunft von K+S im Kalimarkt sichern, da die Vorkommen in Deutschland nur noch wenige Jahrzehnte reichen.

    Lohr hatte damals einen deutlichen Schuldenabbau bis Ende 2020 angekündigt. Allerdings hatten zwei schwierige Jahre, in denen K+S deutlich weniger verdiente als geplant, dieses Ziel in weite Ferne rücken lassen. Daraufhin hatte das Management im März 2020 den Verkauf des Salzgeschäfts in Nord- und Südamerika beschlossen, was einen tiefen Schnitt bedeutet. Das Geschäft steht immerhin für rund ein Drittel des Konzernumsatzes.

    Nun könnte K+S den Großteil der Schulden mit einem Schlag loswerden. Die Baader-Analysten erwarten aus dem Verkauf einen Mittelzufluss von mehr als zwei Milliarden Euro. Neben dem Verkauf hat der Konzern im Sommer ein Sparprogramm gestartet, um den Gewinn zu steigern. Allein in der Verwaltung sollen 30 Prozent der Kosten gesenkt werden, also in etwa 60 Millionen Euro jährlich.

    Wie ernst es das Unternehmen damit meint, zeigte sich im August: Da gab K+S bekannt, dass der Vorstand nicht wie beschlossen erweitert wird. Eigentlich sollte Anfang 2021 Fabiola Fernandez Grund einen neu geschaffenen Vorstandsposten antreten. Die Managerin ist derzeit Finanzvorstand beim Gebäudedienstleister Gegenbauer.

    Finanzinvestoren haben das Nachsehen

    Doch nach Verkündung des Sparprogramms in der Verwaltung kassierte der Aufsichtsrat seine Entscheidung wieder ein. Man wollte sich nicht dem Vorwurf aussetzen, bei den Einschnitten die Führungsspitze zu schonen. Es bleibt nun beim dreiköpfigen Vorstand um Lohr.

    Mit der Übernahme baut Stone Canyon Industries seine erst jüngst aufgebaute Salzsparte aus. Die Holding mit Sitz in Los Angeles hatte im April dieses Jahres den führenden nordamerikanischen Salzproduzenten Kissner Group für zwei Milliarden Dollar übernommen. Der US-Konzern hat sich unter anderem auf Salz für die Enteisung im Winter und Salzwasser-Swimming-Pools spezialisiert.

    Stone Canyon hat sich als strategischer Investor in der Auktion gegen Private-Equity-Interessenten wie Cerberus durchgesetzt. An dem Kauf der K+S-Sparte sind auch der Kissner-CEO Mark Demetree und ihm nahestehende Partner finanziell beteiligt. Demetree kennt sich im Übernahmegeschäft aus, er ist Mitgründer des Finanzinvestors Silverhawk Capital Partners.

    Der operative Gewinn (Ebitda) der Sparte lag 2019 bei 230 Millionen Euro. Das Geschäft umfasst die 2009 für rund 1,67 Milliarden Dollar erworbene Salzfirma Morton Salt sowie die 2006 in Südamerika übernommene Sociedad Punta de Lobos.

    Mit dem Verkauf wird sich K+S nicht vollständig vom Salzgeschäft trennen, die verbleibende Salzsparte in Europa wird fortgeführt. Letztlich richtet sich das MDax-Unternehmen aber wesentlich stärker auf das Geschäft mit mineralischen Düngemitteln und Spezialitäten aus.

    Mehr: K+S will Kosten in der Verwaltung senken – mehr als 300 Jobs sind bedroht.

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