Nate Anderson: Vor diesem Shortseller zittert der reichste Mann Indiens
Der Shortseller deckt Unregelmäßigkeiten bei Start-ups und Konzernen auf.
Foto: The Washington Post/Getty ImagesNew York. Nate Anderson hat sich Zeit gelassen. Fast eine Woche verstrich, bis sich der Gründer des New Yorker Analysehauses Hindenburg Research auf Twitter persönlich zum neuesten Sturm äußerte, den sein jüngster Report losgetreten hatte.
„Interessant“, twitterte Anderson. „Stunden nachdem Adani unseren Hindenburg-Research-Bericht als ‚Angriff auf Indien‘ bezeichnet hat, sehen wir Hunderte von Pro-Adani-Nachrichten – alle mit leicht unterschiedlichem Inhalt, aber alle mit demselben einzigartigen Rechtschreibfehler.“
Tatsächlich hatten sich im Internet Hunderte Nutzer vermeintlich unabhängig für Gautam Adani eingesetzt, den reichsten Mann Indiens, dem Hindenburg einen gigantischen Betrug unterstellt, ein Aufblähen seines Firmenkonglomerats. Das pikante Detail: Alle angeblichen Adani-Verteidiger twitterten fast im gleichen Wortlaut, Adani tue Großes für die indische „Natioin“, Tippfehler inklusive. Anderson witterte dahinter nichts anderes als bezahlte Bots.
Der 38-Jährige gilt abwechselnd als Managerschreck oder als Streiter für die Interessen von Kleinanlegern, die von intransparenten Start-ups und Konzernen hinters Licht geführt werden. Anderson ist ein Shortseller – er setzt also auf den Absturz von Aktien statt auf ihren Anstieg. Seit 2017 hat er bei mindestens 16 Unternehmen Kritikwürdiges aufgespürt und in aggressiven Reports angeprangert: überoptimistische Prognosen, sich selbst bereichernde Manager, eklatante Lügen.