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Pharma- und Chemiekonzern Bayer verlängert Vertrag mit Vorstandschef Werner Baumann

Der CEO bleibt auf Wunsch aber nur bis Mitte 2024 an der Spitze. Bei den offenen Fragen des Glyphosat-Vergleichs kommt der Pharmakonzern voran.
10.09.2020 - 23:17 Uhr Kommentieren
Der Architekt der Monsanto-Übernahme bleibt weiter an der Spitze des Pharmakonzerns. Quelle: Reuters
Bayer-Chef Werner Baumann

Der Architekt der Monsanto-Übernahme bleibt weiter an der Spitze des Pharmakonzerns.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Der Aufsichtsrat der Bayer AG hat am Donnerstagabend den Vertrag mit dem Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann verlängert. Der seit Mai 2016 amtierende CEO wird bis Ende April 2024 in dieser Position bleiben, teilte der Leverkusener Konzern mit. Die Kontrolleure haben die Entscheidung frühzeitig getroffen, der bestehende Vertrag mit Baumann läuft Ende April 2021 aus.

Die Entscheidung für eine Verlängerung hatte sich in den vergangenen Monaten bereits abgezeichnet. Es zeigte sich zu keinem Zeitpunkt, dass die Arbeit des Vorstandsvorsitzenden im Kontrollgremium des Konzerns infrage gestellt wurde. Daran hat auch der Wechsel an der Aufsichtsratsspitze nichts geändert: Seit April führt Nobert Winkeljohann das Kontrollgremium – er ist als Konzernfremder der erste „Nicht-Bayer“ in dieser Position. Seinem Vorgänger Werner Wenning wurde eine enge Verbundenheit mit Baumann nachgesagt, der als sein Ziehsohn galt.

Der CEO wird aber nicht die komplett mögliche neue Amtszeit an Bord bleiben. Bei Bayer werden Vorstandsverträge nach Ablauf der üblichen fünf Jahre nur um maximal vier Jahre verlängert. Bei Baumann sind es drei weitere Jahre. Der Bayer-Mitteilung zufolge hat der CEO selbst um eine kürzere neue Amtszeit gebeten. Dies entspreche seiner persönlichen Lebensplanung, hieß es.

Baumann wird im Oktober 58 Jahre alt, wird also mit 61 die Bayer AG verlassen. „Sowohl die strategische Stärke als auch die robuste operative Performance sind ein großes Verdienst von Werner Baumann und dem gesamten Führungsteam von Bayer“, sagte Aufsichtsratschef Winkeljohann. „Der Aufsichtsrat ist fest davon überzeugt, dass Herr Baumann die richtige Führungspersönlichkeit ist, um die umfassende weitere Transformation zielgerichtet und entschieden voranzutreiben.“

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    Der Aufsichtsrat knüpfte die Vertragsverlängerung mit dem CEO zugleich an einige Erwartungen: Neben dem sicheren Steuern durch die Coronakrise müsse Bayer die Weichen für profitables Wachstum nach Ablauf der Patente wichtiger Pharmaprodukte stellen, erläuterte Winkeljohann. „Wir erwarten zudem, dass der Rechtskomplex Glyphosat in einer für das Unternehmen zufriedenstellenden Weise gehandhabt wird, die wirtschaftlich sinnvoll und so strukturiert ist, dass mögliche künftige Fälle effizient geregelt werden können.“

    Baustelle Glyphosat

    Dies ist aktuell die größte Baustelle bei Bayer. Im Juni hat der Konzern eine grundsätzliche Einigung mit den Anwälten der Glyphosat-Kläger in den USA erzielt. Dies wird den Konzern bis zu 9,6 Milliarden Dollar kosten.

    Wichtig für Bayer war der Teil des Pakets zum Umgang mit neuen Klagen, die in den kommenden Jahren eingereicht werden. Die Anwälte beider Seiten hatten ein komplexes Konstrukt ausgearbeitet, das eine erneute Klagewelle verhindern soll. Dafür wollte Bayer weitere 1,25 Milliarden Dollar auf den Tisch legen.

    Diese Regelung aber kam beim zuständigen Richter in San Francisco nicht gut an, woraufhin Bayer im Juli den Teil der Einigung zurückzog und seither neu verhandelt. Der Leverkusener Konzern teilte am Donnerstagabend mit, dass man bei diesen Gesprächen Fortschritte erzielt habe. Die Details des überarbeiteten Konzepts würden in den kommenden Wochen finalisiert. Es gelte weiter die Maßgabe, dass Bayer einer Beilegung nur zu angemessenen finanziellen Bedingungen zustimme.

    Baumann ist der Architekt der Monsanto-Übernahme, die er von 2016 bis 2018 gegen viele Widerstände und Hürden durchgesetzt hatte. Die Leverkusener haben nach monatelangen Verhandlungen im September 2016 rund 63 Milliarden Dollar für den US-Saatguthersteller auf den Tisch gelegt. Weitere eineinhalb Jahre hat Bayer gebraucht, um die Bedenken der Wettbewerbsbehörden in den USA und Europa aus dem Weg zu räumen. Erst im Juni 2018 wurde die Übernahme perfekt gemacht.

    Geblieben ist in den Monaten danach zum einen die öffentliche Skepsis gegenüber dem Kauf. Die zeigte sich etwa in Teilen der Investorengemeinde, die sich von Bayer-Anteilen trennten. Belastender für den Konzern und seine Mitarbeiter war aber der allgemeine Gegenwind: Monsanto hatte wegen seiner rüden Geschäftspraktiken und seiner Ausrichtung auf die grüne Gentechnik einen äußerst schlechten Leumund.

    Damit musste sich die Bayer-Führung in für beide Seiten teils zermürbenden Debatten auseinandersetzen. Die Diskussion gewann an noch Fahrt, als die Risiken der Monsanto-Übernahme deutlich wurden.

    Im August 2018 gab es das erste Urteil in einem Prozess, in dem ein krebskranker Amerikaner gegen Monsanto klagte und für seine Erkrankung den Unkrautvernichter Glyphosat verantwortlich machte. 289 Millionen Dollar sollte Bayer an ihn zahlen, urteilte eine Jury. Die Summe wurde später gesenkt, das Urteil aber nicht aufgehoben.

    Nach drei schweren Niederlagen vor Gericht änderte Bayer die Strategie im Glyphosat-Rechtsstreit und ließ sich Mitte 2019 auf Vergleichsverhandlungen mit den Klägeranwälten ein, woraufhin neue Prozesse ausgesetzt wurden. Zugleich änderte der Konzern sein Auftreten in der Öffentlichkeit und rückte ab von einer starren Verteidigungshaltung. Beides trug dazu bei, dass es seither ruhiger geworden ist mit den Angriffen von Kritikern und NGOs gegen den Konzern.

    Baumann ist ein echtes Bayer-Gewächs, so wie sein Ziehvater Werner Wenning. Er arbeitet seit 1988 für Bayer, wurde 2010 in den Vorstand mit Zuständigkeit für Finanzen berufen und galt spätestens mit seiner Ernennung zum Strategievorstand ab Oktober 2014 als Kronprinz. Im Mai 2016 folgte er auf den Niederländer Marijn Dekkers an der Bayer-Spitze – wenige Tage später wurde die Übernahmeofferte für Monsanto öffentlich.

    Mehr: Glyphosat-Vergleich: US-Richter droht Bayer mit Wiederaufnahme des Verfahrens

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